Martin Würsten, Chef des kantonalen Amts für Umwelt (AfU), bestätigt gegenüber dieser Zeitung, dass nach dem Fund der kleinen Menge Anfang Juni (wir berichteten) auf der Baustelle an der Emme kein weiteres radioaktives Material gefunden wurde. «Es bestand und besteht keine Gefahr für Spaziergänger», so Würsten. Im Laufe der Sanierung des unteren Teils der Emme werde man jedoch wiederum auf alte Mülldeponien stossen, in denen sich unter Umständen radioaktives Material befinde. Das Material werde auch dann sorgfältig geprüft, so Würsten.

Becher und Kissen als Ursache?

Woher die radioaktive Strahlung stammt, sei nicht rekonstruierbar, erklärt Lisa Pedrazzi, Strahlenexpertin der Suva. Die Deponie Geissschachen ist in den 1960er-Jahren geschlossen worden.

Zu dieser Zeit seien viele Gegenstände mit Uran bestückt gewesen. «Trinkkuren mit radioaktiven Bechern galten als gesundheitsfördernd», erklärt Pedrazzi. Auch Kissen waren mit radioaktivem Material versetzt, da man sich davon eine bessere Gesundheit versprach. Dazu kommen Uhren mit Leuchtziffern.

«Wahrscheinlich stammte der Abfall in Biberist von einer Privatperson», vermutet die Suva-Strahlenexpertin. Die Menge des gefundenen Materials sei klein und lediglich an einer Stelle gefunden worden. «Hätte es sich um Abfall aus der Industrie gehandelt, wären grössere Mengen aufgetaucht.»

Weitere Standorte werden geprüft

«Die Prüfung radioaktiver Substanzen ist Sache des Bundes und fällt an sich nicht in unseren Aufgabenbereich», sagt Martin Brehmer, Leiter der Abteilung Boden im kantonalen Umweltamt. «Dennoch ist es uns ein Anliegen herauszufinden, ob es sich in Biberist um einen Einzelfall handelte.»

Deshalb wird das AfU künftig die Inhaber belasteter Standorte auffordern, diese auf Radioaktivität zu messen – falls ein Verdacht besteht und die Kehrichtdeponie oder der Betriebsstandort ohnehin genauer untersucht werden müssen.

«Wir können nicht mehr einfach wegschauen», sagt Brehmer. Daher versucht nun das AfU, zusammen mit dem Bundesamt für Gesundheit, ein einheitliches Vorgehen auszuarbeiten. Das AfU will erstmals bei der anstehenden Sanierung des Solothurner Stadtmists Messungen durchführen.

Neu anfallender Abfall wird geprüft

Was geschieht, wenn heute radioaktives Material in den Abfall gelangt? «Alle Lastwagen und Eisenbahnwaggons, die Abfall transportieren, werden mit sensiblen Detektoren auf radioaktives Material geprüft», erklärt Pedrazzi.

So wird sichergestellt, dass dieses fachgerecht entsorgt und nicht etwa verbrannt wird. Ausserdem könne jedermann alte Gegenstände und Geräte auf Radioaktivität prüfen lassen. «Mülldeponien sind mit entsprechenden Detektoren ausgerüstet.»