Die neue Grenchner Geschichte, an deren Publikation zurzeit gearbeitet wird, beginnt mit der Epoche um 1850, mit der Schilderung jener aufregenden Zeit des abrupten Wechsels vom Bauerndorf zur künftigen Industriestadt. Diese Geschichtsschreibung endet sicher nicht vor 2008, dem Jahr als Grenchen den Wakker-Preis erhielt.

Zwei der vier Buchautoren, Projektleiter Daniel Kauz und Martin Illi, und die beiden für das Stadtwiki Tätigen, Alfred Fasnacht und Stefan Haudenschild, diskutierten am Dienstagabend im Kulturhistorischen Museum sehr angeregt unter der Leitung von André Weyermann über den Stand der Dinge in Bezug auf die Geschichtsschreibung. Dabei kam, wie man sich denken kann, viel Interessantes und bisher kaum einmal Gehörtes auf den Tisch.

Vom Heimatbuch zum Jahrbuch

Jede Geschichte hat mindestens eine Vorgeschichte – auch die neue Grenchner Stadtgeschichte. In der ersten Hälfte der 60er Jahre diskutierte der Gemeinderat über eine Fortsetzung des «Heimatbuches Grenchen» von Werner Strub. Man hatte allerdings höchst geringe Erfahrungen und schliesslich scheute man den finanziellen Aufwand. Als Alternative stand dann die Publikation einer Broschüre in der Reihe der Schweizer Heimatbücher. Aber auch hier fand man den richtigen Weg nicht, zumal die finanziellen Verpflichtungen als zu gross eingestuft wurden. Schliesslich blieb als Ergebnis der Diskussionen die Schaffung des «Grenchner Jahrbuches». Dieses verhinderte seit 1972 recht gut, dass Wichtiges in Vergessenheit geriet.

Im Vorfeld des öffentlichen Anlasses am Dienstag trafen sich die Autorin Marisa Thöni und die Autoren Fabian Saner, Martin Illi und Daniel Kauz mit den Mitgliedern des Beirates und orientierten diesen über den aktuellen Stand der Arbeiten. Dabei erhielt auch bereits Bekanntes neue Bedeutung, anderes wieder wird nun bewusster wahrgenommen. Vor allem der rasche Übergang der landwirtschaftlich Tätigen zur Industrie stellt auch in der Darstellung der geschichtlichen Zusammenhänge eine gewisse Herausforderung dar.

Viel Lob für Werner Strub

Eine wichtige Rolle spielen bei der Erarbeitung einer neuen Stadtgeschichte die Quellen, die zur Verfügung stehen. Martin Illi erklärte, dass das Heimatbuch von Werner Strub eine ausgezeichnete Quelle sei. Werner Strub habe eine bewundernswerte Leistung vollbracht, und man könne auch heute ohne den «Strub» nicht auskommen. – Als weitere wichtige Quelle wurde das «Grenchner Jahrbuch» genannt, das ab1 972 nicht allein Geschichtliches, sondern auch Alltägliches schildert. Eine besonders ergiebige und wichtige Quelle sei das Stadtarchiv. Die Stadtarchivarin Salome Moser begleitet das Projekt neue Stadtgeschichte.

Es begann mit der Burg

Das Historiker-Team und die es begleitende Gruppe möchten jedoch weitere Quellen erschliessen. Alfred Fasnacht erzählte, wie ab 1993 das Internet seine Rolle zu spielen begann. Er habe seine aktive Arbeit im Netz mit Beiträgen über die Burg, die ihn bereits in den Jugendjahren fasziniert habe, aufgenommen. Später sei der erste Grenchner Gemeindeführer von Zoller aus dem Jahre 1913 hinzugekommen. Schliesslich habe er die Geschichte von Adolf Gschwind digitalisiert.

An dieser Stelle sei erwähnt, dass Fasnachts Arbeiten genaue Auskunft über das Leben im Tripoli, den Tunnelbau und – eine besondere Vorliebe Fasnachts –über die Architektur der 50er Jahre geben. Mit diesen Darstellungen machte er auf die Schönheit dieser Gebäude aufmerksam. Schliesslich sei nicht unerwähnt, dass Alfred Fasnacht Raum dem Grenchner Weinbau widmete. Dazu übernahm er historische Arbeiten verschiedener Autoren und bot sie Interessierten im Internet an.

Diese Arbeit soll nun im Internet mit dem «Stadtwiki Grenchen» erweitert werden. Jedermann ist nun aufgerufen an der gemeinsamen Geschichte mitzuarbeiten. Das «Stadtwiki Grenchen» wird von Stefan Haudenschild betreut. Man kann sich aber auch an das Kulturhistorische Museum oder das Stadtarchiv wenden. Und das wird gesucht: Zeitzeugen, die über Vergangenes der neuesten Zeit Bescheid wissen. – Nun hofft man, dass sich möglichst viele Zeitzeugen melden, um ihre ganz persönliche «Neue Grenchner Geschichte» zu erzählen.

Und das soll entstehen

Das Autorenteam legte fest, dass möglichst vielen Lesern möglichst viele Informationen zur Verfügung gestellt werden. Aus diesem Grunde wird das Buch einen chronologischen Teil beinhalten. Parallel dazu werden in einzelnen Geschichten die Ereignisse vertieft dargestellt. Das Geschichtsbuch soll 2017 erscheinen. Bis jetzt liegt das Team im Zeitplan.

Die Geschichte endet nicht. Wo also soll sie im Buch enden? Martin Illi meinte, es werde nach Themenkreis unterschiedliche Endpunkte geben. Man müsse daran denken, dass beispielsweise zurzeit nicht abzusehen sei, wie die beiden heftig diskutierten Themenkreise Flugplatz-Pistenerweiterung und Windpark auf dem Berg nicht abgeschlossen sein werden.

Man erlebte am Dienstagabend im Kulturhistorischen Museum eine «gute Geschichte». André Weyermann war ein sorgfältig agierender Moderator und die Mitglieder des Autorenteams erwiesen sich als «Kenner der Geschichte».