Ein orangefarbener Vogel mit rotangemalten Augen und schwarzen Punkten auf dem Gefieder steht in der Nähe von einem hellblauen Delfin. Direkt neben dem Tisch mit den gebrannten Tontieren hängen gestempelte Bilder aus Acrylfarben. Sieht man sich die Kunstwerke in der Schalterhalle der Regiobank an, kommt man beim harmonischen Zusammenspiel der Farben ins Schwelgen.

Gleich 23 Künstler stellen in der Ausstellung der Regiobank (bis 27. März 2015) ihre Werke aus. Sie sind alle schwerbehindert. Die Bewohner der Rodania-Stiftung haben ihre Kunstwerke im Rahmen eines Projekts geschaffen.

Sie sind die Protagonisten

Zum 30-Jahre-Jubiläum der Rodania hat die Stiftung gleich mehrere Projekte lanciert, in denen ihre Bewohner etwas auf die Beine stellen konnten, was dann bei der Jubiläumsfeier vom vergangenen Juni präsentiert wurde. «Rund ein Drittel von allen behinderten Bewohnern der Rodania haben sich für das Kunstprojekt angemeldet», erklärt Angelika Wyss, Verantwortliche für Öffentlichkeitsarbeit bei Rodania.

Am Festwochenende wurden die Bilder im Kunsthaus ausgestellt. Umso mehr freut es alle Beteiligten, dass diese nun mit der Regiobank noch einen zweiten Ausstellungsort gefunden haben.

Die Teilnehmer des Kunst-Workshops wurden je nach ihren Stärken einer von fünf Gruppen zugeteilt, wobei jede Gruppe von einem namhaften Künstler der Region begleitet wurde, der sich auf eine bestimmte Arbeitsweise fokussierte: Fraenzi Neuhaus (Solothurn) zeigte, wie man Bilder durch Stempel herstellt, Marc Reist (Schnottwil) ging mit seiner Gruppe nach draussen in die Natur und widmete sich der Frottage, Rolf Wullimann (Selzach) lehrte seinen Schülern das Malen durch die Rolltechnik, Marianne Büttiker (Aarau) zeigte, wie man aus Bildern eine Geschichte erzählen kann, und Sonja Friedrich (Solothurn) bearbeitete mit ihrer Gruppe Ton zu Tierfiguren.

Alle hatten Freude

Für die fünf Künstler war dieser Workshop eine Herausforderung, verbunden mit vielen Eindrücken und Erfahrungen. Nicht alle hatten schon mit Behinderten zusammengearbeitet. Neuhaus malte schon mit Kindern, die ein Handicap besassen. «Aber ich habe noch nie mit Schwerbehinderten gearbeitet», erklärt Neuhaus. So haben sich die Künstler entsprechend für das Projekt vorbereitet.

Sie motivierten die Rodania-Bewohner, brachten ihnen gewisse Malfertigkeit bei und halfen bei den Bewegungen. Wyss findet: «Es hat alle gefreut, mitzumachen. Was daraus entspringen konnte, ist wunderbar.» Auch Rolf Wullimann glaubt, dass alle etwas Schönes mitnehmen konnten. Behinderte hätten keine Hemmschwelle, genauso wenig wie Kinder. Wullimann: «So konnten sie ihre Werke einfach beenden und es entstand Einzigartiges.»