Die eigene Heimat zu verlassen und sich eine neue Heimat an einem völlig fremden Ort mit anderen Sitten aufzubauen, ist oft keine leichte Entscheidung. Sowohl in der Vergangenheit als auch in der Gegenwart haben Menschen diesen einschneidenden Schritt gewagt und sind unter anderem nach Grenchen gezogen, meistens weil sie sich in der Uhrenstadt Arbeit zu finden erhofften.

Dabei leisten viele Akteure einen beachtlichen Beitrag, um diesen Menschen eine Stütze zu bieten, aber auch um die Integration und den multikulturellen Austausch zu fördern. So sind beispielsweise viele Vereine, vor allem auch die Sportvereine zu nennen, in denen Menschen mit Migrationshintergrund mitwirken und somit mit der Schweizer Kultur in Kontakt kommen. 

Manche Vereine bieten dabei auch die Möglichkeit, einen Teil der eigenen Kultur weiterzuleben und sich mit Menschen aus dem Herkunftsland zu treffen. Eine wichtige Rolle übernimmt der Verein Granges Mélanges, der die beschleunigte Integration von fremdsprachigen Menschen aus anderen Kulturen zum Ziel hat. Durch die verschiedenen Anlässe kann sich dabei jeder Besucher mit unterschiedlichen Kulturen, Gemeinsamkeiten und Unterschieden auseinandersetzen.

Auch werden in Grenchen Deutschkursen angeboten, einige werden zum Teil von Kanton subventioniert.

Von Stadt, Kirchen und Schulen

Auch für die Integration von Kindern und Jugendlichen wird viel getan. Ein Angebot wie das Midnight Sports, der Vorkindergarten – über seine Fortführung wird in der nächsten Gemeinderatssitzung vom 3. April entschieden –, das Lindenhaus und nicht zuletzt die Schulen leisten dabei einen sehr zentralen Beitrag. Seit September 2016 führt zudem jede Gemeinde im Kanton und so auch Grenchen im Rahmen des kantonalen Integrationsprojekts ein Erstgespräch mit den neuen Zuzügern durch. Dort werden diese über alle Angebote und Anforderungen in Kenntnis gesetzt, die nötig sind, um in der Schweiz dauerhaft leben zu können.

Auch die verschiedenen religiösen Gemeinschaften engagieren sich integrativ. «Wir führen beispielsweise diverse Anlässe durch», erklärt Sandra Marti von der evangelisch-reformierten Kirche Grenchen-Bettlach. «So besuchen beispielsweise Menschen verschiedenster Nationen den Suppentag, auch unsere Ferienlager für Kinder und Jugendliche stehen für alle Konfessionen und Nationen offen.»

Sowohl in der römisch-katholischen als auch in der evangelisch-reformierten Kirche werden nicht nur deutsche, sondern auch fremdsprachige Gottesdienste angeboten. Menschen aus Afrika und dem Kosovo sind ausserdem immer wieder Besucher des deutschsprachigen Gottesdiensts der römisch-katholischen Kirche. Im Mai wird überdies ein grosses Fest der Eritreer stattfinden, welches mit einem Gottesdienst in der römisch-katholischen Kirche beginnt.

Der von den Kirchen gegründete Verein «DaN» leistet ebenso Unterstützung, indem er Menschen bei alltäglichen, persönlichen und beruflichen Fragen hilft. Und da sind auch die nicht-christlichen Gemeinschaften. «Im hinduistischen Tempel sowie in der Moschee kann die eigene Religion spirituell gelebt werden. Diese religiösen Gruppierungen führen auch Beratungsgespräche durch und setzen auf offenen Dialog mit den anderen religiösen Gemeinschaften», beschreibt Präsidentin von Granges Mélanges, Elisabeth Egli.

Integrative Hilfe ist nicht erst ein Phänomen aus jüngster Zeit. Bereits um 1900 gab es in Grenchen Hilfsorganisationen, vor allem vonseiten der katholischen Kirche, die damals die vielen italienischen Arbeiter betreuten. Der Ausländeranteil in Grenchen liegt gegenwärtig bei rund 34 Prozent (Stand: 2016), dabei prägen die Migrantinnen und Migranten die Uhrenstadt heute genauso wie in der Vergangenheit und gestalteten mit.

Schon im 19. Jahrhundert zog es Menschen aus dem Ausland nach Grenchen. Damals wurden besonders Fachkräfte nach Grenchen geholt, später durch den Tunnelbau und die florierende Uhrenindustrie kamen viele Arbeiter aus Italien in die Uhrenstadt. Der Aufstand in Ungarn von 1956 liess viele Ungarn flüchten, einige kamen auch nach Grenchen.

Missionsschule im Tripoli, dem Barackendorf der italienischen Arbeiter des Grenchenbergtunnels 1913.

  

In der Uhrenstadt herrschte seit der Industrialisierung ein Kommen und Gehen. Solange es Arbeit gab, blieben die Immigrierten, um im anderen Fall weiterzuziehen. Die Stimmung den Migranten gegenüber war anders als in der benachbarten Patrizierstadt Solothurn. «Grenchen war ein Dorf und kannte keine solchen Strukturen wie Solothurn», gibt Angela Kummer, Leiterin des Kultur-Historischen Museums, Auskunft.

«Als Industriestadt brauchte Grenchen ausserdem diese Arbeiter. Aus diesen Gründen waren die Migrantinnen und Migranten immer willkommen, Grenchen war ihnen gegenüber offen eingestellt. Wenn sie sich als anständig erwiesen, konnten sie beispielsweise das Präsidium von Vereinen übernehmen oder einen Laden eröffnen.»