Wie immer scheinen auf den ersten Eindruck Susan Hodels Arbeiten von einer einfachen Formen- wie Bildsprache. Im Kunstforum Solothurn war sie 2010 mit zu dichten Geweben regelmässig gezogenen, horizontalen Linien vertreten, die sich zu scheinbar monochromen Flächen und gleichzeitig aneinandergesetzten, fast mystisch zu nennenden Bildräumen fügten.

Auch in den Arbeiten aus verschiedenen Schaffens-Epochen, die sie ab heute in Balsthal zeigt, liegen die Kraft und die Wirkung ihrer künstlerischen Zielsetzung in der Reduktion auf eine elementare Einfachheit der Form. Das Lineare, das Material, also die Farben und der beinahe stoffliche Prozess dieser Bildwerdungen sind bei der 1962 geborenen, in Zürich lebenden Susan Hodel tragendes Element. «Elementar» nennt sie denn auch diese Ausstellung, und elementar ist auch das feinfarbige und fein gezogene Liniengeflecht ihrer Aquarelle, in denen sie nun die Vertikale betonend dennoch mit gleichermassen minuziös angesetzten horizontalen Strichen die senkrechten Pigmentbahnen zu gewebeartigen Strukturen verbindet.

Grünocker mit Gold

Durch die unterschiedliche Farbdichte der Pigmente auf dem Büttenpapier erreicht die Künstlerin eine Räumlichkeit, die aus der Wandelbarkeit und der Präsenz der Farbe wie aus einer dezenten Unregelmässigkeit der Farbstriche schöpft und darüber hinaus Teil eines unendlichen Ganzen zu sein scheint. Dieser räumliche Effekt aus Licht und Bewegung der fragilen Linien, dem die Grundfarben Rot, Blau und Gelb eine gewisse textile Note verleihen, wird im Raster aus Grünocker mit Gold zu einer eigenwilligen naturhaften Materialität, die an Bambus oder geflochtene Binsen erinnert und Licht und Farbe poetisch verbindet.

Ein Thema ist bei Susan Hodel sicher die Veränderung des Materials zur Bildwerdung, der intensive, meist selbstreflektive Prozess der Bildentwicklung, wenn sich das Zeichnerische wie das Zeichenhafte, der stoffliche Prozess bis ins Objekthafte immer wieder herausfordert und durchdringt.

Kunst aus geschnittenen Konservendosenstreifen

Die Aquarelle finden ihren Widerhall in der früheren Arbeit von 1995 aus in unregelmässig geschnittenen schmalen Konservendosenstreifen, die, zu einem luftigen, grossformatigen Gitternetz geflochten, das Liniengewebe vorwegnehmen. Hier jedoch noch als ein Gleichgewicht der Vertikalen und der Horizontalen, rhythmisch, ohne jeglichen konkreten Anspruch. Das grünocker leuchtende Aquarell – hier sind Lasurgelb und Muschelgold auf schwarzer Tinte geschichtet – findet seine Vertiefung in den beiden grossformatigen Arbeiten im mittleren Raum. Auch hier bildet die Reduktion auf ein elementares Raster aus dominanten vertikalen Schlangenhautstreifen und den tragenden horizontalen Stoffstreifen, der Kontrast der braunen und gelben Linien, die dezente Unregelmässigkeit ein raumgreifendes Bild. Das Vorne und das Hinten scheinen in zeichenhafter Bewegung, das Einfache zeigt sich komplex.

Was man mit einer einfachen Linie alles machen kann, zeigt die Bodenarbeit «Saumstück» aus dem Jahr 2000 im dritten Raum. Ein langes, biegsames Chromstahlband, eine Seite mit hellblauem Autolack gefärbt, die andere Seite ist chrompoliert, ist mit drei Winkeln verknüpft und im angedeuteten Quadrat zu einer Endlosschlaufe verbunden. Im Wechselspiel von Ruhe, begrenztem Raum und unendlicher imaginärer Bewegung ist dieses Bodenobjekt eine dreidimensionale, befreite Erweiterung von Susan Hodels prozessintensiver Reflexion der elementaren Linie. Diese intensive Bildwerdung kommt eindrücklich in den beiden neueren Textilbildern zum Tragen. Minuziös ist auch hier der Bildaufbau, wenn sich Schritt für Schritt und damit auch Schnitt für Schnitt die geweisste und naturfarbene Leinwand zu einem einfachen wie komplexen Ganzen fügt, mit feinen Linien am Rahmen festgenäht.

Bis 25. März. Geöffnet: Do und Fr 18–21 Uhr, So 11 –14 Uhr. Vernissage 4. März, 11.30 Uhr.