Architektur
Auf Hans Bernoullis Spuren in Grenchen

Mit dem Vortrag der Architektin Christine Heidrich, einer profunden Kennerin von Hans Bernoulli, über dessen Vision der Gartenstadt gingen die Grenchner Wohntage im Kultur-Historischen Museum zu Ende.

André Weyermann
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Architektin Christine Heidrich referiert über den Visionär Hans Bernoulli.

Architektin Christine Heidrich referiert über den Visionär Hans Bernoulli.

André Weyermann

Hans Bernoulli war einer der bedeutendsten Architekten seiner Zeit, international tätig, hat seine Spuren aber auch in Grenchen hinterlassen. In Basel geboren, lebte er von 1876-1959, erlebte also beide Weltkriege. Er war auch einer, der nach 1945 massgeblich am Wiederaufbau von Städten mitwirkte.

Sein Hauptaugenmerk galt der sogenannten Gartenstadt, begrünten (Genossenschafts-) Siedlungen mit eher kleinen Wohnungen, dafür umso grösserem Gartenanteil. Christine Heidrich bezeichnete seine Wohnsiedlungen als harmonisch, gekennzeichnet teilweise durch eine Verbindung von städtischen und ländlichen Elementen.

Wichtig für Hans Bernoulli war es, dass die Wohnungen erschwinglich blieben auch für Arbeiter und Angestellte. Sein Credo lautete: «Der Boden der Allgemeinheit, das Haus als Privateigentum». Er kämpfte zeitlebens dafür, den Boden der Spekulation zu entziehen. Hans Bernoulli war «Freiwirtschaftler». Ein befristetes Baurecht schafft nach deren Auffassung die Grundlagen für ein zeitgemässes Bauwesen; privater Landbesitz hemmt oder verunmöglicht die Durchführung planmässiger Überbauungen.

Ein Architekt im Nationalrat, der aneckt

Hans Bernoulli betätigte sich folgerichtig auch als Politiker. 1947 bis 1951 sass er für den Landesring der Unabhängigen (LdU) im Nationalrat. Er konnte auch ein unbequemer Zeitgenosse sein: 1938 kam es an der ETH Zürich zum Skandal, als Bernoulli seine politischen, satirischen Gedichte veröffentlichte. Er hatte sich sehr kritisch über die staatliche Finanzpolitik geäussert. Er wurde fristlos entlassen und sein Professorentitel wurde ihm aberkannt. Als bedeutender Architekt blieb er stets unbestritten.

In Grenchen gewann er, so die Referentin, den städtebaulichen Wettbewerb für den Gesamtbebauungsplan von 1917. Teile des heutigen Marktplatzes und Lindenparks gehen darauf zurück. Ein Jahr später gewann er den Gestaltungswettbewerb der Uhrenfabrik Adolf Schild SA für die Arbeiter- und Angestelltenwohnkolonie Hinzelhof an der Rebgasse 61-67. Realisiert wurden die beiden Zeilenbauten im Süden.

Christine Heidrich unterstrich die Bedeutung von Hans Bernoulli mit der Schlussbemerkung: «Angesichts der fortschreitenden Umwandlung von günstigem Wohnraum in teure Quartiere sind Bernoullis Gartenstadtsiedlungen heute sehr beliebte Wohnorte: Ihre Wohnlage ist attraktiv, im Grünen und dennoch stadtnah, mit grossen Gärten und moderaten Preisen.»

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