Eigentlich war 2002, im Jubiläumsjahr des Solothurner Blasmusikverbandes (SOBV), das erste und einzige Jugendblasorchesterlager geplant. Es war mangels Teilnehmer – im Gegensatz zum Jugend-Brass Band-Lager (JBB) – nicht zustande gekommen. Das JBB-Lager hatte aber riesigen Erfolg und entwickelte sich zum Dauerbrenner. Das ermunterte die Verbandsleitung jedes Jahr zu einem neuen Versuch für ein Blasorchesterlager – schliesslich erfolgreich. Jetzt ist eben das 6. Blasorchesterlager zu Ende gegangen.

Anspruchsvolles Programm

Bei zwei Konzerten in Mümliswil und Solothurn zeigten die jugendlichen Musikanten, was sie in Blatten VS in einer Woche einstudiert haben. Die musikalische Leitung wurde Jan Müller anvertraut. Der ist zwar ein ausgewiesener Brass-Band-Spezialist – er dirigiert momentan gleich drei Brass Bands. Deshalb leitete er auch schon die Jugend Brass Band des SOBV.

Dass er jedoch nicht darauf fixiert ist, belegen sein bereits dritter Master-Abschluss in Dirigieren und sein zweiter Rang beim Dirigentenwettbewerb 2013. Und das bestätigte er auch bei diesem Lager und dessen anspruchsvollem Programm. Das enthielt gleich drei wettbewerbstaugliche Konzertkompositionen.

Thomas Doss steuerte dazu sein «Of Castels and Legends» bei. Es ist eine Auftragskomposition zum 85. Jubiläum des Musikvereins Volksmarsen. Bei dieser hessischen Kleinstadt steht die Kogelsburg. Aus deren Turm soll sich der Legende nach die Weisse Frau gestürzt haben, ein willkommenes Kompositionsthema.

Für seine Auftragskomposition – sie kam aus Amerika, von einer Schule in Aurora – nahm Jan van der Roost den Ortsnamen als Inspiration. Weil Aurora auch Morgendämmerung bedeutet, nannte er sie «Prima Luce». Klar muss sie mit hauchzarten Tuba-Tiefen beginnen und sich erst nach und nach entwickeln. So dachte sich das der Komponist. Und genau so spielte es auch das Orchester.

Den dritten Streich bot das JBO mit «Visions». Da weckt schon der Name des Komponisten Erwartungen. Wenn Mario Bürki noch mit dem Perkussionisten Stefan Kurzo zusammenspannt, entstehen eben: Visionen.

Bezauberndes geschaffen

Dazu nutzte das JBO noch einen Gag: Nach der Einleitung verliessen die Bläser die Bühne und verteilten sich im Saal, darauf erlosch das Licht. In völliger Dunkelheit wurden die Soli von Euphonium, Flöte, Posaune und Saxofon sicher vorgetragen.

Als faszinierendes Stück entpuppte sich auch «Smutny Kolo», das als Uraufführung einer Blasorchesterfassung erlebt werden durfte. Geschrieben hat es der aktuelle Dirigent für die Molotow Brass, deren Mitglied er ist. Das ist ein kleines Ensemble aus Blechbläsern. In einer ungewöhnlichen Besetzung pflegt es östliche Musik. Es heisse übersetzt «Trauriger Tanz», verriet der Komponist dem Publikum. Baltische Schwermut, heiter interpretiert, wurde damit zum Genuss.

Triste Gedanken, hervorragend in Musik umgesetzt, steuerte das JBO auch mit «Du fragsch mi wär i bi», arrangiert von Thomas Rüedi und Ennio Morrecones «Man with the Harmonica» bei. Bei Letzterem bewies mit Corsin Tuor ein weiterer Brass-Band-Band-Spezialist aus der Schweiz, dass sich auch mit Blasorchesterbesetzung Bezauberndes schaffen lässt.