Handschlag auf 50 Jahre Zusammenarbeit

Kestenholz Pius Studer und Hubert Zeltner wollten nie Automechaniker werden – eigentlich. Sie arbeiteten dann aber doch 50 Jahre lang sehr eng zusammen in der Autobranche.

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Hubert Zeltner (links) und Pius Studer: Zuerst verschiedene Pläne, dann ein halbes Jahrhundert gemeinsam in der Autobranche. my

Hubert Zeltner (links) und Pius Studer: Zuerst verschiedene Pläne, dann ein halbes Jahrhundert gemeinsam in der Autobranche. my

Solothurner Zeitung

Pius Studer aus Kestenholz und der Neuendörfer Hubert Zeltner lernten einander 1961 in der Lehre bei der Garage Ackermann in Oensingen kennen. Studer hätte eigentlich Buchdrucker und Zeltner Bauzeichner werden wollen. Beide lernten aber Automechaniker und blieben dem Metier treu. «Für mich ist das Auto nicht unbedingt ein Statussymbol, mich interessiert in erster Linie die Technik und Innovationen», so Zeltner. Pius Studer kann dem Autokult schon mehr abgewinnen, kann er doch als Verkäufer auf die Wünsche der Kundschaft eingehen.

Die erste Opel-Vertretung

Ein paar Jahre arbeiteten beide in der Garage in Oensingen und später in Langenthal zusammen. Im Beruflichen bildete sich Zeltner in technischen Belangen weiter, Studer zog es mehr in das Unternehmertum. Im Jahr 1969 fasste Studer den Entschluss, sich selbstständig zu machen. Er fand mitten in Kestenholz eine geeignete Scheune, baute sie aus und eröffnete 1970 die erste Auto-Garage in Kestenholz mit Opel-Vertretung. Für sein Geschäft, die erste GM-, Vauxhall- und Opel-Filiale im Gäu, brauchte Studer noch einen guten Werkstattchef.

Den Mitstift angefragt

Was lag näher, als seinen ehemaligen Mitstift Hubert Zeltner zu engagieren? So begannen die langen Jahre der Zusammenarbeit: Zeltner als Werkstattchef und Studer als Firmeninhaber. «Wir haben uns als Kollegen immer gegenseitig geschätzt», so Studer. Nie hätten sie sich angeschrien hätten. Probleme seien immer direkt angesprochen und sofort gelöst worden.

Der älteste Kunde, der einen Neuwagen kaufte, war 90- jährig und sagte, er habe das Fahren noch richtig sicher im Griff. Zeltner kann sich an diesen Kunden genau erinnern, denn der Mann gab damals an, dass ein Blechschaden an seinem Fahrzeug nicht von ihm, sondern von einem «alten Mann» verursacht worden sei. Später stellte sich heraus, dass jener alte Mann «erst» 72 Jahre alt war.

Ein grösseres Unternehmen

Ein grosser Wendepunkt trat im Jahr 1997 ein, Pius Studer bekam die Gelegenheit sein Unternehmen zu vergrössern und die Opel-Hauptvertretung in Langenthal zu übernehmen. Da er nicht beide Betriebe führen konnte, übergab er die Funktion in Kestenholz an Hubert Zeltner. Schon bald kam mit Patrick Flury, ein Mitarbeiter des Betriebes, ein zweiter Führungsmann dazu. Die beiden gründeten die Flury und Zeltner AG. Schon damals wussten beide, wie sie sagen, dass es wichtig ist, sich rechtzeitig um die Nachfolge zu kümmern. Bei Pius Studer kristallisierte sich dies in der Familie heraus. Sein Sohn Reto, der das Handwerk ebenfalls erlernt hat, stieg in Langenthal mit ein. Anders bei Hubert Zeltner: «Meine Kinder studieren alle, ich musste mir meinen Nachfolger anderswo suchen.» 2006 gelang ihm dies schliesslich.

Nicht warten bis 70

Studer und Zeltner hatten sich immer wieder gesagt, dass sie mit 65 in Pension gehen, «und nicht noch mit 70 Jahren im Betrieb verankert sein wollen wie viele Kollegen, die wir in all den Jahren kennen gelernt haben», sinnieren die beiden. Seit ein paar Wochen sind sie nun pensioniert. Langeweile dürfe bei keinem der beiden aufkommen. Hubert Zeltner hält Pferde und Ponys in Neuendorf, während Pius Studer auf den verschiedenen Golfgreens oder auch Tenniscourts der Welt anzutreffen ist. Eines aber ist bei beiden sicher; sie werden der ihrer Automarke zu 100 Prozent treu bleiben. (mgt/otr)