Seit Anfang Jahr sinkt die Arbeitslosigkeit im Kanton Solothurn kontinuierlich. Im Januar lag die Arbeitslosenquote bei 4,6 Prozent, im Oktober wird sie mit 3,2 Prozent ausgewiesen (siehe Grafik). Gleichzeitig steigt die Zahl der Langzeitarbeitslosen (über ein Jahr auf Stellensuche) stetig an. Das heisst, die Firmen verzeichnen zwar wieder höhere Auftragseingänge, aber beim Einstellen neuen Personals sind sie noch vorsichtig. Dies setzt einen Teufelskreis in Bewegung: Je länger die Stellensuche dauert, desto schwieriger wird es für die Betroffenen, einen Job zu finden.

Teufelskreis durchbrochen

Trotzdem. Miriam Kühn aus Biberist hat es geschafft, aus diesem Teufelskreis auszubrechen. Die bald 25-jährige Absolventin einer dreijährigen Berufslehre als Logistikassistentin sucht seit 15 Monaten einen Arbeitsplatz, nachdem sie vor drei Jahren bereits einmal während sechs Monaten als arbeitslos registriert war. Die junge Frau blieb aber dran. «Ich habe monatlich zehn bis zwölf Bewerbungen geschrieben», erzählt die junge Frau. «Die Hoffnung habe ich nie aufgegeben.» Mit Erfolg. Nun hat sie endlich eine Stelle auf ihrem gelernten Beruf als Logistikerin gefunden. Sie habe gewusst, dass «irgendwann jemand kommt, der mir eine Chance gibt, wieder Fuss zu fassen im Berufsleben». Der neue Job sei vorerst auf drei Monate befristet, verbunden mit der Aussicht auf eine Festanstellung. «Ich weiss, dass es nun an mir liegt, diese Chance zu packen. Ich werde alles daran setzen.»

Nach der Lehre konnte sie im Ausbildungsbetrieb während dreier Monate in der Logistik arbeiten, danach wurde sie dem Vierschichtbetrieb zugeteilt. «Das war sehr schwierig für mich, und ich habe gekündigt.» Sie «stempelte» für ein halbes Jahr. Anschliessend war Miriam Kühn über ein Jahr lang wieder berufstätig, bis zu einem einschneidenden Erlebnis. Davon später.

Problem als Alleinerziehende

Die lange Zeit der Stellensuche sei nicht einfach gewesen. Zu Beginn sei es jedes Mal deprimierend gewesen, wenn eine Absage im Briefkasten gelegen habe. Vielfach ohne Begründung des betreffenden Arbeitgebers. Sie habe jeweils gespürt, dass es nicht an den beruflichen Qualifikationen scheiterte, sondern aus einem anderen Grund. Miriam Kühn ist nämlich vor 18 Monaten Mutter von Emalia geworden. «Als alleinerziehende Mutter ist die Stellensuche sehr schwierig.» Etliche Personalabteilungen hätten jeweils Bedenken angemeldet und zu viele Absenzen am Arbeitsplatz wegen des Kindes befürchtet. Zudem sei sie als Mutter auf «normale» Arbeitszeiten angewiesen. «Ich wollte und konnte wegen des Kindes nicht Schichtarbeit leisten und auch nicht bis in den späteren Abend hinein arbeiten.» Nun hat sie aber eine professionelle Tagesmutter gefunden. Das erlaubt es der jungen Biberisterin, während des Tages einer geregelten Arbeit nachzugehen.

«Kein Mitleid, sondern aktive Hilfe»

Unterstützung während der langen «Leidenszeit» fand sie in ihrem persönlichen Umfeld. «Ich erntete kein Mitleid, sondern aktive Hilfe in Form von Tipps, Adressen und Kontakten.» Auch das habe ihr geholfen, die Hoffnung nicht zu verlieren. «Ich war nie verbittert und blieb optimistisch.» Das sei ihr Charakter, und sie habe immer an sich geglaubt. «Die Phase der Stellensuche mit Absagen und Enttäuschungen hat mich auch stark gemacht.»

Ebenso habe sie auf dem RAV Unterstützung erhalten. Ein besonderes Kränzchen widmet Miriam Kühn der Non-Profit-Organisation Stellwerk, getragen vom Verein für soziale und berufliche Integration Solothurn. Man habe ihr dort geholfen, die Bewerbungsunterlagen zu verbessern, Telefongespräche für Bewerbungen korrekt zu erledigen und so fort. «Die Berater im Stellwerk haben mir die Angst vor Bewerbungen genommen.» Die professionelle Hilfe habe schliesslich den Ausschlag gegeben, dass sie es in den letzten Monaten mehrmals beinahe geschafft habe, die letzte Hürde zu überspringen.

Nun, 19 Tage vor der Aussteuerung, hat es für Miriam Kühn geklappt. «Die neue Arbeitsstelle ist für mich ein wichtiger Schritt. Sie gibt mir die Chance, weitere Berufserfahrung zu sammeln und Neues zu erlernen.»

Tagesstruktur ist wichtig

Anderen «Leidensgenossen und -genossinnen» rät Miriam Kühn, nie aufzugeben und den Kopf nicht hängen zu lassen. «Um auch in schwierigen Zeiten eine Stelle zu finden, muss man aktiv dranbleiben.» Dazu gehöre auch, eine Tagesstruktur mit verbindlichen Abläufen aufrechtzu- erhalten. «Wer in den Tag hinein lebt, der gibt sich auf und hat verloren. Man muss kämpfen.» Miriam Kühn weiss, wovon sie spricht.