Studie
Jedem Berg seine eigene Identität

Provokative Vorschläge zur Freizeitnutzung der Region Balmberg-Weissenstein-Grenchenberg: Alle Beteiligten müssten zusammenarbeiten und für alle drei Berge und ihrem Umfeld gemeinsam Tourismusprodukte entwickeln vermarkten.

Franz Schaible
Merken
Drucken
Teilen

Solothurner Zeitung

«Wir dürfen uns keine Illusion machen. Ausser Einheimischen kennt niemand die Tourismusregion Balmberg-Weissenstein-Grenchenberg als Ganzes. Es ist eine ‹Destination unbekannt›.» Philipp Boksberger, Professor am Institut für Tourismusforschung der Hochschule für Technik und Wirtschaft Chur und Projektleiter der von Region Solothurn Tourismus in Auftrag gegebene Freizeitnutzungsstudie, sprach bei der gestrigen Präsentation in Solothurn Klartext.

Jede Teilregion entwickle eigene Ideen, eine Vernetzung fehle. Die Anbieter von touristischen Leistungen seien Einzelkämpfer. «Das Aufbrechen verharzter und eingesessener Strukturen ist langfristig unabdingbar.» Denn die Gesamtregion habe ein beträchtliches touristisches Potenzial. Ziel müsse sein, dass alle Beteiligten zusammenarbeiten und für alle drei Berge und ihrem Umfeld gemeinsam Tourismusprodukte entwickeln und gemeinsam als Gesamtregion vermarkten. Dabei soll sich aber jeder Berg innerhalb der Region auf einen Angebotsschwerpunkt konzentrieren und seine eigene Identität behalten, ergänzte Jürgen Hofer, Leiter von Region Solothurn Tourismus.

Grenchenberg: Der Hausberg der Industrie- und Technologiestadt Grenchen soll unter dem Motto «erfahren und staunen» positioniert werden. Dabei sollen thematische Schwerpunkte wie Energie, Technik, Fliegerei usw. «in der Natur inszeniert werden». Zielgruppen seien Familien und Gruppen, die sich in der Natur bewegen und gleichzeitig etwas lernen und erfahren möchten. Attraktionen seien am Berg die Sternwarte, der Planetenweg und der geplante Windpark, im Tal der Flughafen, der geplante Velodrom, die Witi und die Storchensiedlung Altreu. «Der Skiliftbetrieb wird geschlossen oder zumindest wird nicht mehr in die Anlagen investiert», sagte Boksberger. Das habe langfristig keine Chance. Zudem sieht die Studie ein Fahrverbot für den motorisierten Individualverkehr vor. Grenchen müsste ein Parkplatzbewirtschaftungskonzept ausarbeiten.

Weissenstein: Der Solothurner Hausberg soll unter dem Motto «erholen und geniessen» positioniert werden. Nebst der Gastronomie und dem Kurhaus mit Fokus auf Seminar- und Wellness-Angebot sei hier die geplante neue Bergbahn die Hauptattraktion. Die Passstrasse bliebe offen, aber auf dem Weissenstein stünden keine Parkplätze mehr zur Verfügung. Die Erschliessung erfolgt ausschliesslich über die Seilbahn. Dazu brauche es auch hier mit der Standortgemeinde ein Bewirtschaftungskonzept für die Parkplätze. Auf eine Übernachtungsmöglichkeit soll verzichtet werden. «Ohne Bahn wird aber das Konzept nicht funktionieren. Diese braucht es, um die nötigen Frequenzen auf den Berg zu holen.»

Balmberg: Dieser soll unter dem Motto «erleben und bewegen» gezielt zum «Sportberg» ausgerichtet werden. Hauptattraktionen seien der Seilpark, die Schneesportanlagen mit Beschneiungskapazität sowie das Kurhaus. Letzteres könnte als Schlechtwetterangebot zu einem Erlebnis-Schloss mit Indoor-Spielplatz umgebaut werden. Keine Veränderung gebe es für die Verkehrserschliessung.

Breite Mehrheit gesucht

Wie realistisch ist die Umsetzung der Vorschläge? «Es braucht Visionen. Wir als Studienverfasser dürfen extreme Ideen präsentieren», sagt darauf Boksberger. Es gehe nun darum, eine breite Mehrheit zu finden. Die Studie zeige ein klares Profil für jeden Berg und niemandem werde etwas weggenommen. Jeder Anbieter könne sich ins Konzept einpassen.

Die Studie basiert auch auf den Informationen aus rund 30 geführten Interviews mit Vertretern touristischer Leistungsträger, des Tourismus, der Gemeinden, der Politik, der Verbände und Vereine. Diese haben bis zum 3. Juni Zeit, Einwände und Anregungen einzubringen. Der bereinigte Masterplan gehe danach in eine breite Vernehmlassung, erläuterte Jürgen Hofer. Der definitive Schlussbericht werde dann als eigenständiges Projekt ins Programm der Neuen Regionalpolitik (NRP) eingespeist. Eine Umsetzung der Vorschläge sei bis 2015 möglich.