Eine ausführliche Statistik zur Zu- und Abwanderung existiert für Grenchen nicht. Doch lässt sich herleiten, dass jährlich zwischen 1000 bis 1500 Menschen aus dem In- und Ausland nach Grenchen ziehen, wobei in einem Jahr gleichzeitig fast so viele Menschen Grenchen wieder verlassen. Dabei ist statistisch nicht festgehalten, wie lange durchschnittlich Neuzuzüger in Grenchen leben und wie viele sich im Schnitt langfristig niederlassen. Die rund 1500 Neuzuzüger des letzten Jahres stammten aus 56 Heimatländern, rund die Hälfte von ihnen aus der Schweiz, wie Luzia Meister, Integrationsbeauftragte der Stadt, sagt. Mit 74 Neuzuzügern belege Italien den ersten Platz , gefolgt von 69 aus Deutschland, 58 aus Mazedonien und 43 aus Portugal. Weitere Neuzuzüger kommen unter anderem aus Bulgarien, Rumänien, Kosovo, Frankreich, Serbien, Polen, Eritrea und Irland.

Grenchen hat mit 35 Prozent Ausländeranteil statistisch einen höheren Durchschnittswert als den der Schweiz mit 25 Prozent. Die Gründe sind zahlreich, so Luzia Meister: «Die Städte weisen generell einen höheren Ausländeranteil als die Dörfer auf.» Dieser Trend verstärke sich noch, wenn es sich um eine Arbeiterstadt wie Grenchen handele, die eine überdurchschnittliche Zahl an Arbeitsplätzen mit kürzeren Ausbildungen aufweise. Fakt sei, dass es Asylsuchende eher in Städte zieht, sobald der Wohnsitzwechsel erlaubt sei. «Auch wenn der Kanton Asylsuchende über alle Gemeinden verteilt, finden diese sich vor allem in Städten, besonders in Olten und Grenchen, da sich in Solothurn nur erschwert eine bezahlbare Unterkunft findet.»

Ein weiterer Grund sei, dass Schweizer ein wesentlich höheres Durchschnittsalter hätten und weniger Schweizer Kinder zur Welt kämen. Weiter sei die Einbürgerungsquote relativ tief. «In Grenchen leben viele Menschen, die keinen Schweizer Pass haben, obschon sie seit Jahrzehnten hier leben oder sogar hier geboren sind und entsprechend meist gut integriert sind», hält Meister fest. «Offenbar ist für viele Zugezogene aus der EU der Schweizer Pass heute nicht mehr so wichtig.»

Mehr Vorschriften

Im Vergleich zu früher wird Integration zunehmend reglementiert und standardisiert. «Es werden Profis gerufen und es gibt mehr Vorschriften», erklärt Meister. «Auch ist das Leben in der Schweiz komplizierter geworden. Es gibt Broschüren in verschiedensten Sprachen zu den verschiedenen Lebensbereichen. Die Schweiz formuliert zunehmend ihre Forderungen an Zuziehende, namentlich Spracherwerb, Erwerbstätigkeit, Einhalten und Respektieren der elementaren Rechte und Regeln. Das ist bei zunehmenden Kulturdifferenzen wichtig.» Weiter sei es heute im Vergleich zu früher schwieriger, Arbeit für Ungelernte zu finden. Der Berufsalltag sei in verschiedener Hinsicht anspruchsvoller geworden, so seien die Unterschiede der Berufsanforderungen in der Schweiz und in fernen Ländern inzwischen grösser.

Früher wurden Integrationshilfen weniger vom Staat organisiert, sondern von Organisationen wie der Kirche und dem Roten Kreuz, sowie Freiwilligen. «Unter anderem aus Italien, Ungarn und Jugoslawien kamen oft auch gut ausgebildete Menschen, die rasch Arbeit fanden. Wo viele Menschen aus gleichem Umfeld zuziehen, bildeten sich schon früher oft Vereine zur Selbsthilfe.» Die Situation werde schwieriger und anspruchsvoller, weil Flüchtende heutzutage aus weit entfernten Kulturen kämen, mit fremder Sprache, Schrift und Lebensart, zum Teil mit minimer Schulbildung. «Generell lässt sich sagen, je grösser der Kultursprung, je geringer die Ausbildung, desto schwieriger die Integration und desto länger dauert es, bis eine Person ihren Lebensunterhalt selbst bestreiten kann.»