«2010 wird umsatzmässig das beste Geschäftsjahr in der Firmengeschichte sein.» Und das will etwas heissen, ist doch Baumeister Paul Jetzer seit 40 Jahren im Geschäft. Der Chef der Gebr. Jetzer Hoch- und Tiefbau AG in Schnottwil ist zugleich Präsident des Baumeisterverbandes Solothurn. «2010 wird ein sehr gutes Jahr, unterscheidet sich aber nur unwesentlich von den vorherigen Jahren», sagt seinerseits Christian Giesser, Co-Chef des Maler- und Gipserbetriebes Giesser AG in Langenthal und Präsident des Maler- und Gipsermeisterverbandes Langenthal und Umgebung.

Von «einem guten Jahr mit hoher Auslastung» spricht Martin Gurtner, Inhaber und Geschäftsführer des Spengler- und Sanitärbetriebes Gurtner AG in Solothurn. «Arbeitsmässig sind wir sehr zufrieden mit dem bald abgeschlossenen Geschäftsjahr 2010», erklärt schliesslich Martin Wyss, Mitinhaber und Geschäftsleiter der Gipserei Viktor Wyss AG in Flumenthal.

Der Befund ist also eindeutig. Das Bauhaupt- und Baunebengewerbe in der Region Solothurn-Oberaargau kann sich nicht über zu wenige Aufträge beklagen.

Ebenso eindeutig ist der Hauptgrund für den Boom, der schon seit Längerem anhält. Die tiefen Zinsen für Hypothekarkredite hätten einen entscheidenden Einfluss auf die Nachfrage nach Leistungen vom Bauhandwerkergewerbe, erläutert stellvertretend Martin Gurtner.

Nicht wenige Leute hätten in der Finanzkrise viel Geld verloren, und es habe ein Umdenken stattgefunden. «Finanzielle Mittel werden deshalb vermehrt in Immobilien und eigenes Wohnen investiert. Das ist für viele Leute eine sichere Anlage», ergänzt Gipsermeister Christian Giesser.

Probleme auf der Ertragsseite

Unisono beklagen diebefragten Handwerker allerdings ein schwerwiegendes Problem auf der Ertragsseite. Die Markttheorie, wonach eine hohe Nachfrage zu steigenden Preisen führt, spiele überhaupt nicht, sagt Baumeister Jetzer. «Wenn wir die Preise in den Offerten erhöhen würden, dann würde es umgehend Absagen hageln.»

Er wolle aber nicht jammern, und wenn schon, dann wäre es auf einem hohen Niveau. Er will aber auf die ungleiche Entwicklung von Umsatz und Ertrag hinweisen. Der Konkurrenzkampf sei äusserst hart, und nicht wenige Anbieter würden, um Aufträge zu erhalten, nicht mehr kostendeckend arbeiten. «Letztlich wird das aber nicht aufgehen.»

Martin Wyss spricht gar von «Dumpingangeboten». Wenn es sich nicht rechne, verzichte man auch auf Aufträge. «Unsere 27 Angestellten wollen nicht nur beschäftigt, sondern Ende Monat auch bezahlt werden», so Wyss. Ins gleiche Horn bläst der Langenthaler Christian Giesser: «Es hat nach wie vor sehr viele Billiganbieter auf dem Markt, die ihre Kosten nicht im Griff haben. Und im Neubausektor, welcher unter grosser Konkurrenz gerechnet wird, sind die Preise immer noch im tiefen Keller.» Vor der traditionell schwächeren Auslastung der Betriebe im Winter verschärfe sich jeweils der Preiskampf. «Alle Betriebe wollen zumindest einige Aufträge ins Trockene holen», ergänzt Gurtner.

Nur 1 Prozent mehr Lohn

Deshalb wehrt sich die Baubranche gegen eine zu hohe Lohnerhöhung auf 2011. Der Schweizerische Baumeisterverband gab diese Woche bekannt, dass, basierend auf einer breiten Erhebung, rund drei Viertel der Mitgliedsfirmen trotz guter Baukonjunktur «schlechte bis miserable Erträge» auswiesen.

Somit liege nur eine Lohnanpassung um ein Prozent drin. Die Gewerkschaft Unia dagegen fordert aufgrund «der sehr guten Geschäftslage» eine Erhöhung der Löhne generell um 150 Franken. Inzwischen sei es aber zu «Bewegungen zwischen den Fronten» gekommen, meldete am Donnerstag die Unia.

Obwohl sich die Baukonjunktur im kommenden Jahr wohl abschwächen wird, blicken die Handwerker grundsätzlich positiv in die Zukunft. Nebst den attraktiv bleibenden Zinsen und der guten Wirtschaftsentwicklung ortet Gipsermeister Martin Wyss «ein grosses Potenzial für wärmetechnische Lösungen»; weil sie für den potenziellen Bauherrn auch finanziell interessant seien.

Wyss verweist dazu auf die verschiedensten Förderbeiträge der öffentlichen Hand für energetische Sanierungsmassnahmen. Zudem könnten die Kosten dafür von den Steuern vollumfänglich abgezogen werden, und Banken gewährten für entsprechende Sanierungen vielfach Sonderrabatte bei den Hypothekarzinsen. Zudem stützt sich Wyss auf einen Softfaktor: «Aus dem Umfeld der Architekten kommen mehrheitlich weiterhin gute Meldungen.»