Bern-Jura-Solothurn
«Jahrzehntbericht» der Kirche soll verborgenes offenbaren

Die Reformierten Bern-Jura-Solothurn wollen im «Jahrzehntbericht» zeigen, was sie alles leisten. Zurzeit wird mit Hochdruck am Jahrzehntbericht 2001 bis 2010 gearbeitet, der auf die Sommersynode 2013 erscheinen soll.

Andreas Toggweiler
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Unter diesem Logo sammelt die Kirche Infos zu den letzten 10 Jahren. zvg

Unter diesem Logo sammelt die Kirche Infos zu den letzten 10 Jahren. zvg

Alle zehn Jahre muss die Berner Kirche zuhanden der Synode einen so genannten «Jahrzehntbericht» erstellen, als einzige Landeskirche in der Schweiz. Dies passiert gemäss Kirchenordnung seit 1874 ohne Unterbruch. Doch die Berichte hinterliessen trotz beträchtlichem Aufwand jeweils wenig Spuren. Wird es diesmal besser?

«Das ist die Chance, mehr zu sehen als die Spitze des Eisberges, heisst es in der Einleitung einer Broschüre, die in alle Kirchgemeinden der Berner Kirche (inkl. Bezirkssynode Solothurn) versandt wurde.

Es passiert mehr als wahrgenommen wird

Das Symbolbild soll zeigen: In den Kirchgemeinden geschieht mehr, als auf den ersten Blick von aussen ersichtlich ist. «Der Jahrzehntbericht ist ein wichtiges Instrument für die Standortbestimmung der Kirche», betont Synodalratspräsident Andreas Zeller. Man messe ihm deshalb hohe Bedeutung bei.

Nur: Die bisherigen Jahrzehntberichte, meist Bücher mit mehreren 100 Seiten, waren eher persönlich gefärbte Elaborate kirchlicher Innensicht. Es schrieben Pfarrer und Synodalräte für Pfarrer und andere Kirchenfunktionäre. Der Beachtungsgrad bei der Basis hielt sich in Grenzen. Nur 1980 wurde aus der lästigen Pflicht eine Kür. Statt eines Jahrzehntberichts entstand die Diaschau «Ghörsch ou derzue?», die noch da und dort in Erinnerung ist.

Jahrzehntbericht als Staubfänger

Dem Synodalrat war das allerdings zu wenig Fleisch am Knochen. Bereits zehn Jahre später kehrte er zur traditionellen Publikationsform zurück. Wie soll verhindert werden, dass der aufwendige Jahrzehntbericht auch diesmal zum Staubfänger wird? – «Die aktuelle Ausgabe wird multimedial und soll im Internet publiziert werden», erklärt Synodalratspräsident Zeller.

Jedermann soll Zugang haben zu den Resultaten, die aus Fotos, schriftlichen Beiträgen, Interviews und Filmen haben können. Die Kirchgemeinden sollen diesmal auch mehr als nur Lieferantinnen von Statistikmaterial sein. Sie erhalten die Möglichkeit, ihr «Jahrzehntprojekt» in Wort und Bild vorzustellen, sei dies ein Fest, eine Veranstaltungsreihe oder ein neues Gebäude. Es seien schon etliche Beiträge eingetroffen, erklärt Zeller.

Ein möglichst objektives Bild

Thomas Gehrig, Leiter des Kommunikationsdienstes der reformierten Kirche Bern-Jura-Solothurn, betont, dass mit dieser breiten Abstützung ein möglichst objektives Bild entstehen soll. Die Verarbeitung des Materials soll nach journalistischen Kriterien erfolgen. Die Kirchgemeinden könnten dafür professionelle Unterstützung anfordern, erklärt Gehrig.

Insgesamt werde an drei Bereichen gearbeitet. Das Fragebogen-Heft (mit dem Eisberg-Sujet) erhebt die kirchlichen Angebote im Vergleich zu vor zehn Jahren. Gefragt wird nach Gottesdienst-Zeiten und -Arten, Kirchenmusik, Ökumene, Jugend- und Erwachsenenarbeit, Personalstruktur, Finanzen. Liegenschaften usw. Die Erhebung bei den 230 Kirchgemeinden dient einem Statistikteil, der die Angaben mit früheren Jahrzehnten vergleichbar macht. Dazu kommen die erwähnten multimedialen Beiträge aus den Kirchgemeinden.

Analyse der Vergangenheit

Im Rahmen dieses Jahrzehntberichtes wird schliesslich auch Rückschau gehalten darauf, was in früheren Berichten stand. Der Langenthaler Pfarrer und Laienhistoriker Simon Kuert hat die Aufgabe gefasst, die bisher publizierten Berichte zu sichten und zu analysieren.

«Es zeigt sich, dass die Art und Weise, wie die Berichte abgefasst wurden, auch Interessantes über das jeweilige Rollenverständnis der Kirche offenbart», sagt Kuert. Die Analyse der Jahrzehntberichte sei gut geeignet, verschiedene gesellschaftliche Entwicklungen und ihre Einschätzung durch die Kirche aufzuzeigen. Deutlich wird auch, dass die Kirchen in der Stadt und auf dem Land schon vor 100 Jahren recht unterschiedlich waren.

Für Zeller ist es denkbar, dass aus einer Zusammenfassung von
Kuerts Quellenstudium auch eine gedruckte Broschüre entsteht. «Schliesslich wurden die Jahrzehntberichte teilweise von bekannten Autoren wie Rudolf von Tavel verfasst.» Zum finanziellen Rahmen des Jahrzehntberichtes macht Zeller keine Angaben. Das definitive Budget werde erst im Herbst beschlossen.