Uhrenindustrie

Wie das Corona-Virus die Solothurner Uhrenindustrie beeinflusst: drei Beispiele und ihre Leiden

Breitling-Hauptsitz an der Léon-Breitling-Strasse Grenchen

Breitling-Hauptsitz an der Léon-Breitling-Strasse Grenchen

Das Corona-Virus trifft auch die Solothurner Uhrenindustrie. Drei Beispiele sind Breitling, Titoni und Une — und ihr Leiden.

Die Uhren ticken langsamer dieser Tage. Das Corona-Virus bremst uns alle aus – manche nur ein bisschen, andere mehr. Zum Beispiel bei Titoni in Grenchen. Zwei Wochen Zwangsurlaub für die halbe Belegschaft. Eine Woche müssen die Angestellten beziehen, die andere kriegen sie geschenkt. Zu tun gibt es derzeit deutlich weniger als normal. China ist der Hauptmarkt des Schweizer Uhrenherstellers, auch Hongkong, Singapur und Malaysia sind wichtig.

Auch das kleine Uhren-Start-up Une kriegt das Virus zu spüren. Und das, obschon man in der Produktion voll auf lokale Partner setzt und in Asien bisher noch nicht gross verkauft hat. «Wir haben uns an einem Guerilla-Event während der Baselworld vor x Jahren erstmals einem grösseren Publikum gezeigt», sagt Gründer Frédéric Bürgi. Mit Bar, Drinks und cooler Musik lockte man Passanten an. Das wollten sie auch dieses Jahr machen. Durch die Absage der Basler Uhrenmesse fiel aber auch ihr Side-Event ins Wasser.

Breitling: Kern glaubt nicht mehr an die Messen

Anders sieht es bei Breitling aus. Die Weltmarke mit Hauptsitz in Grenchen hat unter CEO Georges Kern beschlossen, sich von Uhrenmessen weltweit zurückzuziehen. «Weil wir einfach nicht an Messen in ihrer klassischen Form glauben», sagt Kern auf Anfrage gegenüber dieser Zeitung.
Natürlich trifft das Corona-Virus Breitling aber trotzdem. Zum einen setzte man in Asien einen Wachstumsschwerpunkt, wollte gerade in China wachsen. Dieses Vorhaben wird nun verzögert. Das ist aber in der momentanen Situation eher «Glück im Unglück», wie Kern sagt. Denn die besagten Märkte sind nur für etwa zehn Prozent der Breitling-Verkäufe verantwortlich. «Die Einbussen sind nicht so dramatisch», beschwichtigt Kern.

«Wir wollen unseren Teil beitragen»

Schwieriger abzuschätzen und mit potenziell weitreichenderen Folgen dürfte eine andere Entwicklung sein: Konträr zu den zunehmenden Corona-Fällen ging die Konsumentenstimmung auf Talfahrt. «Das wird Konsequenzen haben in den nächsten Monaten», sagt Kern. Welche und wie sehr, das wagt er nicht zu prognostizieren. Aber er sieht schon erste Zeichen der Besserung. Der Breitling-CEO:«In China zieht die Wirtschaft seit ein, zwei Wochen wieder an. Und in Korea geht die Zahl der Infizierten zurück, während die der Geheilten wächst.»

Selbstverständlich hat Breitling Vorbereitungen getroffen im Hinblick auf Corona. Man hält sich an Reisebeschränkungen, trennt Abteilungen, teils wird im Homeoffice gearbeitet. Kern: «Wir wollen unseren Teil dazu beitragen, dass sich das Virus nicht weiter ausbreitet und so das Risiko für alle minimieren.» Von Lieferengpässen sei man nicht betroffen. «Ein Grossteil unserer Zulieferer kommt aus der Schweiz. Es gibt Unterlieferanten, die teilweise im Ausland produzieren, aber wir sind weit weniger vom Ausland abhängig als etwa die deutsche Automobilindustrie», sagt Kern.

Marken nehmen das Heft selber in die Hand

Während in Genf neben dem Autosalon auch die Uhrenmesse «Watches & Wonders» Corona zum Opfer fiel, ergriffen Bulgari, Breitling und weitere Schweizer Edel-Marken die Chance beim Schopf. In Zusammenarbeit mit der Stadt Genf werden sie Ende April, während der Daten, an denen die Uhrenmesse hätte stattfinden sollen, ihren eigenen Event durchführen. In mehr als zehn Luxus-Hotels werden die Schweizer Uhrenmacher dann Händler und Journalisten
aus aller Welt willkommen heissen. In kleinen Gruppen. Sehr exklusiv.

Irgendwann um diese Zeit, Ende April, Anfang Mai, möchten auch Bürgi und sein Geschäftspartner Marc Frehner zu einem grösseren Event einladen. Um eine Neuigkeit einem breiteren Publikum zu präsentieren. «Eigentlich hatten wir vor, das Ende März zu machen. Aber derzeit ist die Verunsicherung wohl einfach zu gross, um so etwas auf die Beine zu stellen», sagt Bürgi. Das alles in ihren Räumlichkeiten im Attisholz. Dafür haben sie unter anderem eine Bar eingerichtet. Irgendwann aber möchten sie rausgehen. Tokio. New York. Mit einem Une-Container um die Welt touren. «Aber das braucht Vorlauf», sagt Bürgi. Es wird nicht heute oder morgen passieren.

Messen sind bei Titoni längst passé

Titoni-CEO Daniel Schluep rechnet zwar mit einer Verbesserung der Lage ab April. Aber bis die Geschäfte wieder normal laufen, dürfte weit mehr Zeit verstreichen. Deshalb überlegt er sich, Kurzarbeit zu beantragen. Ein Händler-Meeting in China dürfte in der zweiten Jahreshälfte vielleicht wieder realistisch sein. Denn seit man vor über zehn Jahren beschloss, nicht mehr auf Messen zu gehen, hat man die Beziehungen zu den Händlern noch intensiviert. So hat man zum Beispiel letztes Jahr im Mai 250 Leute in China eingeladen. Als Teil des 100-Jahr-Jubiläums von Titoni. Das Jahr danach wird eines der schwierigsten der Firmengeschichte.

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