Fasnachtsmarkt
Hier beginnen die Fasnachtsaugen wieder zu leuchten

Kostüme anprobieren, ins Fettgebäck beissen, zur Guggenmusik tanzen – nach diesem Motto verbrachten Scharen von Fasnachtshungrigen den gestrigen Tag. Der Langenthaler Fasnachtsmarkt lockte Narren aus der ganzen Schweiz in den Oberaargau.

Martina Schlapbach
Drucken
Teilen
Die Fasnachtsaugen beginnen beim Langenthaler Fasnachtsmarkt wieder zu leuchten
20 Bilder

Die Fasnachtsaugen beginnen beim Langenthaler Fasnachtsmarkt wieder zu leuchten

Hanspeter Bärtschi

Ein wahrer Fasnächtler lässt sich weder von Morgenkälte noch Nebelgrau beeindrucken: Kaum erklingt der erste Paukenschlag, setzen sich Hüfte und Schultern des Buntgekleideten in Bewegung. Auf- und abwippend findet man vor dem Choufhüsi vier in Schwarz gekleidete Damen, die je an einem Punsch nippen und sich anonym «den sieben turnenden Frauen aus Roggwil» zugeordnet wissen wollen.

Die Kostüme werde ihnen der heutige Marktbesuch bescheren, umreisst die Gruppe ihr Tagesziel. Sieben identische Gewänder sollten es sein, erklärt die eine Dame und ihre Kollegin präzisiert: «etwas Schönes» müsse her, «ja nichts Grusliges».

Bewegungsdrang und leuchtende Augen

«Einen Fasnächtler erkennt man auch dann, wenn dieser kein Kostüm trägt», erläutert Tögi Vogel aus Reiden (LU). Der durch die Guggenmusik ausgelöste Bewegungsdrang könne man als ein Indiz betrachten, die leuchtenden Augen als das andere. Vogels eigene Fasnachtsbegeisterung ist so gross, dass er das Narrengeschäft zu seinem Beruf gemacht hat.

In Handarbeit stellt er Masken her, die er in der Vorfasnachtszeit auf Märkten präsentiert. Der Langenthaler Fasnachtsmarkt ist landesweit einer der grössten seiner Art, und Vogel einer unter rund 165 Anbietern. Dicht an dicht reihen sich an diesem Samstag sodann die Stände von Cliquen, Firmen und Einzelhändlern in der Marktgasse und St.-Urban-Strasse. Vom Drachentöter über den Indianer bis zum Ritter decken die Kostüme alle erdenklichen Motive ab; daneben finden sich Schminke, Ohrenschutz und allerlei Stoffe. Stoff zum Selbernähen? So was wollen sich die zwei Frauen am Stand vor dem Tell den eigenen Worten nach nicht antun.

Nach zwei Stunden Marktgang haben sie ihr Kostüm gefunden: Zusammen mit fünf Kindern werden sie die kommende fünfte Jahreszeit im Globi-Gewand erleben. Die Stimmen, die hinter den gelben Schnäbeln ertönen, verweisen auf zwei von weit her angereiste Narren.

«Guru» behält den Überblick

Erwachsene in Bambikostümen und kleine Monster mit grossen Rasseln ziehen entlang der Stände. Das Markttreiben im Überblick behält Ulrich Wüthrich alias «Guru». Als eigen- und fremd bezeichnetes Urgestein der hiesigen Fasnacht erlebte der 72-Jährige jeden Fasnachtsmarkt mit und erfreut sich ob der diesjährigen Ausführung: «Der Markt ist grösser geworden, immer mehr Besucher reisen von auswärts an», sagt der Langenthaler, derweil sich neben ihm zwei Romands im Sennenkostüm fotografieren lassen.

Das Foto löst Gelächter und Gefallen aus, die Kostüme werden gekauft, «Guru» schmunzelt hinter seiner neongrünen Sonnenbrille mit. «Viele, viele Leute», bezeugen auch Selina, Andrea und Thomas, die soeben noch aus 21 Meter Höhe vom Public-Kran aus über das Geschehen blickten.Über den Tag verteilt spielen 20 Guggen auf. Ein wahrer Fasnächtler kennt eben keine kalten Beine und ist stattdessen lang vor dem offiziellen Fasnachtsbeginn von Kopf bis Fuss aufgewärmt.

Aktuelle Nachrichten