Stadtbummel

Was hätte wohl Umberto Eco dazu gemeint?

Umberto Eco war nicht nur Schriftsteller sondern auch Prfessor. (Archivbild)

Umberto Eco war nicht nur Schriftsteller sondern auch Prfessor. (Archivbild)

Wie sich Umberto Eco mit Bankautomaten und Wahlplakaten geschlagen hätte.

Der leider kürzlich verstorbene Umberto Eco war ja eigentlich nur so nebenbei Schriftsteller, sein Haupteinkommen bestritt er als Professor für Semiotik. Das ist die Wissenschaft, die sich mit Zeichensystemen aller Art befasst (z. B. Bilderschrift, Gestik, Formeln, Sprache, Verkehrszeichen). Auch wenn der «Bummler» weit weg ist von der Brillanz eines Umberto Eco, sind ihm bei seinen Streifzügen durch die Stadt doch einige Zeichen aufgefallen, die ihn zumindest stutzig machten.

Ziemlich ratlos stand er zum Beispiel vor der Ankündigung bei seinem Postomaten, er könne nur noch Euro beziehen. Nach einigem Nachdenken kam er zur Überzeugung, dass dies ein zutiefst patriotischer Akt zur Schwächung des Frankens und damit zur Stärkung unserer Wirtschaft sein müsse. Das profane und späte Eingeständnis der Verantwortlichen in den Teppichetagen der Postfinance Schweiz, die hoch technologisierten Dinger würden durch die neuen Hunderter-Noten blockiert, liess die eh schon nicht sehr ausgeprägte Affinität des Schreibenden zur «digitalen Revolution» noch weiter sinken.
Leichtes Stirnrunzeln verursachte mir sodann der Hinweis bei einem weiteren Automaten. Vor der ETA werden «Bargeldbezahler» beim Parkieren darauf hingewiesen, sie sollten sich doch bitte zur Begleichung ihrer Gebühr das eigene Autokennzeichen merken. Denn sonst gehe nichts, ausser mit einer App natürlich.
Nur gut, ist der Bummler schon seit Jahrzehnten Fussgänger und öV-Benützer.

Über Sinn oder Unsinn von Wahlplakaten, deren rechtmässige oder eben unrechtmässige Anbringung, wurde schon viel geschrieben. Etwas ins Grübeln geriet ich, als mir zwei «Gringe» just beim Friedhof entgegensprangen. Da sich der Stadtbummler selbstredend nicht ins Wahlgeschehen einmischt, dazu nur noch so viel: Während der eine mit breitem Lächeln unverblümt auf die Stätte der Ruhe grinst, bemüht sich der andere immerhin und in gebührendem Abstand um einen gesetzten Gesichtsausdruck. Und da wäre schliesslich noch die Wandmalerei an der Centralstrasse, die auf das hier ansässige Architekturbüro von Kurt Kölliker hinweist. Sie sieht ganz frisch aus, spricht für die Qualität des Künstlers, denn der ehemalige Gemeinderat wirkt schon eine halbe Ewigkeit nicht mehr in unserer Stadt.

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