Vermögensstatistik

Ist Solothurn ein Arme-Leute-Kanton?

So wenig Vermögende wie Solothurn hat sonst niemand. Die Dagoberts wohnen woanders.

Reich und Arm

So wenig Vermögende wie Solothurn hat sonst niemand. Die Dagoberts wohnen woanders.

Keine wirkliche Oase für Reiche: Vermögensstatistik der Steuerverwaltung zeigt, wo die Millionäre wohnen: Bern ist top, Solothurn ein Flop.

Seit Tagen sind Reichtum, Milliardäre und Millionäre ein Thema in der breiten Öffentlichkeit: Grund ist ein diese Woche publiziertes Buch des Basler Soziologieprofessors Ueli Mäder mit dem Titel «Wie Reiche denken und lenken - Reichtum in der Schweiz» sowie die anstehende Volksabstimmung über die «Steuergerechtigkeits-Initiative» der SP. Gerade rechtzeitig hat da die Eidgenössische Steuerverwaltung dieser Tage ihre neuste Vermögensstatistik der natürlichen Personen, basierend auf den Daten fürs Steuerjahr 2007, auf ihrer Homepage aufgeschaltet. Die detaillierte Aufschlüsselung der verlässlichen Daten nach Kantonen erlaubt einen guten und realistischen Überblick, in welchen Regionen die Vermögenden vorzugsweise wohnen.

Unter den Reichen ist demnach der Kanton Solothurn als Wohnsitz wenig begehrt. Nur gerade 1,4 Prozent der landesweit knapp 218000 Vermögensmillionäre wohnen im Solothurnischen. In absoluten Zahlen waren es genau 3029 Steuerpflichtige, die ein Reinvermögen von über einer Million Franken deklarierten. Im Vergleich zu 2003 - Vergleiche mit früheren Jahren sind wegen unterschiedlicher Erfassungsgrundlage nicht möglich - entspricht dies einer Zunahme um 27 Prozent.

Bern, der grosse Kanton

Deutlich besser vertreten auf der Landkarte der Vermögenden ist da der Kanton Bern. Mit 23344 Millionären haben sich elf Prozent aller in der Schweiz wohnenden Vermögenden im Bernerland niedergelassen. Gemessen an der Anzahl sämtlicher Steuerpflichtigen können aber beide Kantone vorne nicht mithalten. In Solothurn haben nur 2 Prozent aller hiesigen steuerpflichtigen natürlichen Personen die Schallgrenze von einer Million Franken Vermögen geknackt, im Kanton Bern waren es 3,7 Prozent. Damit ist ihnen ein hoher Exklusivitätsanspruch gesichert. Schweizweit ist mit 4,6 Prozent fast jeder zwanzigste Steuerpflichtige ein Vermögensmillionär.

Dagegen ist in steuergünstigen Kantonen wie Schwyz und Zug der Millionärsstatus kein Privileg mehr, sondern vielmehr fast courant normal. So hat beispielsweise 2007 jeder zehnte Schwyzer Steuerpflichtige ein Vermögen von über einer Million Franken deklariert. Im Innerschweizer Kanton hat sich die Zahl der Vermögenden mehr als verdoppelt.

Die Lage spielt eine grosse Rolle

Diese doch gewaltigen Unterschiede seien nicht allein auf die Steuersituation zurückzuführen, erklärt dazu Christian Wanner, Solothurner Finanzdirektor und Präsident der Finanzdirektorenkonferenz im Interview. Er nennt die Wohnlage, die Nähe zum Arbeitsmarkt mit hoch qualifizierten Arbeitsplätzen im Wirtschaftszentrum Zürich und zur Infrastruktur wie den Flughafen. «Zudem können wir mit den überdurchschnittlich hohen Löhnen in der Finanzbranche nicht mithalten.»

Am anderen Ende der Fahnenstange nimmt der Kanton Solothurn allerdings den «Spitzenplatz» ein. Denn 42 Prozent der Steuerpflichtigen haben null Reinvermögen deklariert. So viele wie in keinem anderen Kanton. «Das tönt zwar etwas despektierlich, aber im Vergleich zu anderen Regionen stimmt die Aussage», antwortet Wanner auf die Frage, ob Solothurn ein «Arme-Leute-Kanton» sei. Dagegen ist die Verteilung im Kanton Bern etwas gerechter. Der Anteil der Null-Vermögenden betrug 25 Prozent.

Um die schiefe Verteilung der Vermögen noch anschaulicher darzustellen, dient die wertmässige Aufschlüsselung. So besassen im Solothurnischen die erwähnten zwei Prozent der Steuerpflichtigen 53 Prozent des gesamten deklarierten Vermögens von 22 Milliarden Fr. Im Kanton Bern entfielen 54 Prozent des Gesamtvermögens von 148 Milliarden Fr. auf die 3,7 Prozent der reichsten Steuerpflichtigen.

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