Das kann doch nicht sein. Wegen so was eine Busse!». Tom ist wütend. Der Schüler stieg vor der Schule in das Bipperlisi. Nach dem er sich gesetzt hatte, lehnte er seine Füsse auf die gegenüberliegenden Sitzplätze. «Füsse runter. Das wird gebüsst», hiess es vom Kontrolleur, der an diesem Tag Dienst hatte.

«Ich dachte zuerst, der Mann wolle mich darauf aufmerksam machen, dass ich meine Füsse auf den Boden stellen soll», erinnert sich Tom zurück. Als der Kontrolleur dann einen Zettel für die Busse ausfüllte, merkte Tom erst, worum es ging. Er hält die Busse von 25 Franken in den Händen und schüttelt den Kopf.

Ein langer Bussenkatalog

«Wenn ich gewusst hätte, dass ich durch das Anlehnen meiner Füsse an einen Sitzplatz eine Busse kassiere, wäre mir das nie passiert.» Tom schüttelt den Kopf. Seine Mitschüler sagen ihm aber: «Sicher hättest du das wissen müssen. Das weiss man einfach.» Doch ganz einfach so wissen die Fahrgäste nicht mehr, wie und warum sie eine Busse erhalten können, denn der Bussenkatalog ist lang.

Klar ist, Wer im öffentlichen Verkehr keinen gültigen Fahrschein besitzt, wird gebüsst oder muss zumindest einen Aufschlag zum regulären Fahrschein zahlen. Diese Regel ist an das Bundesgesetz über die Personenbeförderung angelehnt und wird von den öffentlichen Verkehrsmitteln so umgesetzt. Zu dieser Regel können die Verkehrsbetriebe auch zusätzliche Bestimmungen über die Benutzung erstellen.

Saubere Atemluft und Respekt

So wie die Aare Seeland mobil AG, die Betreiberin des Bipperlisi. Zur Schwarzfahrer-Regel gibt es dort eine Benutzerordnung, die vier Punkte umfasst. Ein Punkt betrifft: «Sauberer Fahrgastraum.» Just der Punkt, der Tom zum Verhängnis wurde, denn es wird ausgeführt: «Platzieren Sie Ihre Schuhe bzw. Ihre Füsse auf dem Boden und nicht auf den Sitzflächen oder Fahrzeugeinrichtungen. Entsorgen Sie den Abfall in die dafür vorgesehenen Behälter im Fahrzeug oder an der Haltestelle.»

Intakter Zug, Saubere Atemluft und Respekt gegenüber Mitreisenden sind weitere Punkte, die auf der Benutzungsordnung aufgeführt sind. «Bei Verstössen gegen diese Benutzungsordnung erhebt die Aare Seeland mobil AG eine Gebühr gemäss ihrer Gebührenordnung.

Darüber hinaus können Verstösse gegen diese Benutzerordnung zu Schadenersatzforderungen, Strafverfolgung und Transportausschluss führen», heisst es in diesem Reglement weiter. Fredy Miller, Direktorder Aare Seeland mobil AG, ist der Meinung, dass die Passagiere informiert sein sollten: «Die Hinweise zur Benutzerordnung sind auf dem Internet, den Ticketverkaufsstellen, an Bahnhöfen und in den Fahrzeugen ersichtlich.»

25 Franken bei Verstoss

Doch warum wusste der Schüler Tom nichts davon? Ein aufmerksamer Blick im Bipperlisi genügt, um die Frage zu beantworten. Die Regeln sind nicht wie die Warnhinweise zum Fahren ohne gültigen Fahrschein an den Türen angebracht, sondern bei den Reklame-Plakaten, jeweils in einem Abteil aufgehängt. So geht die Benutzerordnung ein wenig unter und zudem ist sie ziemlich textlastig.

Umso erstaunlicher, dass es im vergangenen Jahr lediglich dreissig Fälle im Bipperlisi gab, die aufgrund eines Verstosses der Benutzerordnung zu einer Busse führten. «Bei Vergehen gegen Benutzerordnung gibt es einen Zuschlag in der Höhe von 25 Franken. Wenn dann noch eine Rechnung erstellt werden muss, kommt eine Gebühr von 20 Franken hinzu», so Fredy Miller.

Wer aber hinter den vier (Anstands-)Regeln für Fahrgäste Geldmacherei vermutet, liegt nicht nur aufgrund dieser Zahlen falsch. «Wir möchten Ihnen und Ihren Mitreisenden Komfort, Sicherheit und Sauberkeit bieten», steht es fast zuoberst auf der Benutzerordnung – noch vor der Auflistung der vier Regeln.