Strompreis senken

Grossbetriebe kämpfen um tiefere Strompreise

Stahlwerk Gerlafingen verarbeitet jährlich 800'000 Tonnen Schrott - die benötigte Energiemenge ist gigantisch.

Stahlwerk Gerlafingen verarbeitet jährlich 800'000 Tonnen Schrott - die benötigte Energiemenge ist gigantisch.

Energieintensive Betriebe wie Stahl Gerlafingen ächzen unter hohen Strompreisen. Sie hoffen nun auf den Ständerat, der am Mittwoch über «strompreissenkende» Vorstösse von Solothurner Parlamentariern debattieren wird. Die Zeit drängt.

Rund 3 Terawattstunden oder 3 Milliarden Kilowattstunden Strom pro Jahr verbrauchen die Firmen mit der stromintensivsten Produktion. Zur Einordnung: Dies entspricht dem Strom-Verbrauch von 667000 Durchschnittshaushalten oder fünf Prozent des schweizerischen Gesamtverbrauchs. Dabei handelt es sich um rund 50 Betriebe wie Glashersteller, Zement- oder Papierfabriken und Stahlwerke. Dazu gehört auch die Stahl Gerlafingen.

Kein Wunder, reagieren diese Grossverbraucher sehr sensibel auf die Entwicklung der Strompreise. Nachdem die auf 2009 eingeführte Strommarktliberalisierung zu höheren Stromtarifen geführt hat, laufen die meist im internationalen Wettbewerb tätigen Unternehmen Gefahr, den zuvor geltenden Standortvorteil günstigerer Strompreise zu verlieren. «Wir wollen bei den Energiepreisen gleich lange Spiesse haben im internationalen Standortwettbewerb», sagt Max Fritz, Geschäftsführer der Interessengemeinschaft energieintensive Branchen (Igeb).

Politiker sind aktiv geworden

Nach Existenzwarnungen von Stahl Gerlafingen und der Schliessung der Papierfabrik Sappi in Biberist sind die Politiker aktiv geworden. Gleich vier Solothurner Bundesparlamentarier haben Vorstösse eingereicht.

«Wir erwarten in der Ständeratsdebatte am Mittwoch eine breite Unterstützung für unsere Anliegen. Diese sind mehrheitsfähig», erklärt Lukas Stuber, Leiter des zur italienischen Beltrame-Gruppe gehörenden Stahlwerkes. Insbesondere setzen die Gerlafinger grosse Hoffnung in die parlamentarische Initiative der Kommission Umwelt, Raumplanung und Energie des Ständerates, worin eine vollständige Befreiung von der Abgabe für die kostendeckende Einspeisevergütung (KEV) verlangt wird. Es sei realistisch, im Lauf des Jahres 2013 eine solche Entlastung zu erreichen.

Industriestrompool braucht Zeit, um realisiert zu werden

Auch für Max Fritz bahnt sich mit der KEV-Befreiung eine «zeitgerechte Lösung» an. Dagegen dürfte bis zur Realisierung eines Industriestrompools noch einige Zeit verstreichen. Dabei sei der Problemdruck hoch. «Wir können nicht abwarten, bis Bundesrat und Parlament ihre Energiestrategie 2050 verabschiedet haben. Das dauert fünf Jahre. Bis dann sind manche weitere energieintensive Betriebe verschwunden».

Inzwischen hat das Bundesgericht mit seinem Urteil, das dem Stahlwerk den Strombezug über die günstigere Grundversorgung garantiert, eine leichte Entspannung gebracht. «Wir haben uns mit dem Versorger AEK über die Strombezüge für 2012 geeinigt», sagt Stuber. Dabei sei der erwähnte Anspruch in der Tarifgestaltung berücksichtigt worden.

Klares Statement für die Stahl Gerlafingen

Wie stark Gerlafingen gefährdet wäre, wenn es auf der politischen Bühne zu keiner raschen Lösung kommen sollte, wollte man nicht konkret kommentieren. «Das wäre spekulativ», meint Stuber. Neben den Energiekosten spielten auch der Eurokurs, die Wirtschaftslage sowie die Kapazitäten in der Stahlproduktion in den umliegenden Ländern eine wichtige Rolle. «Mit den getätigten Grossinvestitionen haben aber alle Beteiligten ein klares Statement zu Gerlafingen abgegeben.» So hat Beltrame bislang 180 Millionen Franken in die Modernisierung des Werkes investiert.

Gibt es aus heutiger Sicht Stahl Gerlafingen in fünf Jahren noch? Stuber: «Davon sind wir überzeugt. Wir haben viel Geld und Know-how in die Weiterentwicklung der Firma gesteckt mit dem Ziel, dass wir die Zukunft erfolgreich gestalten können.»

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