Gänsbrunnen
Ist im «St. Joseph» endgültig Schluss?

Der Gasthof St. Jospeh in Gänsbrunnen ist nur noch bis zu Wochenende offen. Das Pächterehepaar verlässt den Gasthof nach gut einem Jahr schon wieder.

Alois Winiger
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Gasthof und Mühlehof (links) als Einheit zu verkaufen, sieht Besitzer Jaggi als Möglichkeit. Walter Schmid Gasthof und Mühlehof (links) als Einheit zu verkaufen sieht Besitzer Jaggi als Möglichkeit. Walter Schmid

Gasthof und Mühlehof (links) als Einheit zu verkaufen, sieht Besitzer Jaggi als Möglichkeit. Walter Schmid Gasthof und Mühlehof (links) als Einheit zu verkaufen sieht Besitzer Jaggi als Möglichkeit. Walter Schmid

Solothurner Zeitung

Wer beim Gasthof St. Joseph Gänsbrunnen anrufen will, kommt nicht durch, erhält aber immerhin eine freundliche Auskunft: «Diese Nummer wird nicht mehr benutzt.» Wieso das denn? Ist der Betrieb geschlossen? «Noch nicht», sagte Pächter Dominik Pfister gestern bei einem Besuch in seiner Gaststube. «Aber am nächsten Sonntag haben wir den Letzten hier.» Das kommt eher überraschend, haben doch er und seine Frau Tamara den Betrieb erst vor etwas mehr als einem Jahr übernommen und sich dabei recht enthusiastisch gezeigt.

«Ein wenig blauäugig»

«Wir waren leider ein wenig blauäugig und haben unterschätzt, dass man hier halt sehr stark vom Wetter abhängig ist», gibt Pfister offen zu. «Bei schönem Wetter kamen wir mit Bedienen oft fast nicht nach.» Aber an vielen Abenden und auch nicht selten bei trübem Wetter sei kein einziger Gast gekommen. Total in der Realität angekommen, seien sie dann im Winter. «Die Heizkosten waren unglaublich hoch.»

Und das alles noch zusätzlich zur monatlichen Miete von 5200 Franken, bei der zwar eine Viereinhalbzimmerwohnung inbegriffen sei, aber, was Pfister dabei besonders ärgert: «Der Vorgänger hat deutlich weniger Zins bezahlen müssen.» Zu wenig Beachtung geschenkt hätten sie vor der Pachtübernahme auch dem Zustand der Einrichtungen. «Die Küchendecke wurde unterdessen vom Lebensmittelkontrolleur beanstandet. Und wer will schon ein Hotelzimmer ohne Toilette, Radio und Fernsehen?»

Pfisters mussten einsehen, dass es so nicht mehr weitergehen konnte. «Wir hatten dummerweise einen Fünfjahresvertrag unterschrieben. Aus dem wollten wir raus, darum haben wir den Zins nicht mehr bezahlt. Worauf uns gekündigt wurde. Bis Ende August müssen wir draussen sein.» Er und seine Frau wollen in der Gastronomie bleiben und im luzernischen Ermensee eine neue Existenz aufbauen.

Jaggi verärgert und enttäuscht

Besitzer der Liegenschaft ist Martin Jaggi (im Musiksektor als Ralph Martens bekannt), Geschäftsführer der Business und Design AG, Laupersdorf. Er hatte den Gasthof St. Joseph 1996 von seiner Mutter und seinerzeitigen Wirtin Heidy Jaggi übernommen. Martin Jaggi ist verärgert über die Situation. «Offenbar will es einfach keinem gelingen, den Betrieb so zu führen, dass der Erfolg von Dauer ist.» Pfisters Vorgänger hätten zwar das Haus sechs Jahre lang geführt, aber es sei dann letztlich auch nicht befriedigend verlaufen. Vom Ehepaar Pfister sei er enttäuscht: «Die wollten so vieles machen, geschehen ist aber kaum etwas.» Er habe, das müsse er zugeben, einen personellen Fehlentscheid gefällt. «Nun ist es mir verleidet. Momentan sieht es so aus, dass ich den Gasthof endgültig schliesse. Ausser es kommt jemand, der mich total überzeugt.» Er habe Ideen für eine andersartige Nutzung, denke aber auch daran, seinen ganzen Besitz in Gänsbrunnen zu verkaufen. Dazu gehören das ehemalige Tanksäulenmuseum sowie der Mühlehof, der für Gruppen Unterkunft bietet. Dieser wird durch die Firma Business und Design AG bewirtschaftet, «und zwar mit gutem Erfolg», wie Jaggi anfügt.

Nicht so überraschend

Für Stefan Müller, Programmleiter Naturpark Thal, kommt das Ende nicht so überraschend. «Man hat halt Unterschiedliches, leider mehr Negatives gehört. Das Haus nennt sich zwar neuerdings Naturpark-Hotel, aber eine Zusammenarbeit mit dem Naturpark Thal gabs nicht.» Für Müller wäre es bedauerlich, wenn das Haus geschlossen bliebe.

Derselben Meinung ist auch Ernst Lanz, Gemeindepräsident von Gänsbrunnen. «Wobei ich auch wieder einmal betonen möchte, dass es in Gänsbrunnen nicht nur den «St. Joseph» gibt, sondern noch vier Bergrestaurants.» Wie beurteilt Lanz die touristischen Auswirkungen auf das Hintere Thal, seit die Bergbahn auf den Weissenstein still steht? «Ein Stück hats wohl schon Einfluss», antwortet er. «Aber man sollte sich hüten, dort die Hauptschuld zu suchen.»