Thal-Gäu-Bipperamt
«Ich hätte lieber auf 3 Plus verzichtet»

Wenn Fernsehsender aus dem Angebot gekippt werden, sorgt das bei der Bevölkerung für Unmut. Auch beim Genossenschaftsverband Gemeinschaftsantennenanlage Schwängimatt.

Johannes Reichen
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Eines Morgens waren sie weg, und Rudolf Meier aus Niederbipp hatte gar keine Freude daran. Denn weg waren die Besten, aus seiner Sicht. Arte, der deutsche Kultursender. Der Westdeutsche Rundfunk. Der Mitteldeutsche Rundfunk. Fernsehsender mit einem guten Programm, findet Meier, und ohne Werbung. «Ich hätte lieber auf 3Plus verzichtet», sagt er. Wer in Niederbipp fernsieht, kann dies dank des Genossenschaftsverbands Gemeinschaftsantennenanlage Schwängimatt (ggsnet) tun. Der Verband versorgt ein Gebiet, das von Welschenrohr bis Wangen bei Olten und von Mümliswil bis Wangen an der Aare reicht, mit Fernsehen, Radio, Internet und Telefonie. Auch ggsnet richtet sein Fernsehangebot nach und nach auf Digital-TV um, darum wird das herkömmliche, analoge Angebot laufend reduziert.

Es bleibt nur eine kleine Auswahl

Zuletzt passierte das eben am 14. September, als Arte, WDR und MDR ins digitale Angebot verschoben wurde. Gleiches geschah unter anderem mit den Sendern RTL plus, Kabel 1 oder dem englischsprachigen CNN. Wo immer solche Verschiebungen passieren, sind sie mit Unmut verbunden. Und das hat Urs Liniger, der Präsident vom ggsnet, erfahren. Er steckt gerade in einer Aktion, «die nicht zu unterschätzen und noch nicht zu Ende ist». Eine neue Kopfstation wurde bezogen, der Signalbezug wurde auf QuickLine umgestellt. Er hat Verständnis für die Kunden, aber: «Der Auslöser war die Einführung des interaktiven Fernsehens ‹Verte!›», und das sei ein immenser Schritt. Nun geht es darum, die Kundschaft «sanft ins digitale Zeitalter zu bringen». Diesen Schritt müsse man tun. «Sonst wären wir nicht mehr wettbewerbsfähig.» Und darum mussten Sender gestrichen werden. 23 Pflichtsender sind allerdings vom Bundesrat vorgeschrieben. «Wenn man die ausklammert, ist nicht mehr eine so grosse Auswahl geblieben», sagt Liniger. Es war der Verwaltungsrat, der den Entscheid gefällt hat, welche Sender aus dem analogen Programm genommen und ins digitale verschoben werden.

Wenn der Niederbipper Meier nun vermutet, die «Werbelobby» habe da ein Wort mitgeredet, so liegt er nicht mal ganz falsch, die Werbung spielt sehr wohl eine Rolle. Mit gewissen Sendern unterhält der ggsnet Verträge für Werbefenster. «Da haben wir eine vertragliche Verpflichtung. Und zudem sind wir auf diese Einnahmen angewiesen.»

Box ist Voraussetzung

Voraussetzung für den Empfang von digitalem Fernsehen ist eine Settop-Box. Der ggsnet gibt sie fast zum Selbstkostenpreis an ihre Kunden ab, damit die Hemmschwelle, zu wechseln, möglichst klein sei, sagt Liniger. «Mit wenigen Ausnahmen sind wohl alle in der Lage, eine solche Box zu bezahlen. Es ist ja eine einmalige Anschaffung.»

Auch Rudolf Meier hat sich inzwischen ein Kästchen angeschafft. Er kann seine drei geliebten Sender jetzt wieder empfangen.

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