Kriminalität
Immer mehr sexuelle Übergriffe und Fälle von häuslicher Gewalt

Im Kanton Solothurn hat die Kriminalität letztes Jahr leicht um 1,3 Prozent zugenommen – im Gegensatz zum gesamtschweizerischen Trend, der einen Rückgang der Straftaten um 2 Prozent an den Tag legt.

Stefan Frech
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Auch letztes Jahr hielten die vielen Straftäter die Kantonspolizisten in der Alarmzentrale auf Trab. oliver menge

Auch letztes Jahr hielten die vielen Straftäter die Kantonspolizisten in der Alarmzentrale auf Trab. oliver menge

Solothurner Zeitung

«Ich habe für diese unterschiedliche Entwicklung keine Erklärung», sagt Urs Bartenschlager, Chef der Kriminal-Abteilung der Kantonspolizei Solothurn. «Die leichte Zunahme im Kanton Solothurn bewegt sich aber im Rahmen der normalen Schwankungen: Nächstes Jahr könnten die Zahlen ebenso gut wieder zurückgehen.»

Was die einzelnen Deliktgruppen betrifft, gab es 2010 im Vergleich zum Vorjahr unterschiedliche Entwicklungen: Während die Zahl der Vermögens- und Drogendelikte abgenommen hat, stiegen die Gewalt- und Sexualstraftaten sowie die Fälle häuslicher Gewalt. Im längerfristigen Vergleich zeigen sich teilweise andere Entwicklungen. Die Aufklärungsquote beträgt über alle Straftaten hinweg 42,2 Prozent (Vorjahr: 40 Prozent).

Gewalt in der Partnerschaft

Im Bereich der schweren Gewalt kam es letztes Jahr zu 3 versuchten und 2 vollendeten Tötungsdelikten (Vorjahr: 5 und 6). Beide Tötungen ereigneten sich im Schwarzbubenland, wobei es sich im einen Fall beim Opfer um ein Kind handelt. «Es ist aber noch nicht erwiesen, dass es durch die Gewalt der Eltern gestorben ist», sagt Bartenschlager. Die Zahl der schweren Körperverletzungen ist 2010 nur leicht von 8 auf 9 gestiegen. Im Bereich der minderschweren Gewalt zeigt sich eine unterschiedliche Entwicklung: Während die einfachen Körperverletzungen und Entführungen abgenommen haben, kam es zu viel mehr Tätlichkeiten (523 statt 465), Raubdelikten (71 statt 56) und Nötigungen (76 statt 60). Am augenfälligsten ist der Anstieg bei den Tätlichkeiten. «Die Opfer bringen derartige Vorfälle eher zur Anzeige als früher, die Fäuste sitzen aber auch lockerer», erklärt Kripo-Chef Bartenschlager.

Zu den Gewaltstraftaten zählen auch Vergewaltigungen und sexuelle Nötigungen. Sie haben sich im Vergleich zum Vorjahr fast verdoppelt. Dieser Trend ist auch bei den anderen Sexualdelikten festzustellen. So stieg die Zahl der angezeigten sexuellen Handlungen mit Kindern von 25 auf 44. «Mehrheitlich handelt es sich bei den Opfern jedoch nicht um kleine Kinder, sondern um 14- bis 15-Jährige, die mit älteren Partnern sexuellen Kontakt hatten.» Es ist laut Bartenschlager unklar, ob die Zahl der Straftaten oder die Aufmerksamkeit und somit die Anzeigebereitschaft bei Behörden und Bevölkerung zunehmen. «Man sollte immer eine Anzeige machen», rät Bartenschlager. Das gilt auch für Vergewaltigungen, die oft in Partnerschaften vorkommen. Die häusliche Gewalt ist insgesamt stark gestiegen: von 545 auf 616 Fälle. «Telefonterror und Drohungen nehmen zu, körperliche Gewalt nimmt ab», berichtet Bartenschlager.

Weniger Wirtschaftsdelikte

Bei den Vermögensdelikten kam es 2010 zu einer leichten Entspannung (minus 4 Prozent). Während die Einbruchdiebstähle leicht zugenommen haben, stiegen die Raubüberfälle und Entreissdiebstähle stark. Anders sieht es bei der Wirtschaftskriminalität aus: Die Zahl der Betrugsfälle, der ungetreuen Geschäftsbesorgung und der betrügerischen Konkurse hat abgenommen.