Oberdorf
In 25 Jahren hat sich im «Bellevue» viel verändert

Im «Bellevue» feiert Heimleiterpaar Marie-Theres und Jean-Claude Rey Berufsjubiläum. Sie kümmern sich seit 25 Jahren um die älteren Menschen, die im Alters- und Pflegeheim ihr Lebensende geniessen.

Gundi Klemm
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Marie-Theres und Jean-Claude Rey haben aus dem ehemaligen Dienstbotenheim ein modernes Altersheim gemacht. gku

Marie-Theres und Jean-Claude Rey haben aus dem ehemaligen Dienstbotenheim ein modernes Altersheim gemacht. gku

Solothurner Zeitung

1986 wählte die Stiftung Alters- und Pflegeheim «Bellevue» Oberdorf, die aus 14 Leberberger Bürgergemeinden besteht, das Ehepaar Rey als neue Heimleitung. Im Verlauf der Jahre ergab sich die Aufteilung der Aufgaben: die ausgebildete, aus Sarnen stammende Krankenschwester Marie-Theres übernahm Administration und Pflege und der aus dem Waadtland gebürtige Jean-Claude war als ausgebildeter Koch für Küche und Einkauf zuständig.

Vor 25 Jahren allerdings bezeichnete sich das «Bellevue» noch als familiäres Heim mit überwiegender Selbstversorgung. Jean-Claude Rey berichtet von ausgedehnten Gartenflächen, die unter Mithilfe von noch recht aktiven Pensionären bearbeitet wurden. «Wir waren damals hier im Heim mit 40 Bewohnerinnen und Bewohner noch ganz landwirtschaftlich ausgerichtet. Für vielerlei Tiere musste gesorgt werden, wovon wir jetzt nur noch Schafe, ein Pferd und einen Esel bei uns haben».

Jederzeit ansprechbar

Heimleiterin Marie-Theres kann sich noch gut an die Anfänge erinnern, als mit nur wenig Personal ein Rund-um-die Uhr-Einsatz zu bewältigen war, bis später wenigstens eine Nachtwache angestellt wurde. Inzwischen sind 34 Mitarbeitende in Vollzeit- und Teilpensen tätig. Da das Heimleiterpaar im Haus wohnte, war es jederzeit ansprechbar. Das änderte sich 1997 mit den umfassenden Umbaumassnahmen, mit denen das Heim modern und pflegegerecht verändert und erweitert wurde. Inzwischen zählt es 22 Einbett- und 4 Zweibettzimmer. Die Familie Rey wohnte zwischenzeitlich einige Jahre im umgebauten Stöckli auf dem Gelände, bis sie kürzlich in eine Wohnung nach Langendorf zog.

Für Mägde und Knechte

Seit 1953 beherbergte das «Bellevue» ein Fürsorgeheim und zugleich Alterswohnstatt für betagte Mägde und Knechte. Kurze Zeit nach dem Amtsantritt von Reys begannen weitgehende Qualitätsstandards, die seit Jahren durch die Aufsichtsbehörde überprüft werden, den Heimalltag zu bestimmen. «Die Erfüllung der Reglementierung in allen Bereichen gestaltet sich inzwischen als sehr zeitaufwendig», stellt Marie-Theres im Vergleich zu früher fest. In jeder Beziehung habe der Verwaltungsaufwand zugenommen, den sie am Schreibtisch oder an Sitzungen mit Teammitarbeitenden zu erledigen habe. Wie überall in der Heimlandschaft habe sich die Zusammensetzung der Bewohnerschaft spürbar geändert. Heute weisen rund Zweidrittel der Pensionärinnen und Pensionäre im «Bellevue» eine Demenz-Symptomatik auf.

Der Umgang mit dem Tod

«Wir begleiten unsere Bewohnerinnen und Bewohner möglichst bis zum Ende, damit sie ihr letztes Zuhause nicht nochmals verlassen müssen», betont die Heimleiterin. Im vergangenen Jahr allerdings starben 19 Mitglieder der Hausgemeinschaft. «Für uns alle bedeuteten die vielen Abschiede eine grosse Belastung», weiss sie auch von ihren Pflegefachkräften, die über lange Jahre Beziehungen zu ihren Schützlingen aufgebaut hatten. Doch nicht nur der menschliche Verlust wog schwer, sondern ebenso drohende Defizite der Jahresrechnung im Heim. Um nicht zu deutlich in die roten Zahlen zu rutschen, müssen frei werdende Heimplätze möglichst schnell wieder besetzt werden, wie jeder Heimverantwortliche bestätigen kann.

Wünsche erfüllen

Essen geniesst in der Altersbetreuung einen hohen Stellenwert. «Wir gehen deshalb gerne auf Wünsche ein», sagt Küchenchef Jean-Claude mit welschem Charme und Zungenschlag. Gekocht wird gut-bürgerlich, nach dem Geschmack der Pensionäre, mit Suppe, Hauptgang und dreimal wöchentlich einem Dessert. Das Frühstück wird zu flexiblen Zeiten serviert. Mittags und abends findet das Essen zu fixen Zeiten statt. Znüni und Zvieri sorgen zudem für genüssliche Unterbrechungen im Tagesverlauf. Ein besonderes Merkmal im «Bellevue» besteht darin, dass beim Heimeintritt Tiere mitgenommen werden können. «So zählen Hunde, Vögel und Katzen unserer Pensionäre auch zu unserer Gemeinschaft», lachen beide Reys, die in drei Jahren etwa ihren eigenen Ruhestand anvisieren möchten.