Seit 20 Jahren erscheint die Dorf-Zytig Biberist. Peter-Lukas Meier war von Anfang an dabei. Zuerst als Journalist, seit 2001 als Journalist und Herausgeber. Das Titelblatt der ersten Ausgabe vom August 1990 ziert gleich seine ganze Familie. Für die Illustration zum Thema «Wohnungssuche und Wohnungsnot» hatte Meier kurzerhand seine Wohnzimmermöbel vor das Gemeindehaus gezügelt und seine Familie darauf Platz nehmen lassen.

«Unabhängig bleiben»

Ins Leben gerufen wurde die Dorf-Zytig von Bruno Blum. Anfang der 90er-Jahre gab es eine erste grosse Konzentration in der Presselandschaft des Kantons Solothurn. Blum war der Ansicht, dass über Biberist zu wenig in den Zeitungen zu lesen sei. Dem wollte er entgegentreten. Das Konzept lautete damals: Kritisch sein, verschiedenen Interessengruppen gegenüber unabhängig bleiben, Probleme, die im Dorf vorhanden sind, aufnehmen und die Leute mit den Beiträgen zum Diskutieren anregen. Diesem Konzept ist die Dorf-Zytig bis heute treu geblieben.

«In den ersten Jahren zahlte die Gemeinde einen Beitrag. Nachdem die Dorf-Zytig einige Male kritisch über die Verwaltung und die Politik berichtete, wurde der Beitrag dann gestrichen», schmunzelt Meier noch heute. Und erinnert sich an einige Highlights seiner Biberister-Dorf-Zytigs-Karriere. Etwa die Umfrage bei den Parteien vor den Wahlen im Jahr 1997. «Da hatten sich die Parteien abgesprochen, unsere Fragen nicht zu beantworten. Also haben wir das so auch gedruckt.» Oder die Story über die Schadstoffe in der Luft rund um die von Roll. Meier gelangte damals an Messresultate des Kantons, die nicht öffentlich waren. «So wussten wir, dass man im belasteten Gebiet eigentlich kein Gemüse mehr anpflanzen sollte. Es gab einen Riesenaufstand, als das in der Dorf-Zytig zu lesen war.» Dazu kam eine Informations-Sperre des Kantons gegenüber der Dorf-Zytig. Immerhin seien die Messresultate heute öffentlich – eine späte Folge des Artikels in der Dorf-Zytig.

Dauerbrenner bleiben

Einige Themen seien wahre Dauerbrenner. «Die Schule beispielsweise. Oder die Culturarena und der St. Urs.» Auch die Entwicklung Biberists als Wohngemeinde oder die Ansiedlung von Arbeitsplätzen. «Auch die Jugend und die Jugendgewalt haben wir mehrmals aufgenommen.» Daneben habe man immer auch versucht, Grundinformationen zu vermitteln. Beispielsweise in einem Artikel, der aufzeigt, woher das Biberister Trinkwasser kommt. Oder es wurden Themen, die national aktuell waren, auf die Gemeinde heruntergebrochen, wie es im Journalistenjargon heisst.

Um eine Zeitung wie die Dorf-Zytig machen zu können, brauche es eine klare Linie. «Wir haben immer versucht klar zu unterscheiden, zwischen redaktionellen Texten und Kommerz.» Geschäftseröffnungen gehörten meist in die zweite Kategorie. «Das sind bezahlte Inserate.» Gerade das Gewerbe zeige sich der Dorf-Zytig gegenüber grosszügig. «Die Nähe zu den Leuten im Dorf wird geschätzt. Wer inseriert, weiss, dass sein Inserat auch angesehen wird.» Die Vereine und die Schule könnten dagegen von reduzierten Tarifen profitieren.

Auch aktiv im Internet

Meier macht die Dorf-Zytig nicht einfach im Alleingang und nach seinem Gutdünken. Ihm steht ein achtköpfiger Redaktionsbeirat zur Seite. Darin sind Leute verschiedenen Alters und mit verschiedenem Hintergrund vertreten. Ausserdem kann sich Meier auch auf einige freie Mitarbeiter verlassen.

«Es ist schön, in einem Dorf ein solches Projekt durchziehen zu können», erklärt Peter-Lukas Meier. Er, der in all den Jahren immer wieder politisch heisse Eisen anpackte, blieb gleichzeitig politisch neutral. «Selbst noch aktiv Politik zu betreiben, wäre schwierig.» Immerhin habe er mehrmals in Spezialkommissionen mitgearbeitet.

Seit rund zwei Jahren ist die Dorf-Zytig auch online. Das Angebot werde aber nicht allzu gut genutzt, so Meier. «Es waren immer die gleichen Leute, die Beiträge kommentiert haben.» Er gibt aber gleichzeitig auch zu, dass die Seite nicht wirklich aktiv bewirtschaftet werde. Das koste relativ viel Zeit, die im Moment nicht vorhanden sei. Wer möchte, kann die Dorf-Zytig auch als Facebook-Freundin anklicken.