Radsport
«Im November beginnen wir mit dem Training»

Mitinitiant Roland Richner erläutert, warum gerade in Solothurn junge Rennfahrer gefördert werden sollen. Das Projekt heisst «Cycling Projekt 2017+». Parallel dazu wird im Hinblick auf die Strassenweltmeisterschaften ein Leistungszentrum gegründet.

Elisabeth Seifert
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Roland Richner ist Technischer Direktor und Mitinitiant des «Cycling Projekt 2017+». Unter seiner Leitung werden in Solothurn die Strukturen für die Betreuung von Nachwuchsfahrern geschaffen. hansjörg Sahli

Roland Richner ist Technischer Direktor und Mitinitiant des «Cycling Projekt 2017+». Unter seiner Leitung werden in Solothurn die Strukturen für die Betreuung von Nachwuchsfahrern geschaffen. hansjörg Sahli

Solothurner Zeitung

Welches Echo gab es auf die Ankündigung, dass in Solothurn ein Leistungszentrum für den Radsport entsteht?

Roland Richner*: Wir werden mit Anfragen junger Athleten geradezu bombardiert. Derzeit sind wir mit dem Aufbau von Nachwuchsteams in den Kategorien U23, U19 und U17 beschäftigt. Berücksichtigen können wir in einem ersten Schritt jene Radsportler, die ihre Berufsausbildung bereits abgeschlossen haben. Mit 14 Fahrern aus der ganzen Schweiz werden in diesen Tagen die Verträge abgeschlossen. Im November beginnen in Solothurn bereits die ersten Trainingseinheiten. Auf Beginn des neuen Schuljahres im August 2012 wollen wir dann die nötigen Strukturen im Berufsbildungs-Bereich realisieren, um auch jüngeren Fahrern hier in Solothurn Trainingsmöglichkeiten bieten zu können.

Der Bedarf für ein Leistungszentrum ist also klar gegeben...

Die Nachwuchsförderung ist bis jetzt der individuellen Initiative überlassen. Vielfach sind es die Eltern, die für die Ausrüstung der jungen Talente tief in die Tasche greifen müssen. Und im Ausbildungsbereich ist es äusserst schwierig, eine passende Lehrstelle zu finden. Zudem bestehen bis jetzt zu wenige Trainingsmöglichkeiten.

In der Schweiz gibt es Regionen, die im Radsport mehr im Fokus stehen. Wieso soll ein solches Zentrum ausgerechnet in Solothurn realisiert werden?

Eine initiative Gruppe sportbegeisterter Solothurner Unternehmer hat es im letzten Sommer innerhalb von drei Monaten geschafft, die Schweizer Meisterschaft in Kriegstetten auf die Beine zu stellen. Das wurde nötig, weil der Anlass im Tessin kurzfristig abgesagt worden war. Der Anlass in Kriegstetten war hervorragend organisiert. Bald kam, in einem erweiterten Kreis, die Idee auf den Tisch, die Strassen-Weltmeisterschaften 2017 nach Solothurn zu holen. Wir überlegten uns zudem, was es braucht, um den Radsport und den Sport generell zu fördern. Schnell war die Idee der Nachwuchsförderung in Verbindung mit einem Leistungszentrum geboren.

Was macht in Ihren Augen Solothurn zu einem geeigneten Ort, um den Radsport zu fördern?

Die bestehende Sportklasse am Gymnasium erfüllt sehr gut die Bedürfnisse aller Arten des Ausdauersports. Die Schüler haben nur am Vormittag Schule und so am Nachmittag Zeit fürs Training. Weiter verfügt die Region Solothurn über ein schier endloses Radweg-Netz. Auch das Verkehrsaufkommen hält sich vielerorts in Grenzen, was für uns natürlich ideal ist. Der Jurasüdfuss bietet zudem ein abwechslungsreiches Übungsgelände. Für Solothurn sprechen auch die kurzen Wege, unter anderem dank dem gut ausgebauten öffentlichen Verkehr.

Eine regionale Trägerschaft realisiert den Aufbau eines nationalen Leistungszentrums. Wie ist das möglich?

Wir verstehen uns, jetzt zu Beginn, als regionales Leistungszentrum, das aber Sportlern aus der ganzen Schweiz offen steht. Auf regionaler Ebene lässt sich ein solches Projekt schneller realisieren. Auf nationaler Ebene müssten wir eine Reihe von Sportverbänden einbeziehen. Zudem besteht im Bereich Schule und Ausbildung einiger Klärungsbedarf. Es ist unkomplizierter, solche Fragen in Zusammenarbeit mit nur einem Kanton zu lösen. Langfristig verfolgen wir das Ziel, von den entsprechenden Institutionen als nationales Leistungs-
zentrum anerkannt zu werden.

Der Rad-Sportverband Swiss Cycling beklagt sich, er sei über das Projekt sehr kurzfristig informiert worden. Wie begegnen Sie diesem Vorwurf?

Wir führten in den letzten Wochen intensive Gespräche mit der Solothurner Regierung und den zuständigen Ämtern. Wir wollten den Verband erst informieren, sobald uns der Kanton seine Unterstützung zugesagt hat.

Wo liegen die Knackpunkte im Berufsbildungsbereich?

Es stellt sich zum Beispiel die Frage, ob die Vereinbarkeit von Lehrstelle und Spitzensport in allen Berufen möglich sein soll oder nur in bestimmten Berufsfeldern. Zudem müssen wir klären, wie die Verfügbarkeit der Lernenden in den Lehrbetrieben, der Berufsfachschule und in den überbetrieblichen Kursen sein muss, damit der Lehrvertrag erfüllt werden kann. Bei den Lehrmeistern stossen wir auf viel guten Willen: Einige Lehrbetriebe haben bereits ihr Interesse angemeldet. Schliesslich ist zu klären, wie die jungen Leute untergebracht werden sollen, in Gastfamilien oder in einem Internat. Bis Mitte November wird eine Arbeitsgruppe in diesem Bereich eine erste Auslegeordnung vornehmen.

Wie muss man sich das Radsport-Zentrum rein örtlich vorstellen?

Wir brauchen kein grosses Gebäude. Ein Büro für die Koordinationsarbeiten genügt. Wo dieses Büro genau installiert wird, ist noch unklar. Es wird aber aller Wahrscheinlichkeit nach in der Stadt Solothurn eingerichtet werden.

*Roland Richner, Dintikon AG, ist Inhaber eines Beratungsbüros im Sportbereich und war lange Jahre Technischer Direktor des Schweizer Radsportverbandes.

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