Über zwei Drittel der 34 Anwesenden votierten am Montagabend an der Parteiversammlung der SP Solothurn-Lebern für die Oberdorferin. Auf den zweiten Kandidaten, Herbert Bracher aus Solothurn, entfielen 11 Stimmen. Das Rennen um die Nomination war aber enger als es das deutliche Abstimmungsresultat ahnen lässt. «Beide sind wählbar und in der Lage, dieses Amt auszuüben», hatte Amteipräsident Markus Schneider die Versammlung vor den Präsentationen informiert. Ein wichtiger Grund für die Nomination der 48-jährigen Oberdorferin war letztlich wohl, dass sie bereits zweimal während jeweils sechs Monaten als Gerichtsstatthalterin beim Richteramt Solothurn-Lebern waltete. Ueli Kölliker, Präsident der Gerichtskonferenz und Amtsgerichtspräsident Bucheggberg-Wasseramt, hob diesen Punkt hervor. «Ida Salvetti war in diesen beiden Phasen wahnsinnig effizient.»

Menschliche Seite wichtig

Auch Ida Salvettis Kontrahent hatte eine prominente Fürsprecherin an diesem Abend. «Herbert Bracher entspricht absolut meinem Idealbild eines Richters», erklärte Kantonsrätin Franziska Roth den Anwesenden. Sie hob vor allem die menschliche Seite des gebürtigen Langenthalers hervor, die für einen Richter immens wichtig sei. «Man muss Menschen mögen, um ein guter Richter zu sein», sagte der 52-Jährige selber. Wenn jemand zu einem Anwalt oder vor Gericht kommt, befinde er sich in einer Ausnahmesituation. Als Richter müsse er gleichzeitig die Menschen führen und ein Problem lösen. «Ich glaube, dass ich das kann.» Ida Salvetti betonte gleichfalls die menschlichen Aspekte dieses Amtes: «Als erstinstanzliche Richterin ist man die Visitenkarte des Gerichts.» Der Eindruck, den das erste Zusammentreffen mit der Justiz hinterlasse, bleibe bei den Menschen sehr lange bestehen. «In dieser Position ist der direkte Kontakt zu den Menschen wichtig. Das ist kein ‹abgehobenes› Amt.»

Nach der Nomination in geheimer Abstimmung bedankte sich Ida Salvetti und betonte, dass die SP stolz sein dürfe, aus zwei Kandidaten auswählen zu können. Herbert Bracher zeigte sich als guter Verlierer. Er gratulierte Ida Salvetti und bat darum, die offizielle Kandidatin zu unterstützen. Auch Markus Schneider sagte einen harten Wahlkampf voraus. Die CVP schickt Staatsanwalt Rolf von Felten ins Rennen.