Alles begann damit, als Katharina von Arx, Lehrerin im Vorstadt-Schulhaus, vor drei Jahren in der «NZZ» den Artikel über die Mathematik- und Logikspielmeisterschaft las. Spontan nahm sie mit ihrer Klasse daran teil. Der Wettbewerb war 1986 in Frankreich entstanden. Bis 2007 beteiligten sich vor allem die Westschweizer Kantone daran. Die Meisterschaft richtet sich an Schüler ab der dritten Klasse, Studenten und Erwachsene. Gefragt sei in erster Linie nicht mathematisches Wissen, sondern das logische Denken. Es gehe darum, einen Lösungsweg für ein mathematisches Problem zu finden. Die Fragen sind im Stil von Knobelaufgaben wie das Sudoku konzipiert.

Zum Glück nur Täuschung

Dieses Jahr nahmen alle Stufen der dritten bis sechsten Klasse an der Ausscheidung teil, die im Schulzimmer stattfindet. Rund ein Viertel aller Schüler reiste im März ans Halbfinale an der ETH Zürich. Zwei der 18 Solothurner Schüler waren unter den besten zehn ihrer Alterskategorie: Alisia Ravicini im 4. und Simon Jutzi im 7.Rang. Die Lehrerschaft ging davon, dass sich nur die ersten drei fürs Finale in Lausanne qualifizieren würden. So war auch die Enttäuschung bei Simon entsprechend gross. «Ich dachte schon, es sei für mich gelaufen.»

Dann teilte die findige Alisia – sie hatte sich im Internet schlaugemacht – mit, dass sie beide im Finale seien. «Da war ich schon aufgeregt», gibt Simon zu, der in seiner Freizeit am liebsten Velo fährt und Ballspiele macht. Die Lehrerschaft war entsprechend stolz, hatten sich zwei Schüler aus Solothurn qualifiziert.

Am Schweizer Final an der ETH Lausanne brillierte Simon mit seiner Leistung. Die Zeitlimite betrug eine Stunde für fünf Aufgaben. Nach nur 31 Minuten gab Simon das Blatt mit allen richtig gelösten Aufgaben ab. Er war damit der Schnellste und nur einer von zweien, die alles richtig lösten. Der Drittklässler holte sich somit den Sieg und qualifizierte sich fürs internationale Finale in Paris. Sein Ziel war damit erreicht. Er wollte von Anfang an nach Paris – nicht nur des Wettbewerbs wegen. Da sei er schon ein wenig stolz gewesen. «Bei der Rangverkündigung wusste ich nicht mehr, wo unten und oben war.» Seine Eltern hingegen hatten die Ambitionen nicht so hochgesteckt und eigentlich gar nicht die Absicht gehabt, nach Paris zu fahren.

Auch Kanada und Tunesien

Ende August war es so weit, die Familie Jutzi reiste nach Paris. Die Endausscheidung dauerte zwei Tage. Am ersten Tag belegte Simon wiederum den ersten Rang – am Tag zwei den elften Platz. In der Gesamtauswertung erreichte der Vorstadt-Schüler den hervorragenden 5. Rang von 15 Kindern in seiner Kategorie. Die Teilnehmenden stammten vorwiegend aus europäischen Ländern wie Frankreich, Belgien, Polen, Russland und der Ukraine. Aber auch Kandidaten aus Kanada und Tunesien waren vertreten.

Gesundes Mass der Förderung

Schnell wird klar, dass Simon von seinen Eltern gefördert und nicht gefordert wird. «In seiner Familie kann Simon ganz Kind sein», weiss Katharina von Arx. Dies ist auch die Philosophie der Vorstadt-Schule. «Wir möchten lediglich das Interesse der Kinder dafür wecken», so von Arx. Im Unterricht werden als Vorbereitung vermehrt Denk- und Logikaufgaben gelöst. Das Interesse
der meisten Kinder, solche mathematischen Probleme zu lösen, sei gewachsen. Und habe ein Kind einmal am Wettbewerb teilgenommen, wolle es weiterhin mitmachen.

Einen Berufswunsch hat der aufgeweckte und bescheidene Knabe noch nicht. Er gehe ganz gerne zur Schule und Mathematik sei neben Sport sein Lieblingsfach.