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Holzhäuschen sorgen für Stimmung an Weihnachtsmärkten

Die Huttwiler Weihnachtsmarkthäuschen schlummern zehn Monate im Jahr auf einem Stapel, bis sie dann in der Weihnachtsszeit auf den Märkten stehen. Auch in Langenthal und Solothurn sind sie gefragt.

Johannes Reichen
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Holzhäuschen für den Markt

Holzhäuschen für den Markt

Solothurner Zeitung

Sie wissen einfach nicht, wie man die Holzplatten richtig stapelt. «Sie werden es nie lernen», sagt Walter Rohrbach. Jedes Jahr, wenn die in ihre Einzelteile zerlegten Huttwiler Weihnachtshäuschen von diesem Markt im Kanton Aargau zurückkommen, müssen die Mitarbeiter noch einmal ran und machen neue, saubere Stapel. Schliesslich ist die Zeit der Weihnachtsmärkte bald vorbei, die Markthütten werden jetzt zehn Monate nicht mehr gebraucht. Umso wichtiger, dass sie gut gelagert werden.

Rohrbach ist Geschäftsführer des Vereins Pro Regio Huttwil, er ist Herr über mehr als hundert hölzerne Weihnachtshäuschen. Hans Mathys hingegen ist der Hüttenwart, in einer Halle seines Huttwiler Transportunternehmens wird das Holz das Jahr hindurch gelagert.

Vorbild Deutschland

Im Jahr 1996 führte Pro Regio den ersten Weihnachtsmarkt durch und wollte sich von anderen abheben. «Unser Vorbild waren die deutschen Märkte, jener in Dresden beispielsweise. Wir wollten nicht nur Marktstände.» Also wurden beim Schreiner 42 Holzhäuschen bestellt, und weil der Verein kein Kapital hatte, bürgten sechs Vorstandsmitglieder mit 10000 Franken. «Es war ein mutiger Entscheid», sagt Rohrbach heute, «aber zum richtigen Zeitpunkt.»

Mittlerweile kommen die Häuschen nicht mehr nur in Huttwil zum Einsatz, sondern auch in Olten, Wildegg, Murten, Baden, Oberburg oder Interlaken. Die Langenthaler Stärne-Wiehnacht kommt nicht ohne sie aus. Am vergangenen Wochenende zählte auch der 1. Soledurner Wiehnachtsmäret auf die Oberaargauer Hüttenware.

15 volle Sattelschlepper

Bald nach der ersten Anschaffung aber stand «Pro Regio» wieder ohne Häuschen da. Damals waren sie im Lager der Eidgenössischen Getreideverwaltung untergebracht, die im Oktober 1998 bis auf die Grundmauern niederbrannte. Sechs Wochen vor dem Weihnachtsmarkt mussten neue Hütten in Auftrag gegeben werden.

Heute gibt es 106 kleine und 10 grosse Häuschen, und dazu eine grosse überdachte Bühne. Zusammen wiegen sie 120 Tonnen und sind bei Mathys zumindest gegen Wind und Wetter gut geschützt.

Einige Lastwagen stehen auf dem grossen Platz vor der Halle. Nach und nach werden jetzt die letzten Häuschen nach Huttwil ins Lager gefahren. «Der Umschlag», sagt Hans Mathys, «braucht viel Platz.» Das Material füllt 15 Sattelschlepper, im Dezember werde jedes Häuschen im Schnitt viermal umgeschlagen.

«Wir haben unsere Kniffe», sagt Mathys, so schafft diese Arbeit in der Regel ein Angestellter allein. Immer wieder aber müssen die Teile geflickt werden, und auch die Lichtgirlanden, die zu jeder Hütte gehören, müssen kontrolliert werden.

Wichtige Einnahmequelle

Walter Rohrbach rät anderen Marktverantwortlichen ab, wenn sie sich überlegen, selbst Hütten anzufertigen. «Natürlich würde uns das Geschäft verloren gehen», sagt er, die Vermietung ist eine wichtige Einnahmequelle für den Verein.

Tatsächlich sei aber auch der Aufwand ziemlich gross, nicht nur was Unterhalt und Lagerung anbelangen. Auch das Instandsetzen sei nicht ohne. Jede Hütte besteht aus neun schweren Teilen: Zum Boden kommen je zwei für die Seiten, die Front, die Rückwand und das Dach. Sie werden mit Metallstiften zusammengehalten. Während des Aufbaus des Käse- oder des Weihnachtsmarkts sei das Leben in Huttwil jeweils praktisch lahmgelegt.

Schön und stimmungsvoll

Davon konnte sich auch Kurt Steiner überzeugen. Der Bauchef des Weihnachtsmarkts in der Solothurner Vorstadt hatte in Huttwil einen kleinen Kurs absolviert. «Die Hütten lassen sich rasch auf- und abbauen, das System ist sehr praktisch.» Ein Vorteil sei auch, dass sie abgeschlossen werden können.

Also wurden 26 kleine und drei grosse, offene Häuschen nach Solothurn transportiert. Der Markt an der Aare ging so reibungslos über die Bühne. «Es war schön und stimmungsvoll», sagt Steiner, «auch dank den Häuschen.»

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