Velohändler
Jetzt werden die Fahrräder gesattelt: Velohändler sind startklar

Der Frühling steht vor der Tür und damit der Saisonstart für Velofahrerinnen und -fahrer. Die Fahrradbranche erhofft sich ein zumindest gleich gutes Jahr wie 2011. Der Boom bei den Elektrovelos wird vorerst anhalten.

Franz Schaible
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Der Biberister Velofachhändler Albert Scherrer und sein Lernender Luca Testa sind bereit für die Velosaison.

Der Biberister Velofachhändler Albert Scherrer und sein Lernender Luca Testa sind bereit für die Velosaison.

Felix Gerber

Die meteorologischen Rahmenbedingungen für die Velobranche waren – zumindest in den vergangenen Tagen – perfekt: Schönes Wetter und angenehme Temperaturen. Höchste Zeit also, das Fahrrad aus dem Keller zu holen oder ein neues zu kaufen. Das erhoffen sich zumindest die rund 2200 Zweirad-Fachbetriebe in der Schweiz.

«Die Chancen für ein gutes Geschäftsjahr 2012 sind nicht schlecht», sagt Roland Fuchs, Geschäftsführer der Schweizerischen Fachstelle für Zweiradfragen mit Sitz in Solothurn. Grosse Steigerungen erwartet er aber nicht, bewege sich doch der Absatz seit Jahren «auf sehr hohem und stabilem Niveau».

Steigende Zahlen

Total wurden im vergangenen Jahr 351800 neue Fahrräder verkauft, leicht mehr als im Vorjahr. Es hätten aber deutlich mehr sein können, denn der Einkaufstourismus macht auch vor den Zweirädern nicht Halt. «Der schwache Euro führt dazu, dass vermehrt Velos im Ausland gekauft werden», meldet Fuchs. Er schätzt, dass allein 2011 zwischen 12000 und 15000 Velos im Euroraum gekauft wurden.

Der Druck werde auf der Branche weiter lasten. Selbst in Grenchen ist der Einkaufstourismus zu spüren, wie Toni Roggo berichtet. Er führt seit 21 Jahren das Velofachgeschäft Hyperspace. «Im letzten Jahr sind mindestens sieben Kunden mit im Ausland gekauften und in Schachteln verpackten Velos bei mir aufgetaucht.» Er habe diese dann montieren können. Das sei neu.

Boom bei Elektrovelos

Fortgesetzt hat sich der Boom bei den Elektrovelos. Fast 50000 E-Bikes wurden in der Schweiz verkauft, 26 Prozent mehr als im Vorjahr. Davon profitiert vorab die Biketec AG in Huttwil, die mit ihrem «Flyer» den Markt beherrscht (siehe Kasten). 2006 wurden landesweit erst 3200 Elektrofahrräder abgesetzt.

Heute liegt der Marktanteil bei 14 Prozent. Bis 2010 habe sich der Absatz jährlich verdoppelt. Das Wachstum werde sich nun abschwächen. Fuchs: «Bis in vier Jahren werden pro Jahr rund 70000 bis 75000 E-Bikes verkauft werden. Dann wird sich der Absatz aber stabilisieren.»

Eine Umfrage unter Velofachgeschäften in der Region zeigt, dass nicht alle vom Boom profitieren können – oder wollen. So nehmen etwa beim Biberister Velofachgeschäft Bike Plaza die Verkäufe von E-Bikes nicht zweistellig zu, wie Firmeninhaber Albert Scherrer sagt. «Das Segment wird bei uns nicht speziell gefördert. Unsere personellen Kapazitäten sind zu klein. Wir konzentrieren uns auf das angestammte Geschäft. Das heisst, Reparaturen sowie Verkauf von Kindervelos, über Mountainbikes bis hin zu Rennrädern.»

Auch der Grenchner Toni Roggo hat vom E-Bike-Boom wenig gespürt. «Wer nicht den ‹Flyer› im Sortiment führte, hatte kaum eine Chance», spricht er die dominante Rolle von Biketec an. Doch seit vergangenem Jahr hätten andere Elektro-Velo-Marken in der Qualität gleichgezogen, sodass die Spiesse nun gleich lang seien, was auch bei den Verkäufen spürbar werde.

Wirtschaftskrise nicht gespürt

Insgesamt ist Scherrer, der das Velofachgeschäft in Biberist seit 35 Jahren führt, zufrieden mit dem Geschäftsverlauf 2011. «Es war kein Spitzenjahr, aber ein gutes.» Den Hauptumsatz erzielt er mit Reparaturen und Service-Leistungen. «Wir haben sehr viele Stammkunden, die ihre Velos bei uns warten lassen und damit für eine gute Grundauslastung sorgen», sagt der Chef des Zweimannbetriebes. Der Start ins neue Velojahr 2012 sei geglückt. «Der Neuveloverkauf ist aber noch nicht explodiert. Der Ansturm setzt in der Regel erst zwei Wochen vor Ostern ein.»

Die Werkstatt von Toni Roggo in Grenchen ist ebenfalls voll ausgelastet. «Die Reparatur- und Servicearbeiten sind in den vergangenen Jahren zum Hauptumsatzträger geworden.» Die Neuverkäufe in den ersten drei Monaten 2012 seien gut angelaufen. Dies ganz im Gegensatz zu 2011, wo Roggo kaum Neuvelos verkaufen konnte. Das Auf und Ab sei schwierig zu begründen. Denn beispielsweise 2009 habe er von der Wirtschaftskrise nichts gespürt.

Konkurrenzmässig bereiten den Velofachgeschäften weniger die Grossverteiler und Warenhäuser Bauchweh. Spürbarer sei vielmehr die steigende Zahl von Internet-Anbietern, sagt stellvertretend Scherrer. Sie importierten Velos palettweise aus China und verkauften diese dann zu Billigstpreisen über das Internet. «Das schadet dem Fachhandel.»