Japan

Japanerin spricht über die Angst ihrer Landsleute

Mitsue Rüegsegger.  at.

Mitsue Rüegsegger. at.

Mitsue Rüegsegger lebt seit über 35 Jahren in der Schweiz. Die Japanerin und Ehefrau eines Solothurner Confiseurs leidet aber mit ihren Landsleuten mit.

Mitsue Rüegsegger ist in Sapporo auf der Nordinsel Hokkaido aufgewachsen. Ihre engere Heimat wurde somit von der Naturkatastrophe nicht so stark in Mitleidenschaft gezogen. Doch sie hat gute Bekannte in Sendai, jener Stadt, die vom Erdbeben und vom Tsunami stark zerstört wurde. «Meiner Schwester ist es gelungen, diese Leute zu erreichen – sie leben!» Rüegsegger selbst hält per Skype und Telefon Kontakt mit ihrer Familie und weiteren Freunden in Tokio.

Aus den Gesprächen weiss sie, dass die Menschen Angst haben, insbesondere vor den Folgen des Atomunfalls. Die hiesige Darstellung, alle Japaner würden die Hiobsbotschaften unberührt entgegennehmen, stimme so nicht, betont sie. Richtig sei hingegen, dass die Leute auch in misslicher Lage die Ruhe bewahren. «Japaner sind sich von klein auf gewohnt, mit wenig Platz auszukommen und auf andere Rücksicht zu nehmen.» Das Wohl des Kollektivs werde höher gewichtet als der Individualismus.

Hierin sieht sie den grössten Mentalitätsunterschied zwischen Japanern und Europäern. So kommt es auch nach Zerstörungen nie zu Plünderungen. Die Kriminalität ist ohnehin tief.

«Die Gebäude sind gut gebaut»

Die Tochter eines Tierarztes hat in ihrer Heimat auch schon Erdbeben miterlebt, sogar eines der Stärke 7. «Man lernt, damit umzugehen und die Gebäude sind gut gebaut. Die Kombination, wie sie jetzt aber passierte, mit dem Tsunami und dem Atomunfall, hat alle Befürchtungen übertroffen.» Auch der zaghafte wirtschaftliche Aufschwung in Japan werde jetzt wieder abgewürgt.

«Zu viel Information»

Mitsue Rüegsegger informiert sich über verschieden Quellen zur Lage in der Heimat. «Im Moment gibt es fast zu viele Informationen», empfindet sie. Man könne sie gar nicht richtig verarbeiten. Im Herbst hatte sie vor, zusammen mit ihrem Mann wieder nach Japan zu reisen. «Ob dies jetzt möglich ist, ist offen.»

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