Während die Ortspartei der SP über der Frage brütete, wer aus ihrer Sicht in den künftigen Jahren das Ruder der Stadt lenken könnte, befasste sich die FDP im Restaurant Airport mit dem Ruder, dem Segel und den Winden selbst. «Was bringt der Grenchner Wirtschaft die Zukunft?» und «Was kann die Wirtschaftsförderung Grenchen dafür leisten?» waren die Problemstellungen, mit denen sich die Freisinnigen und interessierte Anwesende beschäftigten. Der Infoanlass wurde inhaltlich vom Beauftragten der örtlichen Wirtschaftsförderung, René Goetz, bestritten, der im Panoramafokus die Stärken und Schwächen, die Chancen und Gefahren der «Industriestadt im Grünen» abschritt.

Blick in die Zauberkugel

So sei der Blick in die Zukunft gleichzeitig auch ein «Blick in die Zauberkugel», betonte Goetz, gerade wenn man die möglichen Entwicklungen im makroökonomischen Rahmen anschaue. «Der Wirtschaft geht es nicht grundsätzlich schlecht», befand er, womit er im einerseits den Vergleich des schwächelnden Europas zum generellen Wachstum beispielsweise in den G7-Staaten aufstellte. Andererseits sei die Verwendung des Begriffs «Krise» durchaus ambivalent, «gibt es doch Industriebranchen, die mit Schwierigkeiten zu kämpfen hat, während beispielsweise die Uhrenbranche die besten Jahre ‹ever› erlebe.» Mit der Ambivalenz lerne man ein Stückweit umzugehen, «aber eben nur ein Stückweit».

Businessplan als wichtiges Instrument

So müsse sich der Wirtschaftsstandort und damit auch die lokale Wirtschaftsförderung nach diesen Tatsachen ausrichten. Weiter attestierte Goetz Grenchen aber wichtige Vorteile. Gerade obengenannte Uhrenindustrie erfreut sich seit 2009 einem steten steilen Wachstum. Auch der städtische Businessplan und seine zentrale Zielsetzung, nämlich «Grenchen als einer der schweizweit führenden Technologiestandorte» wurde Thema. Grenchen liegt mit einem Beschäftigtenanteil von 60 % im Industriesektor weit über dem Schweizer Durchschnitt von 23 %.

Grenchens Verkaufsargument: Boden

Als grosse Chance der Stadt nannte Goetz die Bodenreserven, die gerade in der Industriezone Ost zum Ansiedlungsgrund für neue Firmen werden könnten. Gerade sie sind Ausgangspunkt von Wachstum: «Grenchen hat eine gute Landpolitik, was nach wie vor richtig ist.» Dem stehen nach Goetz‘ Beschreibung schwieriger gewordene politische Rahmenbedingungen: «Das Thema Bodenressourcen wird heutzutage kritischer angeschaut. Deshalb bleibt es eine Herausforderung, uns für Entwicklungsflächen einzusetzen. » Als weitere Chancen nannte Goetz die Errichtung des Velodromes, aber auch die geplante Zentrumsüberbauung von Espace Real Estate. Denn, und hier wurde der Finger auf die Wunde gelegt: «Gerade als Einkaufsstandort ist Grenchen nicht gerade ein Bijou.» Genau dieser Punkt wurde dann auch in der offenen Diskussion eingehend angesprochen. Nur: «Das Lädelisterben liesse sich auch mit einem solchen Projekt kaum aufhalten.» FürAls wichtig, wenn nicht gar lebensnotwendig, sieht Goetz eine Pistenverlängerung des Airports Grenchen, «denn ohne Business-Flugverkehr könnte dieser bald Geschichte sein.»

Nichts erzwingen, vieles ermöglichen

Bedenken und Ideenansätze, wie Grenchen in einigen Jahren oder Jahrzehnten aussehen könnte oder eben müsste, wurden aus dem Plenum einige eingeworfen. Ganz im liberalen Geist kam schliesslich das Schlussvotum von Erwin Fischer, Präsident des Industrie- und Handelsvereins Grenchen, daher: «Wir können in Grenchen nichts erzwingen, aber durch unsere Initiative viel ermöglichen.»