«Wir möchten Ihnen mitteilen, dass auf dem Land in Grenchen, wo eine Moschee gebaut werden soll, ein totes Schwein und vier Schweineköpfe vergaben wurden», heisst es in einem anonymen Brief, der Tele M1 und Radio 32 am Freitag per Post erhielten. «Zusätzlich wurden 120L Schweinblut auf dem Land mit Giesskannen verteilt.» Abgeschickt wurde der Brief mit dem Bild eines toten Schweins in Pieterlen (BE).

Tote Tiere auf dem Gelände

Dies sind keine leeren Worte: Am Freitagmorgen wurden Angehörige der Stadtpolizei Grenchen und der Kantonspolizei Solothurn auf dem Grundstück an der Maienstrasse schnell fündig, denn zwei Schweineköpfe lagen sichtbar in einem Gebüsch – vermutlich waren diese von Füchsen ausgegraben worden.

Islamfeindliche Kreise haben totes Schwein auf Gelände einer zukünftigen Moschee begraben

Islamfeindliche Kreise haben totes Schwein auf Gelände einer zukünftigen Moschee begraben

Das Gelände wurde daraufhin weiträumig abgesperrt und die Spurensicherung der Kantonspolizei aufgeboten. Später gruben die Beamten die Überreste der toten Tiere aus und verpackten sie. Minuziös wurde das gesamte Gelände auf Spuren untersucht. Die beiden Schreiben an die Medien wurden zum Erstaunen der Journalisten noch vor Ort beschlagnahmt und werden auf Fingerabdrücke untersucht.

Gelehrte wollen Fall beurteilen

Die unbekannten Täter wollen mit dieser Aktion den Bau der geplanten Moschee in Grenchen verhindern. «Es wird sich zeigen, mit welcher Standhaftigkeit die [...] Anhänger der AIG (albanisch-islamische Glaubensgemeindschaft; die Red.) in ihrem Glauben verwurzelt sind», heisst es im anonymen Schreiben weiter. «Denn wer auf einem entweihten Boden eine Moschee baut, kann es mit seinem eigenen Glauben nicht wirklich ernst meinen.»

Basri Veseli, Sprecher der albanisch-islamische Glaubensgemeinschaft, konnte auf Anfrage der az noch nicht sagen, ob der Vorfall für den Bau des Glaubenszentrums tatsächlich Schwierigkeiten bedeuten könnte. «Das müssen zuerst unsere Gelehrten beurteilen, die sich mit den islamischen Gesetzen besser auskennen», sagte Verseli.

Für Veseli ist die Tat zwar alles andere als schön, doch das Schwein sei ja im Islam nicht an und für sich «verboten», sondern nur dessen Verzehr. Und wenn für den Bau der Boden abgetragen werde, sei vielleicht auch das Problem aus der Welt, wenn es denn eines sei.

Mehrere Klagen zu erwarten

Als Vertreter der jetzigen Eigentümer werde man aber sicher eine Privatklage gegen Unbekannt in Betracht ziehen, sagte Veseli weiter.

Nebst dieser Privatklage wird auch die Kantonspolizei wahrscheinlich Anzeige gegen Unbekannt erheben. Laut Kantonspolizei haben die Übeltäter gegen mehrere Gesetze im Bereich der Tierkadaver-Entsorgung, Abfall und ähnliche Verordnungen verstossen. Eine Untersuchung läuft.

SVP-Gemeindrat fühlt sich betrogen

Um den Bau der Grenchner Moschee tobt seit längerem ein Streit zwischen SVP-Gemeinderat Ivo von Büren und der albanisch-islamischen Glaubensgemeinschaft (AIG). Von Büren hatte im Jahr 2009 das Bauland an zwei Garagisten verkauft, die laut von Büren vorgaben, eine Einstellhalle bauen zu wollen.

Im Nachhinein jedoch habe sich herausgestellt, dass die Garagisten als Strohmänner für die AIG fungierten. «Ich hätte das Land nie verkauft, wenn ich gewusst hätte, dass dort eine Moschee gebaut werden soll», sagte von Büren damals der az.

Der Vorfall von vergangener Nacht hat den ehemaligen Landbesitzer «ziemlich überrascht», wie er vor Ort dem az Grenchner Tagblatt sagte. Mehr äussert er sich zu seiner Gemütslage nicht.

Vor Gericht gescheitert

Ivo von Büren hat den Kampf gegen die Moschee in der Zwischenzeit aufgegeben. Bis vor Gericht hatte er die AIG gezerrt – und im August eine Niederlage erlitten. Dem Gericht fehlten die Beweise, die von Bürens Vorwurf der vorsätzlicher Täuschung und Willensmängel belegten.

Prozess wegen Moschee Grenchen

Prozess wegen Moschee Grenchen (19.08.2011)

Der SVP-Politiker, Garagist und Immobilienbesitzer verzichtete darauf, das Urteil ans Obergericht weiterzuziehen. Dieses ist nun rechtskräftig. Weil das Baugesuch bereits bewilligt ist, steht dem Bau des Glaubenszentrums nun nichts mehr im Weg.