Geschäftsführer der Solodaris-Stiftung, Daniel Wermelinger, wertet dies denn auch als «grossen Erfolg». Gegen 200 Personen setzten sich am Freitag mit dem Umgang mit Enttäuschungen und persönlichen Krisen auseinander, 7 Referenten sprachen zu diesem Thema. Unter anderem Journalistin Barbara Bürer, die jeweils am Montag von Mitternacht bis 1 Uhr morgens in der Radio- und TV-Sendung «Nachtwach» mit Menschen spricht, sie erzählen lässt.

Der Taxifahrer als guter Zuhörer

Es kann in diesen Gesprächen heiter, belustigend, aber auch traurig zu- und hergehen – wie ein Hörbeispiel anschaulich zeigte. Monika berichtete in einer Sendung des vergangenen Jahres mit zittriger Stimme von einem Geschehnis, das mehr als 50 Jahre zurückliegt. Damals hat sie als Mädchen zuschauen müssen, wie ihre jüngere Schwester überfahren wurde und dabei starb. Und wie ihre Mutter ihr die Schuld dafür gab.

«Die Leute wollen erzählen, wollen über ihre Geschichte sprechen», fasst Bürer ihre Erfahrungen zusammen. «Ich würde nicht behaupten, dass es den Leuten nach unserem Telefongespräch besser geht, aber manchmal spürt man vonseiten des Anrufenden eine gewisse Erleichterung.» Über das Erlebte sprechen, muss Bürer selber übrigens auch. Jeweils nach der Sendung fährt sie mit Taxifahrer Hassan, der die Sendung im Auto mithört, nach Hause und tauscht mit ihm Gedanken zur Sendung aus, wie sie berichtet. Zudem mache sie alle drei Wochen eine Supervision, um das Gehörte «abzulegen».

In ein tiefes Loch gestürzt

Gastredner Carl Just sprach hingegen über seine eigene ganz tiefe Krise. Er half sich über schlaflose Nächte mit exzessiven Alkoholmissbräuchen hinweg und stürzte so über Jahre in ein Loch, aus dem ihm am Anfang niemand zu helfen wusste. Wie er erzählt, haben ihn Ärzte und Psychotherapeutin als Alkoholiker abgestempelt. Wenn er von seinen Albträumen und den schrecklichen Bildern berichtete, die ihm immer wieder vor Augen erschienen, wurde dies als Ausrede für seine Sucht abgestempelt. Erst als Just selber von der Krankheit Posttraumatische Belastungsstörungen hörte, suchte er gezielt nach Hilfe, die er schliesslich fand. Sein Rezept aus der persönlichen Krise heraus: «Hilfe suchen, Hilfe finden, Hilfe annehmen», Er fügt an: «Man muss zu seinen Stärken und Schwächen stehen und darüber reden.» Reden tut er nicht selten über diese Krankheit. «Gern mache ich das nicht. Aber ich verfolge das Ziel, die Krankheit bekannter zu machen.»

Hartnäckig nachgehakt

Die Verantwortlichen des 5. Aare- Forums schafften ein abwechslungsreiches, informatives Programm: Zu den Rednern gesellten sich neben Bürer und Just auch Skirennfahrerin Dominique Gisin, Rollstuhlsportler Heinz Frei, Psychotherapie-Fachmann und Buchautor Rolf Heim, Personal Coach und Radiomann Ruedi Josuran sowie Theologe und Philosoph Reto Stampfli. Den Sieben auf den Zahn fühlte Tagesschau-Moderator Franz Fischlin, indem er nach den jeweiligen Vorträgen hartnäckig nachhakte. Für die lockere Stimmung trotz des schweren Themas war Walter B. Grünspan, der in Olten nicht unbekannte, kleinkrämerische, falsche Bundesangestellte, besorgt.