Zum Areal von «Sunnepark»-Investor Willi Gyger gehören auch die Gebäude des alten Spitals. Obwohl die Bauten in einem kantonalen Inventar von schützenswerten Nachkriegsbauten verzeichnet sind, sollen sie abgerissen und stattdessen eine grosse Wohnüberbauung mit rund 160 Wohnungen erstellt werden. Teile davon sollen als Alterswohnungen realisiert werden und die Dienstleistungen des «Sunneparks» nutzen können.

Bereits im Rahmen des Mitwirkungsverfahrens im letzten Frühjahr erwuchs dem Projekt Widerstand. Eine Gruppe von Anwohnern, darunter auch SP-Gemeinderat Remo Bill, sammelte Unterschriften gegen das Projekt. Die sechs Gebäude mit teilweise bis zu sieben Geschossen würden nicht in Quartier passen, wurde argumentiert. Der Gestaltungsplan sei «völlig unangemessen» und Renditeüberlegungen würden einen zu hohen Stellenwert einnehmen. Die Initianten fordern eine weniger dichte Bebauung, wie sie auch in früheren Projektphasen vorgesehen war. Noch 2013 war von 120 Wohnungen die Rede, am Anfang gar von nur 100.

Auch in der Bau- und Planungskommission wurde das Projekt laut der Gemeinderatsvorlage vom vergangenen Oktober kontrovers diskutiert. Schliesslich wurde der Gestaltungsplan aber mit sechs Stimmen bei einer Enthaltung durchgewinkt. Allerdings gingen die Diskussionen in den Fraktionen weiter und das Geschäft wurde kurzfristig von der Traktandenliste genommen, weil die Verwaltung einen Schiffbruch befürchtete.

Nun kommt heute Abend das Geschäft in unveränderter Form vor den Rat. SP-Fraktionschef Remo Bill lässt durchblicken, dass er das Projekt nach wie vor nicht gutheisst. «Als Unterzeichner der Eingabe werde ich voraussichtlich in den Ausstand treten, doch die SP-Fraktion wird den Gestaltungsplan zur Überarbeitung zurückweisen», sagt Bill. Die Bedenken der 42 Einsprecher seien nach wie vor relevant und verschiedene Vertreter auch in den bürgerlichen Fraktionen würden dies ähnlich sehen. «Ich rechne mit einer Rückweisung des Geschäfts», so Bill.

Gehört zum Stadtbild

Die Bauverwaltung vertritt dagegen die Meinung, dass das Bauprojekt sehr wohl quartierverträglich sei und stützt sich auf eine «Quartierverträglichkeitsstudie», die vom kantonalen Amt für Raumplanung gutgeheissen wurde. Die Bebauung von Grenchen weise über weite Teile ganz unterschiedliche Gebäudehöhen auf. Dieses «Collage-artige Stadtbild» mit grossen Massstabssprüngen und Nutzungsänderungen auf kleinstem Raum gehöre zum Stadtbild von Grenchen und bilde gar ein «Alleinstellungsmerkmal», das sogar von der Fachwelt gewürdigt werde. Es gehöre mithin zur Identität Grenchens.

An der öffentlichen Gemeinderatssitzung von heute Abend 17 Uhr im Parktheater (Ratssaal) sind weitere gewichtige Baugeschäfte traktandiert, so die Schulraumplanung, ein neuer Kindergarten und das weitere Vorgehen bei den drei kürzlich vorgestellten Studienwettbewerben.