Beleuchtung
In Solothurn und im Oberaargau sind viele Strassenlampen Stromfresser

Die Strassenbeleuchtung in der Schweiz verbraucht eine enorme Strommenge. Nach Angaben der Schweizerischen Agentur für Energieeffizienz (Safe) sind es jährlich rund 900 Millionen Kilowattstunden.

Franz Schaible
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Die gesamte Strassenbeleuchtung in Hessigkofen ist auf LED-Lampenumgestellt. Die neue Technologie halbiert den Stromverbrauch.Annalena Lischer

Die gesamte Strassenbeleuchtung in Hessigkofen ist auf LED-Lampenumgestellt. Die neue Technologie halbiert den Stromverbrauch.Annalena Lischer

«Dies entspricht in etwa 1,5 Prozent des Gesamtstromverbrauchs», ordnet Safe-Sprecher Armin Braunwalder ein. Die jährlichen Kosten für die Gemeinden beziffert er auf 135 Millionen Franken.

Ebenso gewaltig ist das Einsparpotenzial. Allein durch die Auswechslung von bestehenden Lampen und Leuchten durch effizientere Lichtkörper könnten 25 Prozent Energie eingespart werden, durch den Einsatz bedarfsgeregelter Steuerungen (sensorgesteuerte Anlagen) weitere 15 Prozent. «Das gesamte Sparpotenzial beträgt also 40 Prozent oder 360 Millionen Kilowattstunden. Das entspricht in etwa dem Jahresstromverbrauch des Kantons Uri», rechnet er vor.

Brachliegendes Sparpotenzial

Kein Wunder, entdecken Gemeinden vermehrt das brachliegende Sparpotenzial. Allen voran Hessigkofen. Das «Solardorf» im Bucheggberg hat vor Wochenfrist die Umrüstung aller 37 Strassenlampen auf Lampen mit vielen kleinen Leuchtdioden (LED genannt) offiziell gefeiert. Der Stromverbrauch kann dadurch auf jährlich 6000 Kilowattstunden halbiert werden. In Feldbrunnen wurden teilweise Strassenleuchten auf LED umgerüstet, wie Susanne Rufer vom Stromversorger AEK erklärt. Die Gemeinde werde nach ersten Resultaten und Reaktionen der Bevölkerung über einen weiteren Ausbau entscheiden.

Ähnliches gelte für Selzach, wo ebenfalls zu Testzwecken eine Quartierstrasse mit LED-Leuchten ausgestattet wurde. Selzach ist Mitglied im Trägerverein Energiestadt. «Wir haben kürzlich die gesamte Strassenbeleuchtung auf ebenfalls energieeffiziente Natriumdampf-Hochdrucklampen umgestellt», ergänzt Gemeindepräsident Viktor Stüdeli. Weitere Gemeinden im AEK-Versorgungsgebiet prüften derzeit, ob sie im Rahmen des periodischen Leuchtmittelersatzes umrüsten wollen, sagt Rufer. So hat etwa der Recherswiler Gemeinderat die interne Bau- und Werkkommission beauftragt, eine Umrüstung auf LED zu prüfen. Und in Aeschi werden defekte Lampen durch die neue Technologie ersetzt.

In Solothurn mit dem Label «Energiestadt» werden «sukzessive die ineffizientesten Leuchten und Leuchtmittel ersetzt», berichtet Daniel Odermatt, Leiter Netze Strom, beim Versorger Regio Energie Solothurn. Umgerüstet wird auf energieeffizienzmässig gleichwertige Natriumdampf-Hochdrucklampen im Hauptstrassenbereich und auf LED im Altstadtbereich und Quartierstrassen. Gerade in den Altstadtgassen sei die Umrüstung nicht ganz einfach, weil es sich vielfach um historische Leuchten handle. «Insgesamt werden wir in den nächsten Jahren rund 900 Leuchtstellen umbauen. Damit kann der jährliche Energiebedarf um rund 90000 Kilowattstunden reduziert werden.»

Das auch mit dem Label «Energiestadt» zertifizierte Zuchwil setzt bei den zu ersetzenden Lampen auf die neue Technologie. «Langfristig werden wir alle Leuchten auf LED umstellen», sagt Peter Baumann, Leiter Bau und Planung. Von den rund 1400 Lichtpunkten sind erst deren 60 umgerüstet. Noch mehr zu tun gibt es in der Energiestadt Olten. Dort sind von 4483 Lampen erst deren 18 auf LED umgestellt, wie Beat Erne, Marketingleiter beim Oltner Versorger a.en Energie AG, sagt. «Im Rahmen des ordentlichen Sanierungsprogrammes werden wir grundsätzlich und wenn möglich auf LED umrüsten.» Er rechnet mit einer Energieeinsparung von rund 15 Prozent.

Einsparung von bis zu 25 Prozent

Auch in mehreren Thaler Gemeinden laufen entsprechende Projekte mit Pilotcharakter, wie Patrick Bussmann, Programmleiter Lokale Agenda 21 Kanton Solothurn und Energiestadtberater, meldet. Bereits laufende oder geplante Teststrecken gebe es in Mümliswil, Balsthal oder in Laupersdorf. In Oensingen, Gemeinde mit Energiestadt-Label, laufen die Vorarbeiten für einen Testlauf mit LED-Lampen, sagt Andreas Affolter, Leiter Bau. Die ganze Strassenbeleuchtung ist aber bereits auf ebenso effiziente Natriumdampf-Hochdrucklampen umgestellt. Auch die Energiestadt Grenchen setzt auf dieses Beleuchtungssystem. «Bis Ende 2016 werden wir alle Quecksilberdampflampen ersetzt haben», sagt Markus Siepe, Leiter Strom bei den Städtischen Werken Grenchen. Insgesamt erwartet er eine Stromeinsparung von 20 bis 25 Prozent. LED-Lampen kämen in öffentlichen Arealen und Fusswegen vermehrt zum Einsatz.

In Langenthal stehen die politischen Entscheide über den Einsatz von LED-Leuchten noch aus. «Wir haben drei Teststrecken am Laufen», erklärt Stadtbaumeister Urs Affolter. Zurzeit würden die Ergebnisse ausgewertet; es gehe dabei um Fragen der Sicherheit, des Energieverbrauchs, der Kosten, usw. «Im zweiten Halbjahr wird der Bericht vorliegen; dann können die Entscheide über die künftige Strassenbeleuchtung gefällt werden.»

Aktuell sorgen in Langenthal stromfressende Beleuchtungssysteme für helle Strassen. Deshalb ist der Energieverbrauch hoch, wie Affolter bestätigt. Die Zahlen liefert die Datenbank topstreetlight.ch, wo über 300 Gemeinden den Stromverbrauch für die Strassenbeleuchtung eingetragen haben. Demnach verbraucht Langenthal jährlich 23,1 Megawattstunden pro beleuchteten Strassenkilometer. In Burgdorf dagegen sind es 10 und in Solothurn 10,8 Megawattstunden.

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