Sex and Politique – eine nette Geschichte, die den grauen Februar-Alltag etwas farbiger macht. Der Auslöser trägt einen bekannten Namen…: Boris Banga. Nein, der Grenchner SP-Mann steht für einmal nicht im Zentrum des Geschehens. Er hat uns vielmehr in der gestrigen Ausgabe dieser Zeitung mit seiner Gastkolumne den Steilpass geliefert.

In seinem Text hat er die SVP und namentlich auch Kantonsrat Roman Jäggi ins Visier genommen. Banga schrieb, dass Jäggi nebst Internetzeitungen auch noch anderes mehr vertreibe. Solche verklausulierten Andeutungen lassen aufhorchen. Was unter «anderes mehr» zu verstehen ist, war spätestens nach einem Telefongespräch mit Grenchen sonnenklar: Sex- und Pornofilme sowie Musik und Zubehör der umstrittenen, rechtsgedrehten Band «Böhse Onkelz».

Tatsächlich, über die Seite www.romanjaeggi.ch stossen auch wir – auf einen sonderbaren Nebenerwerb des Herrn Kantonsrats? Das Angebot umfasst 400 neckische Seiten mit den tollsten Spielzeugen, Büchern und Filmtiteln. Von «Fesseln der Lust» über «Öfter, länger, besser» bis «Wieder Sex mit der Ex» ist alles zu haben, was das Vorfrühlingsherz begehrt (ob es sich bei allen Darstellerinnen, Darstellern und Akteuren um solche mit Schweizer Pass handelt, ist auf den ersten Blick nicht erkennbar). Offenbar kein Schuss ins Leere eines politischen Gegners, Boris Banga lag mit seinem Hinweis richtig.

Keine Frage, wir alle wollen und müssen in unserem rauen Wirtschaftssystem mit viel Gegenwind überleben. Da machen auch Mitglieder der wählerstärksten Partei keine Ausnahme. Wer sich allerdings bei jeder Gelegenheit als Saubermann ins Rampenlicht rückt und mit höchsten Ansprüchen an Moral und Ethik durchs Land zieht, muss sich letztlich an diesen Massstäben auch messen lassen. Ob ein Vertrieb von Pornofilmen auf der Webseite eines bekannten Parlamentariers ein sexy Wahlargument ist, wollen wir von ihm selber wissen.

Sexfilme vertreiben? «Das ist nicht mein Ding»

Anders als Boris Banga hegt Roman Jäggi jedoch keine nationalrätlichen Gelüste. Mit seinem Sexlink konfrontiert, gibt sich der SVP-Mann hörbar irritiert. Er vertreibe doch keine Sexfilme, das sei nicht sein Ding. Wie wir auf diese Idee kämen. Wir erklären die Schritte auf seiner Homepage und landen erneut auf den Sexseiten.

Das sei eine andere Firma, erklärt Jäggi und verweist darauf, dass Boris Banga offenbar zu viel Zeit im Internet mit anrüchigen Stichworten verbringe. Sonst würde er nicht auf solchen Seiten landen: «Dem im Internet bekanntermassen sehr aktiven und offenbar auch nach Sexangeboten suchenden Stadtpräsidenten von Grenchen empfehlen wir, auf andere Shop-Angebote umzusteigen», meint Jäggi süffisant und betont, dass er mit den Grenchnerinnen und Grenchnern Mitleid habe.

Den Vorwurf des Porno-Händlers will Jäggi nicht auf sich sitzen lassen. Wenige Minuten nach unserem Anruf funktioniert der Link über die Jäggi-Homepage zu den Sexangeboten nicht mehr. Jäggi erklärt, dass er zwar an diesem Shop beteiligt sei, er aber nun das Ganze von seinen anderen Aktivitäten trenne wolle.

Im Internet sei dies allerdings nicht so leicht, sämtliche Verlinkungen zu kappen. Wie auch immer: Unsere gestrigen Nachforschungen hatten zur Folge, dass man auf der Jäggi-Homepage nun statt auf die Sexangebote auf den Vermerk stösst: «Im Trendshop von Jäggi Media GmbH befindet sich kein pornografisches Material. Haben Sie bitte Verständnis dafür, dass wir keine Garantie für Inhalte von externen Seiten oder Angeboten übernehmen können, welche Sie durch das Anklicken allfälliger Links im Internet erreichen.»