Eigentlich ist der Neubau seit ein paar Monaten fertiggestellt und in Betrieb, die offizielle Einweihung findet aber erst am 1. September anlässlich des Jubiläumsfestes «50 Jahre Kastels» statt. Der neue Trakt zwischen dem Altersheim und dem Block mit den Alterswohnungen bringt einen deutlichen Mehrwert für die Bewohnerinnen und Bewohner, die Mitarbeitenden und die Pflegedienstleistenden, wie sich rasch zeigte. Die rund 6,4 Millionen Franken für das gesamte Projekt scheinen gut investiert zu sein.

Mitte 2017 begann man nach langer Planungszeit mit der Sanierung. Das Haus sollte eine neue Küche erhalten und eine neue Heizung. Ausserdem wollte man den Trakt zwischen den Alterswohnungen und dem Hauptgebäude, wo sich einst die Küche befand, abreissen und ein neues, dreistöckiges Gebäude erstellen. Nicht nur die neue Küche sollte darin Platz finden, sondern auf zwei Etagen auch Zimmer mit sechs Betten und zusätzlichen Räumlichkeiten für Technik und Administration entstehen.

Die bestehende Küche zog für knapp ein Jahr um in ein Provisorium (wir berichteten). Rund 140 bis 150 Menus verliessen jeden Mittag die Küche. 80 Menus für die Bewohner, etwa 20 für die Bewohner der Alterswohnungen, rund 20 für Mitarbeitende und noch einige für Leute von auswärts, die hierher zum Mittagessen kommen.

Neu wird nur noch mit Gas geheizt

Grosser Brocken beim Umbau war die Erneuerung der Heizung. Die gemischte Öl-Gas-Heizung wurde durch eine moderne Gasheizung ersetzt – für eine andere Lösung, wie zum Beispiel Holzfeuerung, fehlte der Platz. Der Öltank, der unter der alten Küche lag, wurde beim Abbruch des Gebäudes herausgerissen. Bis die neue Heizung eingebaut war, sorgte ein Provisorium für Warmwasser und Wärme.

Dann erstellte man den Neubau: Ein Untergeschoss mit Technikräumen, Heizung, Warmwasseraufbereitung, Fettabscheider, einem grossen Raum mit Bewohnerschränken – dort, wo früher sich der Öltank befand - neuen Stauräumen. Im Erdgeschoss entstand die neue Küche, flächenmässig etwas grösser als die alte. Sie wurde bis auf wenige Geräte und Küchenutensilien komplett neu angeschafft und auch neu angeordnet. Rund 2 Millionen Franken hat die neue Küche alles in allem gekostet, inklusive Anbau. Die Kosten für die Infrastruktur belaufen sich auf ungefähr 500 000 Franken, schätzt Sonja Leuenberger, Geschäftsleiterin der Alterszentren Kastels und Weinberg.

In den beiden Stockwerken über der Küche entstanden je drei neue Einzelzimmer, 23,6 Quadratmeter gross mit Badezimmer, ohne Balkon. «Wir hätten eigentlich gerne die neuen Zimmer mit einem Balkon ausgestattet, aber das wurde uns von der Baudirektion nicht bewilligt, weil man im Kastels bisher keine Balkone hat», erklärt Sonja Leuenberger. Nur nach innen versetzte Balkone wären erlaubt gewesen, aber damit hätte man zu viel Raum verloren.

Speziell an den Zimmern: Die Badezimmer verfügen über einen absolut schwellen- und sogar fugenlosen Boden. Statt Bodenplatten, die auch eine gewisse Stolpergefahr mitbringen, wurde der Boden gegossen. Durch das Beimischen von Sand ist er absolut rutschfest, auch wenn er nass ist.

Nebst den drei Zimmern gibt es nun auf jedem Stock auch noch ein neues Besprechungszimmer und einen Zusatzraum für Lager und Technik. Die gesamte Lüftungsanlage wurde aufs Dach des neuen Zwischentraktes verlegt. So gewann man viel Platz im UG.

