Vermögensstatistik
Ist Solothurn ein Arme-Leute-Kanton?

Keine wirkliche Oase für Reiche: Vermögensstatistik der Steuerverwaltung zeigt, wo die Millionäre wohnen: Bern ist top, Solothurn ein Flop.

Franz Schaible
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Reich und Arm

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Schweiz am Sonntag

Seit Tagen sind Reichtum, Milliardäre und Millionäre ein Thema in der breiten Öffentlichkeit: Grund ist ein diese Woche publiziertes Buch des Basler Soziologieprofessors Ueli Mäder mit dem Titel «Wie Reiche denken und lenken - Reichtum in der Schweiz» sowie die anstehende Volksabstimmung über die «Steuergerechtigkeits-Initiative» der SP. Gerade rechtzeitig hat da die Eidgenössische Steuerverwaltung dieser Tage ihre neuste Vermögensstatistik der natürlichen Personen, basierend auf den Daten fürs Steuerjahr 2007, auf ihrer Homepage aufgeschaltet. Die detaillierte Aufschlüsselung der verlässlichen Daten nach Kantonen erlaubt einen guten und realistischen Überblick, in welchen Regionen die Vermögenden vorzugsweise wohnen.

Unddas sagt Christian Wanner dazu

Laut Erhebung der Eidg. Steuerverwaltung haben 2007 knapp 42 Prozent aller Solothurner Steuerpflichtigen kein Nettovermögen angegeben. Das ist Landesrekord. Ist Solothurn ein «Arme-Leute-Kanton»?
Christian Wanner: Das tönt zwar etwas despektierlich, aber im Vergleich zu anderen Regionen stimmt die Aussage. Der Kanton Solothurn ist ressourcenarm; das heisst, das Steuersubstrat ist verhältnismässig tief. Das schweizerische Mittel liegt bei 100, Solothurn bei 76,5.

Worauf führen Sie diese «Leaderstellung» zurück?
Gerade im Kanton Solothurn sind Wirtschaftszweige stark präsent, die nicht die höchste Wertschöpfung generieren. So ist etwa der Dienstleistungsbereich unterdurchschnittlich vertreten. Für die Wahl des Wohnortes von Vermögenden sind andere Faktoren massgeblicher. Solothurn hat beispielsweise keinen See ...
... das ist aber doch banal ...
... das tönt nur so. Die Wohnlage ist für die Wohnsitznahme enorm wichtig. Ebenso die Nähe zum Arbeitsmarkt mit hoch qualifizierten Arbeitsplätzen im wirtschaftlichen Zentrum Zürich und die Infrastruktur wie der Flughafen. Wer regelmässig in einer halben Stunde auf dem Flughafen sein muss, der will nicht im Kanton Solothurn wohnen. Und mit den überdurchschnittlich hohen Löhnen in der Finanzbranche können wir auch nicht mithalten.

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