Verlockender für einen Waldgang im Riedholzer Wald hätte der Frühlingstag nicht sein können: Vogelgezwitscher, wachsendes Grün im Unterholz mit Buschwindröschen und Huflattich, Sonne, Duft und Luft führten den 50 Personen – Vertreter aus der Politik sowie Natur- und Umwelt-Verbänden – die Schönheiten des Waldes als Erholungsraum vor Augen. Geradezu vollendend nach der Begrüssung und dem Waldfilm samt Stehlunch im Wallierhof Riedholz.

Eingeladen hatte der Bürgergemeinden- und Waldeigentümer-Verband Kanton Solothurn (BWSo), um die Vielfalt des Natur-, Produktions- und Erholungsraums Wald aufzuzeigen. Nicht zuletzt auch, um die gegensätzlichen Interessen zwischen Waldeigentümern und -benützern zu signalisieren (siehe Kasten). Ein breites Themenspektrum – Lebens- und Erholungsraum, Grundwasser, Waldbewirtschaftung – veranschaulichten Thomas Studer, Betriebsleiter Forstbetrieb Leberberg, und Geri Kaufmann von der Geschäftsstelle BWSo auf dem zweistündigen Rundgang.

Hervorragendes Wasserreservoir

Am ausgelichteten Waldrand vernahmen die Interessierten, dass der vermeintliche Kahlschlag als Übergang des offenen Feldes zum Wald durchaus seine Bewandtnis hat. «Wo Licht ist, ist Leben», sagte Thomas Studer. Der so entstehende Waldrand schützt den Baumbestand vor Sturmschäden und bietet Leben für eine Vielzahl von Pflanzen und Tieren. Auf den abgebrochenen Ästen der alten Eiche etwa finden rund 2000 verschiedene Insekten und Vögel Nahrung. Ein gutes Zeichen für eine herrschende Vielfalt von Tierarten ist laut Geri Kaufmann die Anwesenheit des Mittelspechts.

Dass der Wald ein wichtiger Wasserlieferant ist, vernahmen die Teilnehmenden beim Reservoir. Rund die Hälfte der Grundwasserschutzzonen des Kantons Solothurn liegen im Wald, welcher als natürlicher Filter die Qualität entscheidend beeinflusst. Obendrein entstehen geringere Kosten für die Aufbereitung. Im Wald ist zudem Düngen verboten.

Kerngeschäft Bewirtschaftung

Das Fällen einer 120-jährigen Fichte – vier Minuten brauchte der flinke Waldarbeiter dazu – verdeutlichte das Kerngeschäft der Waldbewirtschaftung: nämlich die Holzernte. In dieser Fichten-Monokultur wachsen zur Naturverjüngung bereits Eichen, Elsbeeren und Speierlinge. Grosse Maschinen werden wegen des resultierenden verdichteten Bodens nicht mehr flächendeckend eingesetzt. «Der Wald ist ein Organismus, ein System, ein Lebewesen, und dies alles braucht Pflege, aber auch die Unterstützung der Politik», sprach Thomas Studer im Sinne der für die Waldwirtschaft arbeitenden Personen. Dem Abfall will der BWSo am 10. September mit der Aktion «Waldputzete» im ganzen Kanton entgegenwirken. Diese soll die Bevölkerung sensibilisieren, dass der Lebensraum Wald nicht als Abfallgrube missbraucht werden darf.

Die richtige Balance finden

«Der Spaziergang zeigte neben den Schönheiten des Waldes konkret auf, welche Leistungen er als Lebens-, Wirtschafts- und Erlebnisraum sowie als Reservoir für Trinkwasser zu erbringen vermag», fasste Kantonsförster Jürg Froelicher zusammen. Und: «Weil das Ergebnis sämtlicher forstlicher Tätigkeiten jederzeit für jedermann sichtbar ist, steht die Waldwirtschaft unausweichlich im ‹Schaufenster der Öffentlichkeit›.» Zunehmend würden auch Einzelpersonen ihre Vorstellungen kundtun, wie der Wald genutzt werden soll und wie er sich zu präsentieren habe. Das erfordere vermehrte Kommunikation.

Die Bewirtschaftung habe primär mit dem Fällen von Bäumen zu tun. Dies gewährleiste mehr Sicherheit entlang von Verkehrswegen, mehr Licht und Wärme für eine grössere Artenvielfalt und vor allem die Nutzung eines nachwachsenden Rohstoffes und erneuerbaren Energieträgers. «Auch in Zukunft gilt es, die richtige Balance zwischen den verschiedenen Ansprüchen zu finden», so Froelicher.