Bucheggberg
Heute fürchtet die Gewürzdiebe niemand mehr

Von Wegelagerern, der schönsten Kuhweide und von königlichen Legenden – die Herbstwanderung geht weiter.

Christof Ramser (Text und Bilder)
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Waldwanderung Bucheggberg
10 Bilder
Blick vom Rapperstübli ins Limpachtal
Immer wieder laden Bänklein zur Rast ein
Der Glockenstuhl mit der heiligen Theodulsglocke
Blick auf Balm und das Kirchlein
Das Gächliwiler Schulhaus mit dem Turm
Das Balmkirchli als weisser Fleck im Bucheggberg
Die schönste Kuhweide im Bucheggberg
Wo die Pilze aus dem Boden spriessen
Ein Holzfäller wacht über das Forsthaus Biezwil

Waldwanderung Bucheggberg

Solothurner Zeitung

Über Hügel und durch Tälchen geht die Fahrt vom Bahnhof Lohn mit dem Postauto nach Gächliwil. Ein Auf und Ab ist auch in den folgenden zwei Stunden zu Fuss durch das bucheggbergische Hügelland zu erwarten. «Einen schönen Sonntag», wünscht der Chauffeur noch, ich steige am Buswendeplatz aus und marschiere los. Vorbei am alten Schulhaus, dann rechts über einen Feldweg Richtung Obergächliwil und weiter dem Waldrand entlang hinunter in die Moosgasse. Der Regen hat sich verzogen, nur einzelne Nebelfetzen steigen noch über dem Blätterdach auf. Von irgendwo her schallt das Echo von Gewehrschüssen, und die grauen Schwaden über den Wipfeln erinnern mich an Pulverdampf, der aus überdimensionalen Gewehrläufen qualmt.

Der Weg geht weiter hinauf zum Horad, wo eine Sitzbank mit einem Holztisch zur Rast einlädt und wo sich der Blick Richtung Seeland öffnet. Plötzlich rauschen zwei Mountainbiker auf dem Feldweg vorbei, ausgerüstet Helm und Schienbeinschutz verschwinden sie in einer kleinen Waldpforte – der Bucheggberg ist auch ein Bike-Paradies.

Hinab auf dem Gewürzweg

Ansonsten ist niemand unterwegs an diesem trüben Nachmittag. Das ändert sich, sobald ich den beiden Bikern und dem gelben Wanderwegweiser in den grossen Rechtsamenwald folge. Hier trifft man Sonntagsspaziergänger, Jogger und Kinder, die auf den Spuren von Ueli Steck auf den Hubelstein rennen, den erratischen Block und grössten Schalenstein im Kanton Solothurn.

Wieder knallen Schüsse aus dem Limpachtal hinauf. Doch es sind keine Jäger, sondern vielmehr die Ramserer Jungschützen, die das Endschiessen bestreiten. Immer wieder blitzt nun auf dem Weg zum Forsthaus Biezwil das Panorama Richtung Emmental und Berner Alpen zwischen den Bäumen hervor. Doch der Horizont bleibt trüb, und man kann sich leider nur ausmalen, welch prächtiger Ausblick sich von hier bieten würde. Vorbei am Forsthaus Biezwil, wo vor zwei Jahren der Kohlenmeiler schwelte, lohnt sich ein Abstecher zur Ruine Balmegg, dem heutigen Rapperstübli.

Kühe grasen gemächlich

Auf dem Weg dorthin passiert man eine Waldlichtung, auf der gemächlich Kühe grasen. So abgeschieden und mit diesem prächtigen Ausblick oberhalb der Balmfluh ist es wohl die schönste Kuhweide im ganzen Bucheggberg. Westlich davon zeugt heute noch ein mächtiger Erdwall und ein bis zu elf Meter tiefer Graben von der Burg, die hier den Grafen von Buchegg Unterschlupf bot. Von den Mauerresten, die noch vorhanden sein sollen, sehe ich leider nichts. Dafür liefert eine Tafel Wissenswertes zur Geschichte – etwa, dass die Grafen, nachdem sie die Teufelsburg bei Gossliwil verlassen und vorübergehend hier hausten, später auf Schloss Buchegg zogen. 1383 wurde die Burg im Kyburgerkrieg endgültig zerstört.

Wer wieder zurück zum Forsthaus geht und den abschüssigen «Schleif» hinunter zum Balmkirchlein nimmt, fühlt sich fast wie ein Wegelagerer im Mittelalter. Auf dem «Gewürzweg», so weiss Hansruedi Spielmann aus Balm, schossen damals die «Balmegger» herunter, wenn die Gewürzhändler aus auf dem Weg von Bern nach Büren an der Aare das Limpachtal passierten – von hier aus wurde der Handelsweg kontrolliert. Alle zwei Jahre wird am Balmeggschiessen im Frühling an die Ruine erinnert.

Ein Haus in zwei Kantonen

Der Höhepunkt der Wanderung ist unbestritten das Balmkirchli, das schräg unterhalb der Balmfluh auf einem kleinen Plateau steht (siehe Text oben). Auf dem Weg hinab ins Dorf sammle ich einige Baumnüsse, und gestärkt mache ich mich auf den Weg durchs topfebene Limpachtal. Neben dem Bach erinnert ein Gedenkstein an die Melioration, die in den 1940er-Jahren das sumpfige Tal trockenlegte. Seitdem fliesst der Limpach schnurgerade durch die Ebene, und aus «Hosenträgerbitzli», wie sie Hansruedi Spielmann nennt, haben sich die Äcker in ausgedehnte Felder verwandelt.

Weiter geht der Weg durch das Siedlungsgebiet Eichholz, wo auf der rechten Strassenseite bernische und auf der linken solothurnische Schilder an den parkierten Autos kleben – und dazwischen am Strassenrand im Wind die Schweizer Fahne flattert. Hier führt die Kantonsgrenze der Strasse entlang, und an einem Ort zieht sie sich gar mitten durch ein Bauernhaus. Immer wieder schweift der Blick nun zurück, bis das Balmkirchli nur noch als weisser Fleck im steilen Bucheggberg erscheint, und ich in Messen ins Postauto steige – weiter zum letzten Teil der Waldwanderung, der nächste Woche folgt.