Gestern gab Sascha Ruefer bekannt, dass er sich nach dem 50. Grenchner Uhrencup dieses Jahr definitiv als Turnierdirektor nach acht Jahren zurückzieht. Mit ihm zusammen tritt auch der Rest des vierköpfigen Organisationskomitees mit Roger Rossier, Thomas Vogt und Urs Siegenthaler zurück. Damit bestätigt er die Gerüchte, die in Grenchen schon länger die Runde machen. Er und seine Leute seien an Grenzen gestossen. Der Aufwand übersteige eine Arbeit im ehrenamtlichen Rahmen bei Weitem, so Ruefer. Stadtpräsident Boris Banga habe er schon länger persönlich von dieser Entscheidung in Kenntnis gesetzt, ebenso den regionalen Vermarkter IMS in Köniz. Der Entscheid sei ihm keineswegs leicht gefallen, er und sein Team hätten lange darum gerungen, aber jetzt sei definitiv Schluss.

Zusammenarbeit definieren

Seit Wochen und Monaten finden Gespräche mit dem Standortmarketing Grenchen und dem Stadtpräsidenten statt, in denen es um eine mögliche Zukunft des traditionsreichen Turniers geht. Laut Barbara Pestalozzi, Leiterin des Standortmarketings, gehe es um die weitere Form der Zusammenarbeit mit der Stadt, jetzt, da endlich klar sei, dass die Jubiläumsausgabe 2011 stattfinde. Aber abschliessende Resultate lägen noch keine vor. Stadtpräsident Boris Banga bestätigte auf Anfrage, dass konstruktive Gespräche stattfänden, in denen es einerseits um die konkrete Durchführung des diesjährigen Uhrencups, andererseits aber auch um die Zukunft des Turniers und ein Commitment der Stadt Grenchen für den Uhrencup gehe.

Verkaufen oder nicht verkaufen

«Das Turnier muss weiter bestehen», meint Ruefer, und da gebe es verschiedene Szenarien. In einem ersten Szenario würde die Geschäftsleitung einen Geschäftsführer anstellen, aber auch hier wäre die Verantwortung schliesslich bei ihm und dem OK geblieben und unter Umständen auch der grösste Teil der Arbeit. Ein zweites Szenario sei der Verkauf des Turniers. Da es sich um ein lizenziertes, internationales Turnier handelt, würde man sicher interessierte Käufer finden. Der FC Grenchen – als naheliegendster Kandidat – komme als Veranstalter nicht infrage. Der Uhrencup übersteige dessen Möglichkeiten, meint Ruefer, der die Verhältnisse sehr gut kennt. «Der FC hat jetzt andere Sorgen.» Aber es gebe grosse Veranstalter, wie die internationale Sportvermarktungsagentur IMG oder die in Köniz ansässige und bereits jetzt als Vermarkterin des Uhrencups tätige Sportagentur IMS, die unter Umständen ihr Interesse anmelden könnten. «Ein potenzieller auswärtiger Käufer muss aber auch die Bedingung erfüllen, dass der Uhrencup in Grenchen bleibt. Eine Verlegung an einen anderen Ort kommt im Moment nicht infrage», sagt Ruefer.

Das dritte – und wahrscheinlichste – Szenario sähe wie folgt aus: Die Uhrencup & Event Gmbh als Besitzerin des Turniers – dahinter stehen Sascha Ruefer, Urs Siegenthaler und Roger Rossier – behält die Rechte und überlässt die Ausführung des Events einer professionellen Organisation. Damit wäre eine Kontinuität gewährleistet, wenigstens als Übergangslösung. Ein Szenario, in dem das OK weitermachen würde, schliesst Ruefer kategorisch aus.

«Mister Uhrencup» gesucht

Der Uhrencup sei in gewissen Bereichen zu einem Selbstläufer geworden und habe ein hohes Niveau erreicht, das nur durch eine professionelle Organisation in Zusammenarbeit mit den vielen ehrenamtlichen Helfern gehalten werden könne, sagt Ruefer. Und der ganzen Organisation müsse ein Kopf voranstehen, wie ein «Mister Uhrencup», der die Verhältnisse in Grenchen und im Seeland kennt und über den nötigen Bekanntheitsgrad verfügt. Denkbar sei zum Beispiel, dass Stadtpräsident Banga diese Funktion übernehme.

Stadt ist gefordert

Als Erstes sei aber die Stadt gefordert. Denn erst, wenn die Sportstättenplanung umgesetzt, der Sportplatz ausgebaut werde und man zusätzliche 2000 Sitzplätze anbieten könne, werde die ganze Sache finanziell interessant und tragbar. Bekanntlich ist die Stadt bereits in Verhandlungen, in denen es um eine neue Mehrzweckhalle geht, die östlich unmittelbar an das Stadion angrenzend zu stehen käme. Die Sanierung des Stadions und ein Aus- oder Neubau einer neuen Osttribüne rücken so in Reichweite, wären allerdings frühestens 2013 fertiggestellt. Dies jedenfalls bestätigt Stadtbaumeister Claude Barbey. Laut Ruefer ist die erfolgreiche Umsetzung des Projekts Sportstättenplanung eine Voraussetzung dafür, dass der Uhrencup in Grenchen erfolgreich und attraktiv bleibt. Das älteste Fussballturnier Europas habe schon immer in Grenchen stattgefunden und sei hier verankert. Aber man müsste eine neue Auslegeordnung machen, wenn die Stadt ihre Vorhaben nicht umsetzen könne. Die wirtschaftliche Seite sei nicht zu unterschätzen und mit Sitzplätzen würden in erster Linie die Einnahmen generiert.

Wert wird oft unterschätzt

Der Uhrencup sei eine Perle, deren Wert in Grenchen oft unterschätzt werde, ein für die Stadt und die Region Grenchen wichtiger und gewinnbringender Anlass, sagt Ruefer.
25 Millionen Leute hätten über den TV-Sender Eurosport die Gelegenheit gehabt, den letztjährigen Final zwischen dem VfB Stuttgart und den Young Boys live mitzuerleben. Letztes Jahr hätten durchschnittlich 800000 Leute die Spiele auf «Eurosport» verfolgt. Das sei beste Werbung für die Stadt Grenchen.

Martin Erpen, Verkaufsleiter von IMS, der den Uhrencup seit letztem Jahr vermarktet, ist sehr zuversichtlich. Der 50. Uhrencup werde ein Erfolg. Die Vorbereitungsarbeiten seien in vollem Gang. Sascha Ruefer sei in wichtigen Verhandlungen mit diversen interessanten Klubs. Man werde den Jubiläums-Uhrencup nicht mit grosser Gala feiern und überborden, aber dennoch Akzente setzen.