Solothurner Filmtage 2011
Hauptpreise für «Cleveland vs. Wall Street» und «Sommervögel»

Besucherströme wie nie, mindestens ein neuer Streifen mit Hitpotenzial und konstruktive Debatten: Die 46. Ausgabe der Solothurner Filmtage darf als Erfolg gelten. Die grossen Preise gingen an bereits bekannte Streifen.

Serge Kuhn
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Der Dokfilm «Cleveland vs. Wall Street» von Jean-Stéphane Bron über die Finanzkrise, der zumindest in der Romandie ein Kassenschlager war, holte den mit 60'000 Franken dotierten Jurypreis «Prix de Soleure».

Die Besucher strömten dieses Jahr wie noch nie zu den Filmtagen: Zur zweiten Ausgabe, die acht - statt wie früher sieben - Tage dauerte, kamen rund 55'000 Personen (inklusive Rahmenveranstaltungen). Das Plus beträgt sieben Prozent.

Kulturminister Didier Burkhalter konnte festhalten, dass die Filmszene nicht das «Minenfeld» sei, vor dem man ihn gewarnt habe. Filmpolitisch gebe es eine «positive Evolution» - eine Einschätzung, die von der Branche offenbar geteilt wurde. Der Entscheid über die neue Filmförderung wird im Sommer erwartet.

Schräge Komödie und poetisches Drama

Bei den Werken, die in Solothurn neu zu sehen waren, erntete vor allem «Der Sandmann» Lorbeeren - und gleich drei Nominationen für den Schweizer Filmpreis Quartz. Peter Luisi erzählt in seiner herrlich schrägen Komödie, die in einigen Monaten in die Kinos kommt, von einem Mann, der Sand verliert - ganze Strände davon.

In den Hauptrollen sind der Burgschauspieler Fabian Krüger und die aus der TV-Sendung «Giacobbo/Müller» bekannte Frölein Da Capo (Irene Brügger) zu sehen.

Lange bleibt unklar, zu welchem Zweck die Anhalterin Ellen (Isabelle Caillat) in Japan zu den Felsformationen von Umikongo unterwegs ist und ihr Bruder Ben zur US-Küste Big Sur. Nach Fahrten durch leuchtende Natur kommt es zu einem überraschenden Ende.

Zu punkten vermochten zudem die Komödie «Opération Casablanca», der packende Eröffnungsfilm «Manipulation» mit Klaus Maria Brandauer sowie der Dokfilm «Mit dem Bauch durch die Wand» über junge Mütter.

Mehrfach Thema: Der grosse Abschied

«La dernière fugue», der Ende Februar in der Deutschschweiz anläuft, handelt von einem Patriarchen (Jacques Godin), der an der Parkinson-Krankheit leidet. Der Film berührt anfänglich, verliert sich aber in fast banal anmutenden Familiengeschichten.

Etliche weitere Beiträge dieses Festivals überzeugten phasenweise, darunter die Dokfilme «Bouton» über eine krebskranke Schauspielerin oder «Mürners Universum» über einen UFO-Gläubigen.