Neue Verglasung und Balkone vergrössert

Eine wichtige Neuerung wurde beim Block mit den Seniorenwohnungen realisiert: Die offenen Balkone, über welche die Wohnungen früher erreichbar waren, wurden verbreitert und verglast. Die Wohnungen sind nun nicht nur über das bereits vorhandene Treppenhaus, sondern auch über einen neuen Bettenlift, der in der Mitte des Blocks angebaut wurde, zugänglich. Auch vom Hauptgebäude des Alterszentrums her besteht im 2. Stock über den neuen Gang ein direkter Zugang zu den Wohnungen, sodass das Pflegepersonal und vor allem die Spitex, die auf der Station Blau stationiert ist, die Bewohner der Alterswohnungen viel weniger umständlich betreuen kann als vorher.

Einziger Nachteil des neuverglasten Gangs: Die Fenster, die bisher auf den Balkon hinausgingen, müssen nun immer verschlossen bleiben, aus brandschutztechnischen Gründen. Dafür haben die Bewohner quasi einen neuen Wintergarten erhalten.

Möglichst lange zu Hause bleiben

«Die Leute entschliessen sich immer später dazu, sich für einen Platz in einer Alterssiedlung zu interessieren. Das heisst, sie brauchen unter Umständen auch schon bald einmal mehr Betreuung, als das früher der Fall war», erklärt Sonja Leuenberger. Durch die direkte Anbindung sei das einfacher zu bewerkstelligen. Ausserdem bestehe sogar die Möglichkeit, in der Alterssiedlung Pflegedienstleistungen zu erbringen, falls nötig – beispielsweise, wenn jemand von einem Spitalaufenthalt zurückkommt oder der Hausarzt kurzfristig etwas Neues verordnet, erklärt Cécile Boillat, Leiterin Pflege und stellvertretende Geschäftsführerin. Ausserdem sinke die Hemmschwelle für den Übertritt von der Alterssiedlung in eine stationäre Abteilung im Kastels. «Die Bewohner der Alterssiedlung können miterleben, wie sich das Leben auf den Stationen abspielt und haben so viel weniger Ängste, wenn der Schritt dann einmal nötig wird.» Insgesamt bringt der Neubau Platzgewinn. «Wäschewagen, Pflegematerial und auch unser Deko-Material, mit dem wir die Stationen beispielsweise für Ostern oder Weihnachten schmücken, das alles ist jetzt näher bei den Stationen und nicht mehr im ganzen Haus bis ins Untergeschoss verzettelt», sagt Andrea Valli. Ausserdem wurden neue Arbeitsplätze für die Pflegedienstleitung und für Lernende möglich.

Aus Doppelzimmern wurden Einzelzimmer

Die sechs zusätzlichen Pflegezimmer, je drei pro Stockwerk, erhöhen den Gesamtbestand an Betten nicht, erklärt Sonja Leuenberger. Man hat aus bestehenden Doppelzimmern im Kastels Einzelzimmer gemacht. Die Bettenzahl blieb gleich, nur gibt es jetzt weniger Zweierzimmer.

Das Gebäude der Alterssiedlung erhielt zusätzlich zum bestehenden Lift einen Bettenlift. Dieser entlaste indirekt auch das Kastels bei Transporten, genauso, wie die neuen, automatischen Türen, die den Durchgang mit Wagen vereinfachen. «Ausserdem profitieren Sehbehinderte, weil der Lift ‹spricht›» , ergänzt Cécile Boillat. Sie müssten nicht mehr in ihren Wohnungen abgeholt werden, sondern können den Lift in den 2. Stock nehmen und im breiten Gang direkt zur Station Blau gelangen.

Gehtraining in den neuen Gängen

Dazu komme, dass die nun beheizten, breiten Gänge vor den Wohnungen der Alterssiedlung sich ausgezeichnet für Gehtraining eigne. «Wir sehen vermehrt Bewohnerinnen und Bewohner der Alterssiedlung auf den vor der Witterung geschützten und beheizten Gängen, die auf und ab spazieren, wenn sie keine Lust haben, nach draussen zu gehen. So können sie ihre Mobilität beibehalten und verbessern», so Cécile Boillat.

Die Alterssiedlung wurde schliesslich ans zentrale Schliesssystem angeschlossen. «Früher gab es keine Möglichkeit, das Treppenhaus abzuschliessen, und jeder konnte bis vor die Wohnungstüren gelangen. Jetzt braucht man dazu einen Badge und kommt nicht einfach so rein.»