Volksschule
Jetzt gibts für ABC-Schützen wieder Schulnoten

Die Schüler der 1. bis zur 3. Klasse erhalten ab dem neuen Schuljahr ein Jahreszeugnis. Vor 20 Jahren wurden die Noten abgeschafft, nun sind sie auf Druck vieler Eltern wieder Bestandteil der Unterstufe.

Elisabeth Seifert
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Solothurner Zeitung

Ab 16. August ist es so weit, oder besser: wieder so weit. Sind vor 20 Jahren die Noten für die Primarschülerinnen und Primarschüler der ersten drei Klassen abgeschafft worden, werden sie mit dem Beginn des neuen Schuljahres wieder eingeführt. Das, nachdem der Kantonsrat - auf Wunsch vieler Eltern - mit zwei Vorstössen Druck gemacht hatte. Noten gibts für die Kleinen in den beiden Kernfächern Mathematik sowie Deutsch in Kombination mit Sachunterricht. Und: Während die Schülerinnen und Schüler ab der vierten Klasse Semesterzeugnisse erhalten, werden den Erst- bis Drittklässler Jahreszeugnisse ausgestellt.

Zusätzliche Infos dank Noten

Aufseiten der organisierten Lehrerschaft ist die Wiedereinführung der Noten für die ABC-Schüten nach wie vor umstritten. Zu einer gewissen Beruhigung beigetragen hat Ende Mai ein Kreisschreiben des Amtes für Volksschule und Kindergarten (AVK), in dem verschiedene Umsetzungsfragen geklärt werden.

«Die Lehrpersonen haben bis jetzt einen sehr guten Job gemacht und ihre Arbeit wird sich auch mit der Notengebung nicht wesentlich verändern,» ist Yolanda Klaus, stv. Chefin im Amt für Volksschule und Kindergarten, überzeugt. «Auch in Zukunft wird ihr Unterricht auf Lernzielen basieren.» Und wie bisher werden die Lehrkräfte mittels Test überprüfen, ob ihre Schüler diese Lernziele tatsächlich erreicht haben.

Der Unterschied: Die Tests werden neu in der Regel benotet. Klaus: «Es gibt aber keinen Zwang, alle Tests zu benoten.» Am Jahresende wird die Gesamtleistung in einem Fach dann im Zeugnis mit einer Note zusammengefasst. Anders als die bisherigen Bewertungen «Lernziel erreicht» oder «Lernziel nicht erreicht», beinhalten Noten, so die Frau vom AKV, noch zusätzliche Informationen. Eine glatte Sechs im Jahreszeugnis heisst zum Beispiel «Alle Lernziele erreicht; zusätzlich werden regelmässig besondere Leistungen erbracht»; eine Fünf bedeutet «Alle Lernziele erreicht», eine Vier «Die wesentlichen Lernziele sind erreicht».

Die Krux mit dem Durchschnitt

Als Knackpunkt - gerade auch im Gespräch mit Eltern - dürfte sich erweisen, wie die Noten zustande kommen sollen. Ein zwar «einfaches, aber höchst fragwürdiges Vorgehen» sei es nämlich, so Yolanda Klaus, wenn aus allen Noten des jeweiligen Fachbereichs einfach der Durchschnittswert berechnet wird. «Die Noten in der Primarschule dürfen nicht das Resultat einer simplen Rechnerei sein», betont die Expertin. Die Aufgabe der Lehrer bestehe vielmehr darin, die Testergebnisse zu sammeln und dann eine Gewichtung vorzunehmen. Zum einen deshalb, weil hinter den einzelnen Teilnoten Tests mit ganz unterschiedlichen Ansprüchen stehen. Vor allem aber müsse gerade auch bei Jahresnoten die Entwicklung der Schüler mitberücksichtigt werden, unterstreicht Yolanda Klaus. Ein Schüler zum Beispiel, der sich in der zweiten Jahreshälfte markant verbessert, komme mit einer Durchschnittsnote zu schlecht weg. Das Umgekehrte trifft dann natürlich auch zu. Yolanda Klaus: «Gerade in diesem zweiten Fall, sind die Lehrer im Elterngespräch gefordert, ihre Entscheidung zu begründen.» Trotz Noten hält das Promotionsreglement für die Primarschule denn auch an den jährlichen Beurteilungsgesprächen zwischen Lehrern, Eltern und Kindern fest.

Ins Boot geholt hat das AVK die Lehrerschaft insbesondere mit dem Zugeständnis, die Notengebung im Fach Deutsch/Sachunterricht zu vereinfachen. Anders als das klar definierte Fach Mathematik umfasst der zweite notenrelevante Bereich nämlich deutsche Sprache, Sachunterricht, Schreiben und Musik. Auf Druck der Lehrerschaft sollen in die Jahresnote jetzt nur die Leistungen in «Deutscher Sprache» und «Sachunterricht» einfliessen.