Aetingen/Mühledorf
«Ich gehe mit einem lachenden und einem weinenden Auge»

Nach 21 Jahren verlässt Pfarrer Urs Sommer den Bucheggberg. Es zieht ihn zurück in seine alte Heimat Zürich. Er spricht von einer schönen Zeit, die er mit seiner Familie im Kirchbezirk Aetingen habe verbringen können.

Daniel Rohrbach
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Solothurner Zeitung

Der Brunnen plätschert im Hof zwischen Pfarrhaus und Pfarrscheune, rechts die Kirche, dahinter der weitläufige, auf Terrassen angelegte Friedhof, von wo der Blick ins Limpachtal und weiter zu den Alpen schweift. Oben am Hang der Wald, eine Linde, die sich über die anderen Bäume erhebt, als bewache sie die Toten und gemahne die Lebenden an ihre Vergänglichkeit. Der Kirchenbezirk von Aetingen, national als von Bedeutung eingestuft, bildet eine reizvolle Einheit von seltener Harmonie. Darin zu Hause war während der letzten zwei Jahrzehnte Pfarrer Urs Sommer mit seiner Familie. Während der warmen Jahreszeit habe der Hof mit Brunnen gleichsam als zweite Wohnstube fungiert, erzählt er.

Künftig würden ihm und seiner Frau am neuen Wirkungsort nur noch ein «Balkönli» von vielleicht drei auf vier Meter Grösse zur Verfügung stehen. Doch mischt sich keineswegs Wehmut in seine Rede, wenn er diesen Vergleich anstellt. Vielmehr spricht er von der schönen Zeit, die er mit seiner Familie an diesem schönen Ort habe verbringen können, spricht von den guten nachbarschaftlichen Beziehungen, die man habe erleben dürfen, aber auch davon, dass die Zeit für einen Wechsel gekommen sei. Bei jeder Pfarrperson kämen die einen auf ihre Rechnung, andere dagegen nicht, sagt er.

Zurück in den Kanton Zürich

Auf den 1. August tritt Urs Sommer im Kanton Zürich seine neue Wirkungsstätte an. Er wird Leiter des Ferien- und Tagungszentrums Bibelheim Männedorf. Neben seinen Leitungsaufgaben wird er dort weiterhin als Pfarrer tätig sein. Urs Sommer ist dem Bibelheim Männedorf schon lange verbunden. Seit vielen Jahren gehört er, in Uster aufgewachsen, dem Heimvorstand an. Als sich ein Wechsel in der Heimleitung abgezeichnete, trat man an ihn heran. Wenn er sich noch einmal verändern will, dann muss er dies jetzt tun, war für den 55-Jährigen klar. «Mit 60 hätte ich dies nicht mehr machen können.»

Das Pfarramt in der Kirchgemeinde Aetingen-Mühledorf trat Urs Sommer im Mai 1990 an. Damals stand der Älteste der vier Kinder des Ehepaars Sommer vor dem Kindergarteneintritt, jetzt, 21 Jahre später, ist die jüngste Tochter mitten in den Maturprüfungen. Seinen Wirkungsort im Bucheggberg verlässt Urs Sommer mit einem lachenden und einem weinenden Auge, wie er sagt. Schön sei gewesen, mitzuerleben, wie das gegenseitige Vertrauen gewachsen sei, sei es zum Kirchgemeinderat oder zu den einzelnen Gemeindemitgliedern. «Wäre ich nur drei Jahre hiergeblieben, wäre dies nicht möglich gewesen.» Zumal bei seiner Wahl ein ausdrücklicher Wunsch des Kirchgemeinderates gelautet habe, jemanden zu verpflichten, der über eine längere Zeit bleiben will. Davon fühlte sich Urs Sommer angesprochen. Mehr aber noch von der Aussage im Stelleninserat, dass die Kirchgemeinde einen Pfarrer sucht, der Freude habe, das Evangelium zu verkünden. Diese Freude, überhaupt die Freude am Pfarramt, ist ihm in all den Jahren nie abhandengekommen. Deshalb freut er sich, auch in Männerdorf weiterhin als Pfarrer wirken zu können.

Mit viel Heiterkeit

In den 21 Jahren seines Wirkens erlebte Urs Sommer auch die eine oder andere Anekdote. So sei einmal jemand nach dem Elf-Uhr-Läuten berichten gekommen, es hänge irgendein obskurer Gegenstand an der Kirchenglocke. Zuerst, so habe er gedacht, die betreffende Person sei nicht ganz bei Sinnen. Oder ob es vielleicht doch Gespenster gäbe, habe er sich auch kurz gefragt, erzählt er lachend. Doch wie sich dann herausgestellt hat, war der Gegenstand eine durch die Pendelbewegung der Glocke vollständig demolierte Aluminiumleiter, die ein Handwerker bei Reparaturarbeiten vergass, wegzuräumen.

Heiter, immer wieder von einem Lachen unterbrochen, da und dort mit einem Spass gewürzt, erzählt er unbefangen aus seinem Wirken und strahlt vor Zuversicht, die nicht gekünstelt ist. Wie sehr sich die Welt auch immer verändere, es bleibe die Botschaft des Vaters ihm Himmel, der einen gern habe.

Abschiedsgottesdienst in der Kirche Aetingen, Sonntag, 26. Juni, 9.30 Uhr.