Gösgen

Japan: Beklommenheit in der «Atom-Amtei»

Das Atomkraftwerk in Gösgen (Archiv)

Das Atomkraftwerk in Gösgen (Archiv)

Die Region Aarau-Niederamt ist nicht nur ein möglicher Atomendlager-Standort. Neben dem bestehenden Kernkraftwerk Gösgen (KKG) ist ein zweites vorgesehen.

Die Gemeindepräsidentenkonferenz Niederamt (GPN) und die Plattform Jura-Südfuss verfolgen das kritisch. Olten-Gösgen gilt als «Atom-Amtei».

Was sagen Exponenten zur Katastrophe in Japan? Wie ist ihnen zumute im Umkreis eines Atomkraftwerks, wie er in Fukushima geräumt wurde? «Blick» zeigte gestern auf einer Karte, dass 20 Kilometer rund um Gösgen 250000 Menschen evakuiert werden müssten.

Ein Fukushima-Szenario nicht vorstellbar

Gery Meier ist Präsident der KKG-Standortgemeinde Däniken. In einer Ende Januar veröffentlichten Studie der GPN steht, dass die Däniker viel weniger gegen neue Atomanlagen sind als ihre Nachbarn. Für Meier stellt sich die Frage nicht, wie die Befragung heute herauskäme: «Klar, dass sich jetzt alle ihre Überlegungen machen. Doch diese Angstmacherei ist total daneben.» Er habe viele Medienanfragen bekommen, aber kein einziges besorgtes Telefon aus der Bevölkerung.

Hanspeter Jeseneg von der GPN-Arbeitsgruppe Energie prophezeit hinsichtlich der gestern schweizweit sistierten AKW-Planung: «Unsere Werke werden gewaltig nachrüsten müssen.» Und zurzeit stünden die Chancen für ein GösgenII «deutlich schlechter» als 50:50. Er könne sich hierzulande ein Fukushima-Szenario nicht vorstellen – «aber das konnten die Japaner auch nicht».

Urs Huber engagiert sich als

SP-Kantonsrat im Verein Niederamt ohne Endlager, den er präsidiert. Er wohnt in Obergösgen und zeigt sich «schockiert» über die Ereignisse in Japan. «Jetzt muss auch der Kanton Solothurn das AKW-Richtplanverfahren stoppen», verlangt Huber. Gleichwohl findet Huber vorschnelle Forderungen für falsch. Er hofft vielmehr, dass die Betroffenheit gerade bei
den Politikern anhält. «Nicht wie bei den UBS-Boni», wo anfänglich viel versprochen, dann aber nichts gehalten wurde, so Huber.

Für Lotty Fehlmann Stark, Aargau-Präsidentin von «Nie wieder Atomkraftwerke», hängt vom Fortgang der Katastrophe ab, ob sie langfristig im Gedächtnis haften bleibt. Doch schon der heutigen Realität könne sich der atomfreundliche Kanton nicht verschliessen, so Fehlmann. Für die Aarauer SP-Einwohnerrätin hat sich in Japan ihre «tiefste Überzeugung des Zerstörungspotenzials von AKW auf traurige Art bestätigt».

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1