Hersiwiler Hanf-Streit
Hanf-Bauer Steiner aus Hersiwil kämpft um seine Ernte

Ein Wasserämter Bauer kämpft mit allen Mitteln um seine Ernte - ein Feld voll Industriehanf. Dieser sollte eigentlich für Bier und Kosmetikartikel verwendet werden, wies aber in einem Test vom August 2011 einen Wert leicht über dem Grenzwert auf.

Stefan Frech
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Der Hersiwiler Hanfbauer Christian Steiner kurz vor der Ernte, die er per Gerichtsbeschluss durchgesetzt hat.

Der Hersiwiler Hanfbauer Christian Steiner kurz vor der Ernte, die er per Gerichtsbeschluss durchgesetzt hat.

Hanspeter Bärtschi

Christian Steiner hat ein Problem. Der Bauer aus Hersiwil baut Industriehanf an. «Das Öl soll für Bier und Kosmetika verwendet werden», erklärt er. Soll – denn im August kam die Polizei im Auftrag der Staatsanwaltschaft auf sein Feld und nahm drei Pflanzen mit, um sie auf den THC-Wert (den psychoaktiven Wirkstoff im Hanf) zu prüfen. Eine der Pflanzen hatte 1,1 Prozent – gerade mal 0,1 Prozent mehr als seit Juli durch den Bund toleriert wird. Somit gilt Steiners Hanf als Drogenhanf und müsste vernichtet werden.

Die Staatsanwaltschaft eröffnete ein Strafverfahren. Der Bauer im Nebenerwerb gab aber nicht klein bei. Mithilfe des Anwalts und Präsidenten des Vereins Schweizer (Bauern-)Hanffreunde (VSHF), Jean-Pierre Egger, legte er gegen die Beschlagnahmung seiner rund 2000 Pflanzen Beschwerde ein. Egger zog den Fall durch alle Instanzen bis vor Bundesgericht. Er möchte, dass dieses ein für alle Hanfbauern in der Schweiz wichtiges Leiturteil fällt. Denn Egger ist überzeugt: «Die neue, von der Bundesverwaltung festgelegte Grenze von 1 Prozent THC ist wissenschaftlich nicht haltbar. Hanf mit derart wenig THC ist so berauschend wie ein Schluck Sauser. Er würde also von Kiffern gar nicht geraucht.» Allerdings: Vor Juli 2011 lag der Grenzwert für Industriehanf mit 0,3 Prozent noch tiefer.

Polizisten überwachten die Ernte

Das von Egger erhoffte Grundsatzurteil bleibt vorerst aus. Das Bundesgericht wies gestern den Fall an die kantonalen Behörden zurück. Laut Egger muss nun die Beschwerdekammer des Obergerichts über die 1 Prozent-Regel entscheiden. «Bei einem Entscheid in unserem Sinne wird die Staatsanwaltschaft ans Bundesgericht weiterziehen», fürchtet Egger. «Oberstaatsanwalt Felix Bänziger gilt seit Jahren als Hardliner in der Hanffrage.» Mit Ausnahme von Solothurn und Bern seien seit Juli in keinem anderen Kanton Hanffelder auf ihren THC-Gehalt kontrolliert worden. Aber auch der wegen Hanfanbaus selber vorbestrafte Egger ist für seine Hartnäckigkeit bekannt und wird den Fall ans höchste Gericht weiterziehen.

Immerhin: Christian Steiner konnte Anfang dieser Woche bereits einen Teilsieg erringen. Die Beschwerdekammer des Obergerichts hat ihm erlaubt, die Pflanzen unter polizeilicher Aufsicht zu ernten und in einer Scheune einzulagern. Steiner handelte sich aber sogleich ein neues Problem ein. Er hat am Montag der Polizei mitgeteilt, dass er sofort ernten werde, und fuhr mit dem Traktor aufs Feld. Der zuständige Staatsanwalt, Jan Gutzwiller, hatte aber die entsprechende Verfügung noch nicht geschrieben. Also tauchten zwei Kantonspolizisten auf dem Feld in Hersiwil auf und versuchten, Steiner an der Ernte zu hindern.

Mit unzimperlichen Methoden, wie der VSHFin einer Mitteilung an Medien und Behörden verbreitete. «Sie drohten Steiner vom Traktor runterzuholen und zusammenzuschlagen.» Der Bauer schildert den Ablauf jedoch in einer milderen Variante: «Die Polizisten haben sich vor meinen Traktor gestellt, damit ich nicht ernten konnte. Einer drohte mir, dass er mich sonst vom Traktor hole und ‹z’Bode drücke›.» Die zwei Polizisten bestreiten, dass sie gedroht hätten oder gar handgreiflich wurden. «Sie haben dem Bauer in erster Linie die Konsequenzen aufgezeigt, wenn er sich den Anordnungen von Polizei und Staatsanwaltschaft weiter widersetzt», berichtet Mediensprecherin Thalia Schweizer nach internen Abklärungen. Oberstaatsanwalt Bänziger wiederum hat am Vorgehen von Gutzwiller nichts auszusetzen: «Der Bauer hat mit der Ernte begonnen, ohne die ihm angekündigte Verfügung abzuwarten.»

Teure Bewachungsaktion

Christian Steiner hat den Hanf am Dienstag geerntet – unter Aufsicht von zwei Polizisten. Ausserdem bewachen Securitas-Mitarbeiter auf Geheiss des Obergerichts die Scheune, wo die Pflanzen getrocknet werden – Tag und Nacht. Der Hanf wird dort noch einige Monate unter Verschluss bleiben, bis die Justiz das endgültige Schicksal der Pflanzen besiegelt hat. Jean-Pierre Egger rechnet und regt sich auf: «Die ganze Bewachungsaktion könnte den Solothurner Steuerzahler rund 150000 Franken kosten – nur damit der Staatsanwalt seinen Ego-Trip ausleben kann.»