«Das Jahr 2011 steht ganz im Zeichen der Vorfreude auf unser neues Schiff», sagte BSG-Geschäftsführer Thomas Erne gestern vor den Medien in Biel. Das Schiff wird ab April 2012 auf der Aare und auf den Juraseen unterwegs sein. Es wird im Mai in der Öswag-Werft in Linz (Österreich) auf Kiel gelegt und in Segmenten aufgebaut, die ab September nach Nidau transportiert und dort zusammengebaut werden. Das Schiff ist 48 Meter lang, hat eine Kapazität von 300 Personen, davon 180 Innenplätze und soll die beiden älteren Schiffe MS «Büren» und MS «Seeland» ersetzen. Die Kosten werden auf rund 8,1 Mio. Fr. beziffert. Davon zahlt der Kanton Bern 6 Mio. Fr. und der Kanton Solothurn 2 Mio. Fr. Der Innenausbau soll in Zusammenarbeit mit regionalen Firmen erfolgen. Erne sprach von einer «exklusiven Ausstattung», die auch überregionale Gäste ins Dreiseenlandbringen soll.

Die Österreicher haben bereits Schiffe für die BSG gebaut (etwa die «Stadt Solothurn» 1973) und auch für andere Schweizer Gesellschaften. Darunter das neue Zürichseeschiff «Panta Rhei», das allerdings mit technischen Problemen kämpfte. «Das wird eine Episode bleiben. Wir haben vor und nach der ‹Panta Rhei› viele Schiffe erfolgreich ausgeliefert. So wird es auch beim neuen BSG-Schiff sein», versichert Reinhard Suppan, Geschäftsführer der Öswag-Werft.

Name gesucht

Der Name des neuen Schiffes ist noch nicht klar. Im Moment figuriert es unter der technischen Bezeichnung MS «300». Weil Philosoph Jean-Jacques Rousseau, der mit der Petersinsel verbunden war, nächstes Jahr 300 Jahre alt würde, zirkulierte auch schon der Name «Rousseau». «Das wäre sicher ein geeigneter Name für 2012», meint BSG-Chef Thomas Erne dazu. Für die definitive Namensfindung soll allerdings ein Wettbewerb bei der Bevölkerung durchgeführt werden, kündigt er an.

Der BSG-Fahrplan 2011 wird leicht umstrukturiert. Die weniger gut ausgelasteten Montagskurse der Seeschifffahrt im Frühling und Herbst werden gestrichen (ausser Dreiseen-fahrt). Dafür fahren von Dienstag
bis Sonntag jeweils zwei Kurspaare mehr. «Um die starke Wetterabhängigkeit zu relativieren, werden die Sommersaison und die Herbstsaison um je eine Woche verlängert», sagte Erne. Insgesamt erweitere so die BSG das Fahrplanangebot um 63 Kursfahrten.

Fischer und Winzer an Bord

Auch soll das Serviceangebot auf den Schiffen weiter verbessert werden. Nach der Lancierung der «Hörtour» im vergangenen Jahr soll das gastronomische Angebot mit loka-len Spezialitäten (Treberwurst, Fisch, Fondue) ergänzt werden. Jeweils am Samstagabend sind Winzer und Fischer aus der Region an Bord und geben Einblick in ihr Handwerk. Auch die Themenfahrten werden fortgeführt – im Herbst, rechtzeitig auf die Nationalratswahlen hin, beispielsweise mit der Krimifahrt «Tatort Bundeshaus». Stadtführungen (für Solothurn, Biel Murten und für die Petersinsel) können im Sommer an Bord gebucht werden. Mit einem Rabatt von 10 Prozent will man schliesslich den Verkauf von Fahrkarten und Gastro-Angeboten im Internet weiter schmackhaft machen. «Schon über
5 Prozent der Fahrkarten werden
so gelöst», erklärt Erne. Insgesamt möchte er die Passagierzahlen 2011 auf 345 000 steigern (+6 Prozent).

Verregnete Saison 2010

«Das schlechte Wetter im Mai und Juni hat uns im vergangenen Jahr einen Strich durch die Rechnung gemacht», sagte Fredy Miller, Direktor von Aare-Seeland Mobil (ASM, Muttergesellschaft der BSG) rückblickend zur Saison 2010. Die Folgen: 37666 Passagiere (10 Prozent) weniger als im Rekordjahr 2009. Insgesamt benutzten 324233 Personen 2010 die Schiffe der BSG. Auch die Verweildauer der Passagiere auf den Kursen nahm im Vergleich zum Vorjahr um 13 Prozent ab.

«Damit können wir nicht zufrieden sein», sagte Erne, der die BSG seit vergangenem Herbst leitet. Die BSG versucht die Wetterabhängigkeit mit Themenfahrten aufzufangen. Als einzige Schweizer Schifffahrtsgesellschaft hat sie sich zudem mit einem «Wetterzertifikat» an der Börse abgesichert.