Biberist
Im Chriziweier tanzen die Fische dem Fischer auf dem Netz herum

Der Chriziweier in Biberist verlandet immer mehr und muss ausgebaggert werden. Dazu wurden der Weiher am Wochenende ausgefischt – oft ist der Fisch jedoch schlauer als der Fischer, wie sich zeigte.

Rahel meier
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In Biberist wird zurzeit der Chriziweier ausgefischt.
20 Bilder
Dies ist nötig, da das Gewässer langsam verlandet.
Da der Schlamm ausgebaggert werden muss, ...
werden zuerst die Fische herausgeholt.
Doch das Unterfangen scheint schwieriger als erwartet.
So machen die Fische keine Anstalten, bei der Aktion zu kooperieren.
Gerade die Karpfen sträuben sich jedoch gegen das Einfangen...
...kein Wunder, denn da sie bis zu 50 Jahre alt werden können..
sind sie genug erfahren, um den wohlgesonnenen Fischschützern zu entschlüpfen.
So wird der Solothurner Chriziweier ausgefischt
Eine andere Schwierigkeit stellen Bäume dar.
Beim Fällen fallen diese in den Weiher.
Deshalb ist eine Extraportion Anstrengung erforderlich.
Ganz erfolglos bleibt man natürlich nicht.
So konnte man bisher rund 400 Fische aus dem Weiher retten.
Darunter auch grössere Mocken wie den Giebel.
So ist die Aktion des eifrigen Rettungsteams...
...nach allen Anstrengungen...
...dennoch eine gelungene Angelegenheit.
Traurig jedoch ist, dass die meisten der 2008 und 2009 ausgesetzten Edelkrebse verschollen, wahrscheinlich verendet, sind.

In Biberist wird zurzeit der Chriziweier ausgefischt.

Felix Gerber

Weil der Chriziweier verlandet, wurde ein Sanierungsprojekt ausgearbeitet (wir berichteten). Bevor der Schlamm ausgebaggert werden kann, müssen die Fische aus dem Weiher entfernt werden.

Doch das ist nicht so einfach, wie Biologe David Gerke im Gespräch erklärt. «Die Fische waren schlauer als wir», meint er. Der Versuch, mit der Angel zu fischen, zeigte nicht den gewünschten Erfolg. Auch das elektrische Ausfischen war zu wenig effizient. So blieb nur das Ausfischen mit dem Netz. «Da hatten wir das Problem, dass sich das Netz in den Ästen, die nach der Fällaktion noch im Weiher liegen, verhedderte und die Fische deshalb entwischen konnten.»

Tatsächlich hat es im Chriziweier eine Fischsorte, die sich sowieso nicht so leicht fischen lässt: Karpfen nämlich. Diese Fische können relativ alt werden, bis zu 50 Jahre. Je älter die Fische sind, desto erfahrener. «Sie sind uns aus den Netzen geschlüpft und haben sich unter den Seerosen versteckt», so Gerke.

Schöne Artenvielfalt

Gerke schätzt, dass bisher rund 400 Fische aus dem Weiher gerettet werden konnten. Sie wurden in der Aare, in Privatweihern und einem Biberister Quertierweiher ausgesetzt. Je nach Sorte. Wie viele Fische tatsächlich im Weiher leben, ist allerdings unklar. Gerke schätzt, dass es Tausende sind. Im Chriziweier finden sich neben Karpfen auch Rotfedern, Schleien, Rotaugen, Blicken, Goldfische – und wilde Stammformen davon –, Gründlinge und Moderlieschen. Bei letzterem sind sich die Verantwortlichen allerdings nicht ganz sicher. «Wir konnten den Fisch noch nicht mit Sicherheit identifizieren.» Immerhin freut sich Gerke über die Artenvielfalt im Weiher. Dass es Rotaugen gebe, habe vor der ersten Ausfischaktion wohl niemand gewusst. Wie die verschiedenen Arten in den Weiher kamen, ist auch nicht klar. «Die Goldfische wurden sicher von Privatleuten ausgesetzt. Sie können in einem Weiher wie dem in Biberist gut überleben.»

Wasser ablassen

Gleichzeitig räumt er auch mit dem Märchen auf, dass heimische Sumpfschildkröten in diesem Gewässer leben würden. Gerke erinnert sich, dass er als Kind bei Spaziergängen rund um den Weiher ein Schildkrötenpaar beobachten konnte. «Ziemlich sicher waren das Rotwangenschildkröten – also keine heimische Art.» Und auch im Jahr 2007 lebte eine solche Schildkröte im Chriziweier. Aber nach einem Jahr war sie verschwunden. «Möglicherweise hat sie den Winter nicht überlebt.»

Am kommenden Mittwoch wird das Wasser aus dem Weiher abgelassen. Danach wird nochmals versucht, so viele Fische wie möglich aus dem Teich zu nehmen. «Wir werden flexibel reagieren müssen, da wir nicht wissen, wie lange es dauert, bis das Wasser weg ist und was uns danach erwartet.»