Gewalt im Lager
Jugendgewalt: Die betroffene Schule zieht Konsequenzen

Nach dem Vorfall mit Jan haben Schule und Gemeinde reagiert: Renitente Schüler und ihre Eltern werden härter angepackt. Die für die Lehrer und Schulleitungen mühsamen und aufwändigen Disziplinarfälle sind im Kanton ein grosses Thema.

Stefan Frech
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«Jesses Gott!», dachte die Oberstufen-Schulleiterin, als sie vom Vorfall mit Jan im Klassenlager erfuhr. «Wir hatten schon lange nicht mehr einen so groben Fall von Tätlichkeiten.» Die Schulleiterin versteht die Kritik von Jans Mutter: «Im Nachhinein gesehen war es natürlich ein Fehler, Agim ins Lager mitzunehmen.» Die Klassenlehrerin wollte ihm nochmals eine Chance geben und ihn auf den letzten Ausflug seiner Schulkarriere mitnehmen. «Agims Lehrer haben mir auch gesagt, dass er sich seit seinem letzten Time-out anständig benommen habe. Es gab also für mich keinen Grund zu intervenieren.»

Nun aber zieht die Schule Konsequenzen aus dem Vorfall mit Jan: «Wir achten ab sofort noch restriktiver darauf, dass wir verwarnte Schüler nicht in ein Lager mitnehmen», erklärt die Schulleiterin. So hat sie bereits aufs neue Schuljahr einen Jugendlichen gegen den Willen der Eltern von der Teilnahme in einem Lager ausgeschlossen.

Ausländer und Schweizer

Laut der Schulleiterin kommt es an ihrer Schule immer wieder vor, dass Jugendliche wegen schlechten Benehmens nicht in ein Lager oder auf einen Ausflug mitgenommen werden. «Die Zahl dieser Fälle nimmt bei uns nicht generell zu», sagt die Schulleiterin. «Es sind vielmehr Wellenbewegungen.» Auch die Konflikte zwischen Ausländer- und Schweizergruppen seien je nach Jahrgängen grösser oder kleiner.

Schulleiter fordern Taten

Die für die Lehrer und Schulleitungen mühsamen und aufwändigen Disziplinarfälle und -massnahmen sind laut der Schulleiterin überall im Kanton ein grosses Thema. An der letzten Sitzung der Schulleiter gab es Kritik an den Behörden: Wenn ein Schüler mehr als eine Woche von der Schule verwiesen wird, muss die Vormundschaftsbehörde der Gemeinde informiert werden. Diese müsste dann nach Ansicht der Schulleiter die betreffenden Eltern auf ihren Erziehungsauftrag hinweisen oder mit ihnen gar eine Erziehungsbeistandschaft vereinbaren. «In vielen Gemeinden passiert aber nichts, weil vom Kanton her keine entsprechende Anweisung vorliegt», kritisiert die Schulleiterin aus dem Wasseramt. Ihre Gemeinde will jetzt nach dem Vorfall mit Jan handeln: Die Vormundschaftsbehörde soll angewiesen werden, bei einem «Time-out» bei den Eltern zu intervenieren.

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