Landwirtschaft
Jeder achte Bauernbetrieb in Solothurn muss aufgeben

Die Landwirtschaft im Kanton Solothurn ist bedroht. Das zeigen die Zahlen des Bundesamtes für Statistik. Demnach sind die Zahl der Bauern seit 2000 um 12,5 Prozent gesunken.

Franz Schaible
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Die langfristige Zukunft für die Landwirtschaftsbetriebe – auch im Kanton Solothurn – wird immer ungewisser. archiv/hanspeter Bärtschi

Die langfristige Zukunft für die Landwirtschaftsbetriebe – auch im Kanton Solothurn – wird immer ungewisser. archiv/hanspeter Bärtschi

Solothurner Zeitung

«Nein, das ist keine Überraschung», kommentiert Peter Brügger, Sekretär des Solothurnischen Bauernverbandes (SOBV), die kürzlich durch das Bundesamt für Statistik publizierten Zahlen der landwirtschaftlichen Betriebsstrukturerhebung 2010. Demnach ist die Zahl der Bauernbetriebe im Kanton Solothurn seit 2000 um 12,5 Prozent auf 1580 gesunken. Schweizweit war der Aderlass noch stärker und 2010 wurden erstmals weniger als 60000 aktive Bauernbetriebe gezählt (siehe Tabelle).

Noch stärker zurückgegangen ist die Zahl der Beschäftigten im 1. Sektor, und zwar um fast 15 Prozent. Dafür macht Brügger primär den Rationalisierungseffekt geltend. «Auch in der Landwirtschaft steigt der Mechanisierungsgrad stark an.» Zudem würden nicht wenige Betriebe, wenn es einkommensmässig eng werde, als erste Massnahme Angestellte abbauen, um die Kosten zu senken.

Schwieriger Generationenwechsel

Den Hauptgrund für die Aufgabe von Bauernbetrieben sieht Brügger in fehlenden Nachfolgelösungen, um den Betrieb weiterführen zu können. Die Einkommenssituation sei schwierig und die Aussichten versprechen kaum Besserung (siehe Kasten). Das Vertrauen in die Branche fehle. «Die potenzielle Nachfolgegeneration sagt deshalb vielfach: nein danke.» Zudem wirke der Sog der übrigen Wirtschaft nach Arbeitskräften, was zu einer stetigen Abwanderung führe.

«Leere Betriebe» nicht zum Verkauf

Einerseits geben immer mehr Bauern ihren Hof auf, andererseits ist es für Jungbauern schwierig, einen geeigneten Hof zu übernehmen oder zumindest zu pachten. Dies sei ein Widerspruch, bestätigt Brügger. Vielfach werde der Hof gar nicht verkauft, weil der Besitzer im Haus wohnen bleibe und das Land an benachbarte Bauern verpachte. Oder der Bauernhof werde zum reinen Wohnraum umgebaut und das Landwirtschaftsland in die Bauzone eingeteilt. «Diese Entwicklung ist schade, denn für Jungbauern ist es in der Tat schwierig, eine eigene Existenz aufzubauen. Aber die Erben wählen oft diesen Weg, weil ein Verkauf des Hofes als Bauernbetrieb finanziell zu wenig interessant ist.»

Bauernland an Toplagen umkämpft

Die Statistik zeigt aber auch, dass die landwirtschaftliche Nutzfläche praktisch stabil bleibt. Das führt dazu, dass die durchschnittliche Nutzfläche pro Betrieb steigt. Vor zehn Jahren betrug die Fläche pro Hof im Kanton Solothurn 18 Hektaren, heute sind es rund 21 Hektaren. «Vor 50 oder 60 Jahren hätte man von Grossbauern gesprochen.» Dies sei sicherlich keine negative Entwicklung, denn es erlaube dem einzelnen Bauer, mehr zu produzieren. Aber die stabile Nutzfläche sei zu relativieren. Gerade in verkehrsgünstig guten Lagen sei der Kampf um den Boden gross. Beispielsweise zwischen Oensingen und Niederbipp gehe Landwirtschaftsland hektarenweise verloren. In Juralagen dagegen bleibe die Fläche konstant. «Unser Anliegen ist es, dass die landwirtschaftliche Nutzfläche nicht weiter abnimmt.»

«Strukturwandel nicht nur negativ»

Insgesamt geht Peter Brügger davon aus, dass der Strukturwandel weitergehen wird. Angesichts der Altersverteilung nehme die Schliessungskadenz noch zu. «In den nächsten zehn bis 15 Jahren stehen sehr viele Generationenwechsel an.» Der Strukturwandel sei allerdings nicht nur negativ, insbesondere wenn er organisch ablaufe. «Tragisch ist es dagegen, wenn 40- oder 50-jährige Bauern den Betrieb aus wirtschaftlichen Gründen aufgeben müssen.» Um dies zu verhindern, brauche es «ein anständiges Einkommen und vertretbare Arbeitsbedingungen».